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Für einmal sind sich alle Parteien einig

Wann war es das letzte Mal vorgekommen, dass sich sämtliche Parteien, von SP bis hin zur SVP, hinter den Bundesrat stellten? Vereint und vorbehaltlos, wie sie selber in einem gemeinsamen Communiqué betonten? Man braucht ein gutes Langzeitgedächtnis, um diese Frage zu beantworten.

Am Montag war es so weit. Die Massnahmen, die der Bundesrat beschlossen habe, seien einschneidend, aber dringend notwendig. Nur so könne der drohende Kollaps des Gesundheitssystems verhindert und diese Krise bewältigt werden, schrieben die acht Parteien. Über dem Text haben sie die Signete von SP, Grünen, GLP, EVP, CVP, BDP, FDP und SVP um das Bild der Bundeshauskuppel gruppiert.

«Diese ungewöhnliche Situation erfordert Selbstdisziplin und gesellschaftliche Solidarität», heisst es weiter. Nicht umsonst sei in der Bundeshauskuppel auf Lateinisch das Motto des Bundesstaates eingelassen: Eine*r für alle – alle für eine*n. Wobei die Sterne im lateinischen Text noch fehlten. Die Bevölkerung sei aufgefordert, den Massnahmen des Bundesrats zuvertrauen – und sie umzusetzen. Die Parteien sprachen zudem ihren Dank und ihren Respekt all jenen aus, die für die Gesundheit, für die Sicherheit und für die Grundversorgung der Bevölkerung besorgt sind.

Alle müssen mitmachen

Bis 2015 gehörte auch Felix Gutzwiller (FDP) dem Parlament an, Alt-Ständerat und emeritierter Professor der Präventivmedizin. Auch er als Experte erachtet die Massnahmen als adäquat. Zwar werde jedes Mal diskutiert, ob sie zu früh oder zu spät kämen: «Aber hätte der Bundesrat zum Beispiel die Grossveranstaltungen schon vor dem 28.Februar verboten, wäre ein Aufschrei durch die Bevölkerung gegangen.» Am Ende nütze keine Massnahme etwas, wenn die Bevölkerung nicht mitmache. Dass sie bereits nach drei Tagen verschärft würden, sei angesichts der steigenden Zahlen von Infizierten richtig.

Wichtig sei, dass nun schweizweit einheitliche Regeln gälten: «Es war grotesk, dass an Kantonsgrenzen auf der einen Strassenseite die Läden geöffnet waren und auf der anderen geschlossen.»

Gutzwiller erachtet es als sehr hilfreich, dass nun Militärangehörige in Spitälern eingesetzt werden. Er gehörte einst dem Spitalregiment an und weiss aus eigener Erfahrung, dass sie das Spitalpersonal nicht nur in der Pflege, sondern auch beim Transport und in der Logistik spürbar entlasten können.

Müssen die Massnahmen nochmals verschärft werden? «Viel hat der Bundesrat nicht mehr im Köcher», glaubt der Präventimediziner. Er könne nur noch wie in Italien verfügen, dass die Leute das Haus nur noch mit triftigen Grund verlassen dürften. Es sei aber möglich, dass die Massnahmen verlängert werden müssten. Betrachte man den Verlauf von historischen Epidemien und der aktuellen in China, könne man davon ausgehen, dass sie bis zwölf Wochen dauere. Für die Schweiz hiesse das bis Mitte Mai. Aber: Eine Epidemie kommt erst dann zum Erliegen, wenn jeder Infizierte weniger als eine Person ansteckt. Da aber Kinder und Jugendliche meist nur schwache Symptome spürten, änderten sie ihr Verhalten kaum und könnten so rasch mehrere Personen anstecken. «Deshalb muss nun wirklich die ganze Bevölkerung diese einfachen Anweisungen befolgen: Distanz halten, Hände waschen.»

(jho)

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