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«Für mich tönt das nach Alarmismus»

Swissgrid sieht die Schweizer Stromversorgung wegen der Einsprachemöglichkeiten bedroht. Felix Nipkow von der Schweizerischen Energie-Stiftung kontert.

Einsprachen sollen abgekürzt werden: Logo der Swissgrid.
Einsprachen sollen abgekürzt werden: Logo der Swissgrid.
Keystone

Das Verfahren für den Bau von Stromleitungen müsse massiv beschleunigt werden, fordert Swissgrid heute in einer Medienmitteilung. Das Unternehmen, welches die schweizerischen Stromübertragungsnetze betreibt, beklagt sich, dass gewisse Projekte bis zu 30 Jahre auf die Realisierung warten. Dies, weil Einsprachen gegen Strommasten und Hochspannungsleitungen häufig bis vors Bundesgericht gelangen.

In letzter Zeit sei es vermehrt zu Engpässen im Stromnetz gekommen. Gewisse Rekurse sollen deshalb nicht mehr ans Bundesgericht weitergereicht werden, fordert Swissgrid. Sonst könne die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleistet werden. «Für mich tönt das nach Alarmismus», sagt Felix Nipkow von der Schweizerischen Energie-Stiftung gegenüber Redaktion Tamedia.

«Nur in Einzelfällen sinnvoll»

Nipkow steht der Forderung von Swissgrid kritisch gegenüber. «Dass wegen der Verzögerung bei einzelnen Projekten die Versorgungssicherheit gefährdet sein soll, kann ich nicht recht glauben», sagt er. Grundsätzlich könne es aber durchaus Sinn machen, die Verfahrensdauer zu kürzen. «Aber nur in einzelnen Fällen, wo es versorgungstechnisch kritisch zu werden droht.»

Die Schweizerische Energie-Stiftung will aber die klare Bedingung festgelegt wissen, dass umweltrechtliche Aspekte auch weiterhin stark gewichtet werden. «Es braucht auch zukünftig Rekursmöglichkeiten für Umweltverbände, Private und Gemeinden», fordert Nipkow.

Den Grund für die Überlastung der Netze sieht Nipkow weniger bei der Verfahrensdauer von Einsprachen als vielmehr im internationalen Stromhandel. Dieser überlaste regelmässig die Schweizer Netze und führe zu Engpässen.

Thema betrifft auch Politik

Ähnlich sieht dies auch der Energieexperte Rainer Bacher. Doch hinterfragen müsse man weniger das Vorgehen der Swissgrid als vielmehr den Auftrag, den sie vom Bund erhalte, sagt Bacher. Die Versorgungssicherheit sei zwar Auftrag der Swissgrid. Das Thema sollte jedoch im Kontext der inländischen Energiewende neu betrachtet werden und betreffe auch die Politik.

«Neben dem Ausbau des Übertragungsnetzes stellen sich längerfristig wichtige Fragen der Versorgungssicherheit. Diese betreffen beispielsweise die inländische Erzeugung durch sogenannt volatile, verteilte Fotovoltaik und den vermehrten Zugang über neue Übertragungsnetze zu Windkraft in Norddeutschland», sagt Bacher. Diese seien mindestens so gravierend für Versorgungsengpässe wie aufgrund von Rekursen aufgehaltene Bauprojekte.

Neue Technologie angetestet

Im Rahmen der Möglichkeiten setzt sich die Swissgrid auch erstmals mit einer Technologie auseinander, welche von Experten schon lange gefordert wurde: die unterirdische Verlegung von Höchstspannungsleitungen. In diesem Jahr setzte sie dazu ein Plangenehmigungsverfahren für die Teilverkabelung einer Stromleitung in Gang. Ein rund anderthalb Kilometer langes Kabelstück soll beim Kernkraftwerk Beznau getestet werden.

Diese Verlegung in den Untergrund findet Felix Nipkow von der Schweizerischen Energie-Stiftung sinnvoll: «Es müsste eigentlich in jedem einzelnen Fall geprüft werden, ob eine solche Verlegung Sinn macht.» Die Verkabelung sei aber nicht in jedem Fall die ökologisch bessere Lösung.

«Die finanziellen Aspekte sollten weniger stark gewichtet werden als die ökologischen und landschaftspolitischen», meint Nipkow. In anderen Ländern sei man bei diesen Fragen schon um einiges weiter. Daran sei aber nicht die Swissgrid allein schuld. In der Schweiz habe man diese Technologie wohl einfach etwas verschlafen.

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