Freundin des Publikums

Die ehemalige Vize-Miss Mascha Santschi ist bald UBI-Präsidentin und damit erste Anwältin des Radio- und TV-Publikums.

Medien und Justiz: Darauf fokussierte Mascha Santschi von Anfang an. Bild: David Avolio

Medien und Justiz: Darauf fokussierte Mascha Santschi von Anfang an. Bild: David Avolio

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Es ist ein Moment grösster Freude und grösster Enttäuschung. Wenn eine Miss Schweiz gekürt wird, dann wird eine andere Zweite. Diese versucht in der Regel, Haltung zu bewahren, und lächelt dabei gequält oder schaut beleidigt. Bei Mascha Santschi war das anders. Sie weinte hemmungslos, als im Herbst 2000 das Krönchen an die Aargauerin Mahara McKay ging. Man sah es auch an den geröteten Augen auf dem Siegerbild, bei dem die Vize-Miss jeweils die Gewinnerin flankieren darf. Das Weinen wirkte ehrlich, die 19-jährige Bernerin hatte die Sympathie des Publikums sofort auf ihrer Seite. Jobangebote und Werbeaufträge flogen ihr zu, eine Zeitschrift bezeichnete sie als heimliche Miss Schweiz.

Das Publikum ist noch immer eine starke Bezugsgrösse für die mittlerweile 38-jährige Anwältin und promovierte Juristin. Doch ihre Funktion hat sich geändert. Mascha Santschi ist seit zwei Jahren Mitglied der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI), ein neunköpfiger Spruchkörper, der darüber wacht, dass publizistische Regeln eingehalten werden. Ab Januar 2019 wird sie Präsidentin des Gremiums, wie der Bundesrat diese Woche mitgeteilt hat. Er wählt die Mitglieder der Behörde, die auf Beschwerde hin aktiv wird. Wer unsachgemässe Berichterstattung beanstanden will, kann sich an die Ombudsstelle wenden und dann – im Falle einer Ablehnung – an die UBI.

Sie hat sich nicht ums UBI-Präsidium beworben

Medien und Justiz, darauf fokussierte Mascha Santschi von Anfang an. Gleich nach der tränenreichen Miss-Wahl ging es los mit Redaktionsjobs bei TeleZüri, Radio BeO (Berner Oberland) und beim «Blick». Zwischendurch arbeitete sie in der Kanzlei eines Medienanwalts und später als Gerichtsschreiberin sowie als Informationsbeauftragte am Luzerner Obergericht. Medien und Justiz, fand sie später, das müsste man vereinen, das sei eine Marktlücke. Vor drei Jahren gründete sie mit dem früheren NZZ-Bundesgerichtskorrespondenten Markus Felber die Firma Santschi & Felber Justizkommunikation. Kunden sind Justizbehörden, Anwälte oder Firmen, die sich im Bereich des Rechts bewegen und Hilfe bei der Kommunikation brauchen. Es laufe gut, sagen Felber und Santschi.

Und nun also das UBI-Präsidium, ein 25-Prozent-Job, der sich auf fünf ganztägige Sitzungen pro Jahr verteilt, plus Aktenstudium. Mascha Santschi arbeitet fast Vollzeit und betreut daneben zusammen mit ihrem Mann ihre beiden kleinen Mädchen. Es komme ihr zugute, dass sie immer viel gearbeitet habe, auch während des Studiums, sagt sie. Sie sei das hohe Pensum gewohnt. Ihre Dissertation zum Thema «Externe Kommunikation der Gerichte» hat sie soeben abgeschlossen, damit gibt es Platz für die künftige Aufgabe.

Sie hat sich nicht ums UBI-Präsidium beworben. Aber gefreut hat sie sich schon, als Bundesrätin Doris Leuthard sie in diesem Herbst zum Gespräch bat. Danach schlug Leuthard dem Bundesrat Mascha Santschi zur Wahl vor. Sicher auch in der Hoffnung, dass nun im Gremium Ruhe einkehren werde. Der heutige Präsident verabschiedet sich nach nur drei Jahren, der Rätoromane Vincent Augustin wurde einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt. Viel bekannter war sein Vorgänger, Medienprofessor Roger Blum. In seine Fussstapfen tritt nun Mascha Santschi, Freundin des Publikums.

Erstellt: 10.11.2018, 16:24 Uhr

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