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Freysingers Comeback

Der abgewählte Walliser SVP-Staatsrat Oskar Freysinger hat einen neuen Roman publiziert: «Bergfried».

Angriffig wie je: An der Auns-Versammlung holte Freysinger zur Medienschelte aus. Foto: Anthony Anex (Keystone)
Angriffig wie je: An der Auns-Versammlung holte Freysinger zur Medienschelte aus. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Schwere Zeiten liegen hinter SVP-Politiker Oskar Freysinger. Nach seiner Abwahl aus der Walliser Regierung im vergangenen Winter mied der langjährige Nationalrat selbst Barbesuche in seiner Wohngemeinde Savièse. Der 57-Jährige schien im öffentlichen Leben nicht mehr zu existieren. Dabei hatte er als Regierungsrat noch die kleinsten Bühnenauftritte gesucht, um Reden zu halten und seine selbst geschriebenen und -gedichteten Chansons zum Besten zu geben.

Doch nun gibt Oskar Freysinger, nach wie vor Vize-Präsident der SVP Schweiz, sein Comeback. Nach einer «Zeit der Meditation, der Selbstfindung und wiedergewonnener Freiheit», von der er spricht, sucht er wieder die grossen Bühnen, gewährt Interviews, diskutiert auf Podien und gibt sich dabei gerne selbstironisch. Als ein Journalist des TV Oberwallis seine Abwahl jüngst mit dem Tod von Ernesto Che Guevara verglich, witzelte Freysinger. «Der Unterschied zwischen Che Guevara und mir ist, dass es bei mir ein Ritualtod war. Ich habe das Glück, dass ich noch lebe.»

Freysinger hat neue Projekte. Letzte Woche erschien sein neustes Buch. «Bergfried» ist sein Titel. Der Luzerner Verlag Brinkhaus bewirbt es als «realitätsbezogenen Roman». Am Donnerstag wird das Buch in der Briger Buchhandlung Zur Alten Post mit einer Vernissage gefeiert. Es werde in der Schweiz und Deutschland vertrieben, der Versand laufe gut, Buchkritiken würden in den nächsten Tagen erscheinen, heisst es beim Verlag. Verkaufszahlen gebe es aber noch keine.

Eine Sittenskizze

Freysingers Anhänger hatten wohl auf einen Polit-Thriller gehofft, in dem er über seine Abwahl schreibt und mit der Walliser Politik abrechnet. Doch in «Bergfried» erzählt er erst mal eine andere Geschichte. Eine betagte Witwe pflegt in einem Bergdorf am Grab ihres kurz nach der Hochzeit verstorbenen Mannes seltsame Rituale. Da taucht plötzlich ein Immobilientycoon auf und will auf dem verwilderten Friedhof ein Resort bauen. Während die Gemeindebehörden dem Tycoon den roten Teppich ausrollen, stemmt sich im Dorf einzig die Witwe gegen das Projekt. Die Frau will ihre jahrzehntelangen Trauerrituale für ihren verstorbenen Mann nicht aufgeben. Schon gar nicht für ein Tourismusprojekt.

Was hat das Buch mit Oskar Freysinger persönlich zu tun? Auch er sei in den letzten Monaten zur Einsicht gekommen, dass «Dauer und Tiefe» wichtiger seien als «Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit», sagt Freysinger. Das Buch sei eine «Sittenskizze» und veranschauliche den Clash zwischen traditionellen Werten und der modernen Konsumgesellschaft, wie er gerade im Wallis oft vorkomme.

Sein nächstes Buch

Bis zu Freysingers literarischer Abrechnung mit der Walliser Politik und insbesondere den Medien dürfte es aber nicht mehr lange dauern. Sein nächstes Buch soll in Bälde erscheinen und den Titel «Cendre Rouge» (rote Asche) tragen. Mitte Oktober bot er an einer Podiumsdiskussion der Westschweizer Sektion der «Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz» (Auns) einen Vorgeschmack auf seine Medienkritik. «Der Journalist anerkennt keine Landesgrenzen, ist Antirassist, Pro-Europäer, Feminist, Umweltschützer, für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender, für Abtreibungen und die Euthanasie, kurz, für alles, was die Gesellschaft tötet», sagte Freysinger auf dem Auns-Podium. «Die Presse ist daran, sich selbst umzubringen», so Freysinger.

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