Zum Hauptinhalt springen

1000 Schwachstellen im Herzen von Beznau 1

Die Probleme im Atomkraftwerk Beznau 1 sind weit gravierender als bis anhin bekannt. Die Atomsicherheitsbehörde Ensi und die Axpo schweigen.

Weist gravierende Mängel auf: Das Atomkraftwerk Beznau.
Weist gravierende Mängel auf: Das Atomkraftwerk Beznau.
Alessandro della Bella, Keystone

Um das dienstälteste Atomkraftwerk der Welt steht es offenbar schlechter als bislang kommuniziert. In den Stahlwänden des Reaktordruckbehälters von Beznau 1 klaffen gegen 1000 Löcher; dies bestätigen zwei voneinander unabhängige Quellen Redaktion Tamedia. Die Rede ist von Löchern mit einem durchschnittlichen Durchmesser von einem halben Zentimeter, eingeschlossen innerhalb der Stahlwände. Im Lichte dieser neuen Informationen scheinen die Angaben, welche der Energiekonzern Axpo bislang gemacht hat, arg untertrieben. Der Betreiber von Beznau hatte am 16. Juli mitgeteilt, in den Stahlwänden des Reaktordruckbehälters «an einigen Stellen Anzeigen registriert» zu haben, «die auf minimale Unregelmässigkeiten aus dem Herstellungsprozess hinweisen». Sicher ist: Betroffen von den Mängeln ist das Herz des AKW und damit ein hochsensibler Bereich: Im Reaktordruckbehälter, einem Gefäss von 10 Metern Höhe und 3,5 Metern Breite, laufen die nuklearen Prozesse ab. Leckt er, droht radioaktive Strahlung in die Umgebung zu entweichen. Das Problem sei weit gravierender als angenommen, sagt ein Insider. Er gehe davon aus, dass Beznau 1 nie wieder hochgefahren werde. Anders die Axpo. Noch im letzten Monat erklärte der Energiekonzern, er rechne fest mit einer Wiederaufnahme des Betriebs, freilich frühestens Ende Februar 2016 statt wie bis dato geplant Ende Oktober dieses Jahres. Geortet hatte die Axpo die «Unregelmässigkeiten» im Juli. Das AKW stand zu diesem Zeitpunkt bereits still, weil es sich in der ordentlichen Jahresrevision befand; seither ist es abgeschaltet. Axpo muss Sicherheit beweisen Angefragte Energiepolitiker wollen sich zu den Informationen von Redaktion Tamedia nicht äussern. Offenbar war Beznau 1 Thema an der Sitzung der nationalrätlichen Energiekommission (Urek) vom Dienstag. Die Kommission liess im Anschluss daran jedenfalls verlauten, sie habe sich von der Schweizer Atomaufsichtsbehörde Ensi über die «kürzlich bekannt gewordenen Befunde» im Reaktordruckbehälter von Beznau 1 informieren lassen. Sie werde die weitere Entwicklung im Auge behalten. Der Nationalrat hatte im letzten Winter verlangt, Beznau 1 sei nach maximal 60 Jahren Betriebszeit vom Netz zu nehmen, also spätestens 2029. Der Ständerat indes lehnt jedwede politisch motivierten Laufzeitbeschränkungen ab; dies hat er in der eben zu Ende gegangenen Herbstsession beschlossen. Die beiden Räte müssen diese Differenz nach den Wahlen vom 18. Oktober ausräumen – in neuer Zusammensetzung und damit unter veränderten Kräfteverhältnissen.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.