Frauenquote in den Chefetagen hat gute Chancen – dank FDP

Ein Kompromiss soll dem umstrittenen Vorschlag des Bundesrats eine Mehrheit verschaffen.

«Der Markt hat versagt»: Christa Markwalder will die Frauenquote auf zehn Jahre begrenzen - und dafür schnell einführen. Bild: Keystone/Tobias Kleinschmidt

«Der Markt hat versagt»: Christa Markwalder will die Frauenquote auf zehn Jahre begrenzen - und dafür schnell einführen. Bild: Keystone/Tobias Kleinschmidt

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Nach der Bundesratswahl ist eine Debatte über den geringen Frauenanteil in der Regierung entbrannt. Doch nicht nur in der Politik, auch in der Wirtschaft fehlen die Frauen in den Führungsgremien. Heute sind 9 von 10 Geschäftsleitungsmitgliedern und 8 von 10 Verwaltungsräten Männer. Der Bundesrat will deshalb per Gesetz Richtwerte definieren: Grosse, börsenkotierte Firmen sollen mindestens 30 Prozent des Verwaltungsrats und 20 Prozent der Geschäftsleitung mit Frauen besetzen. Sanktionen soll es nicht geben; fehlbare Unternehmen müssten sich nur erklären.

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Die Vorlage aus dem Departement von Justizministerin Simonetta Sommaruga ist heftig umstritten – Bürgerliche lehnen sie als unzulässige Einmischung in die Unternehmensfreiheit ab. Doch aus den Reihen des Freisinns kommt nun ein Vorschlag, der dem Vorhaben zum Durchbruch verhelfen könnte. FDP-Nationalrätin Christa Markwalder will, dass die Regelung auf zehn Jahre begrenzt wird. Dafür soll sie schneller greifen als vom Bundesrat beabsichtigt. Markwalder hat den Antrag vor der letzten Sitzung der zuständigen Rechtskommission Anfang September eingereicht. Als Liberale greife sie ungern in die Unternehmensfreiheit ein, sagt sie. «Aber in diesem Fall hat der Markt versagt. Es ist den Firmen nicht gelungen, genug Frauen für ihre Führungsgremien zu rekrutieren.»

Mehrheitsfähiger Kompromiss

Der Kompromiss ist mehrheitsfähig. Einzig die SVP lehnt ihn geschlossen ab. In der FDP dürften ihn die meisten Frauen sowie der Westschweizer Flügel unterstützen. Die CVP-Delegation in der Rechtskommission spricht sich sowohl für die Variante des Bundesrats als auch für den Kompromiss aus:

«Wenn der Kompromiss hilft, endlich einen Schritt weiterzukommen, kann ich damit leben.»Viola Amherd, CVP Wallis

Gleich klingt es bei SP, Grünen, GLP und BDP. Jean-Christophe Schwaab (SP), Präsident der nationalrätlichen Rechtskommission, betont Markwalders Glaubwürdigkeit als Gleichstellungs- und Wirtschaftspolitikerin. «Sie kennt die Welt der Grosskonzerne.» Auch BDP-Nationalrat Bernhard Guhl kann sich vorstellen, Markwalder zuzustimmen.

Zeichen aus der Wirtschaft

Nicht nur die Politik erhöht den Druck. Blackrock, der weltgrösste Vermögensverwalter, hat zuletzt in keinem anderen Land so häufig gegen einen vorgeschlagenen männlichen Verwaltungsrat gestimmt wie in der Schweiz. «Gemischte Teams fällen bessere Entscheide», heisst es im Quartalsbericht.

Video: Polit-Köpfe zur Frage, wer Zuhause das Sagen hat

Auch für den Bundesrat ist nun eine Art Richtwert im Gespräch: Ein Vorstoss will die angemessene Vertretung beider Geschlechter in die Verfassung schreiben. Darüber diskutieren Albert Rösti (SVP), Karin Keller-Sutter (FDP), Regula Rytz (Grüne) und Cédric Wermuth (SP) im Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Streitgespräch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.09.2017, 23:54 Uhr

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