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Frühlingserkrachen

Es gibt ein gutes Vorbild dafür, wie man mit Töfflärm fertig wird: das Rauchen.

Der Schweizer Frühling hat zwei Soundtracks: das Zwitschern der Vögel. Und das Dröhnen der Töffs. Über zweites nerven sich viele Menschen, in Städten ebenso wie an Motorradstrecken auf dem Land. Doch der Ärger über das Frühlingserkrachen bewirkt wenig. Denn Politiker verhindern schalldämpfende Massnahmen. Und der Staat kontrolliert zu wenig.

Für manche Töfffahrer mag das Aufheulen der Motoren nach Musik tönen. Die Branche wirbt mit «kernigen», «bissigen» oder «krawalligen» Auspuffklängen. Sie liefern die akustische Bestätigung für die Kraft der Maschine, vervollkommnen das Töfferlebnis zum Gesamtkunstwerk. Wem hingegen das Ohr für die Motorenmusik fehlt, der hört nur eins: Krach.

Umgang mit Rauchern als Vorläufer

Die Anhänger der Knattersonaten beklagen sich gerne über einen illiberalen Zeitgeist und links-grüne Zwängerei. Ihre Annahme lautet demnach: Je lauter mein Auspuff, desto freiheitlicher eine Gesellschaft. Dahinter steht ein Verständnis von Freiheit, das schlecht funktioniert in dicht besiedelten Ländern. In solchen sollte eine Minderheit nicht tun, was eine Mehrheit offensichtlich belästigt – nur weil die Minderheit Spass daran hat. Ansonsten müssten Death-Metal- oder Gabber-Fans das Recht haben, ihre Musik in Openair-Lautstärke überall draussen zu spielen. Auch vor den Häusern der Töfffahrerinnen.

Wie man störende Vorlieben einer Minderheit entschärft, zeigt der Umgang mit Rauchern. Seit knapp zehn Jahren lässt man sie so rauchen, dass sie niemandem damit schaden: draussen oder im Fumoir. Dieser Kompromiss funktioniert, kaum jemand verlangt neue Verbote.

Auf den Motorenkrach übersetzt, hiesse das: Töffs sollten so leise fahren wie möglich. Dafür hat der Staat zu sorgen. Anfangen könnte er mit Lärmradaren, wie in Genf gefordert. Die Knatterfreunde aber könnten sich in schallisolierten Hallen treffen oder auf Pisten in der Nähe von Flughäfen. In solchen «Lärm-Fumoirs» dürften sie so laut krachen, wie sie wollen. Ohne dass ihnen jemand dreinredete.

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