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Gab es bei der Zulassung eine Ausnahme zu viel?

Die Ju-Air bekam ihre Bewilligung für kommerzielle Flüge nur wegen Ausnahmen bei der Sicherheit.

«Der schwierigste und schwärzeste Tag in der 36-jähigen Geschichte der Ju-Air»: Kurt Waldmeier, Gründer und CEO Ju-Air an der Pressekonferenz am 5. August 2018.
«Der schwierigste und schwärzeste Tag in der 36-jähigen Geschichte der Ju-Air»: Kurt Waldmeier, Gründer und CEO Ju-Air an der Pressekonferenz am 5. August 2018.
Melanie Duchene, Keystone
Unter den Opfern befinden sich 8 Paare und 4 Einzelpersonen: Die Kantonspolizei informierte in Flims über die bisherigen Erkenntnisse zum Absturz. (5. August 2018)
Unter den Opfern befinden sich 8 Paare und 4 Einzelpersonen: Die Kantonspolizei informierte in Flims über die bisherigen Erkenntnisse zum Absturz. (5. August 2018)
Melanie Duchene, Keystone
Undatierte Aufnahme einer fliegenden Junkers Ju-52 mit Schweizer Zulassung.
Undatierte Aufnahme einer fliegenden Junkers Ju-52 mit Schweizer Zulassung.
Str, Keystone
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Drei Tage ist es her, seit eine Ju-52 bei Flims abstürzte und 20 Menschen in den Tod riss. Noch kennt man die Ursachen des tragischen Unfalls nicht. Trotzdem stellt sich die Frage, warum eine Fluggesellschaft, die mit fast 80-jährigen Flug­zeugen operiert, mit amtlichem Segen kommerzielle Flüge durchführen darf.

Um eine Bewilligung für einen kommerziellen Flugbetrieb, ein sogenanntes AOC, zu erhalten, muss eine Gesellschaft die strengen Vorschriften der Europäischen Agentur für Flug­sicherheit (Easa) einhalten. Deshalb wirkt das AOC wie ein Gütesiegel, das höchste Sicherheitsstandards verspricht. Nicht so im Fall der Ju-Air. Es ist unmöglich, die Sicherheitsstandards mit einer Ju-52 einzuhalten, darum wurden vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) Ausnahmen gemacht.

Normen basieren auf tieferen Temperaturen

Nun ist es zwar nicht so, dass alte Flugzeuge per se unsicher sind. Das betonen die Behörden und die Ju-Air unisono. Doch beruht die Ju-52 auf einer Technik, die vor über 80 Jahren State of the Art war. Das war eine Zeit, in der Fliegen noch viel unsicherer war als heute. Zudem hat die Antriebstechnik seither enorme Fortschritte gemacht.

Bei der abgestürzten Ju weiss man, dass sie in unüblich grosser Hitze auf rund 3000 Metern flog, dies mit einer Geschwindigkeit von 150 bis 200 Kilometern pro Stunde. Die Minimalgeschwindigkeit liegt bei gut 130 Kilometern. Zugelassen ist das Flugzeug bis 5000 Meter, dies aber aufgrund von Normen, die auf höchstens halb so hohen Temperaturen basieren, wie sie am Samstag herrschten. Das drückt auf die Leistung der Motoren, und entsprechend klein wird die Sicherheitsreserve, wenn eine Böe kommt.

Insofern fragt sich, ob man kommerzielle Flüge mit Oldtimern weiterhin zulassen sollte oder ob es nicht besser wäre, das Gütesiegel AOC nur den Gesellschaften zu gewähren, die die modernen Anforderungen an die Flugsicherheit wirklich erfüllen.

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Video: Flugzeugabstürze in der Schweiz

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