Das Geheimtreffen der Mächtigen in der Schweiz

Verschwörung? Kaum. Aber was läuft an der Bilderberg-Konferenz 2019? Ein Schweizer Manager spricht über das Treffen mit Mike Pompeo, Tidjane Thiam und Ueli Maurer.

Für die Beobachter bleibt die Bilderberg-Konferenz obskur: Blick über den diesjährigen Veranstaltungsort Montreux. Foto: Keystone

Für die Beobachter bleibt die Bilderberg-Konferenz obskur: Blick über den diesjährigen Veranstaltungsort Montreux. Foto: Keystone

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Die Verschwörungstheorien rund um die Bilderberg-Konferenzen sind zahllos. Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler, Intellektuelle und Geheimdienstler sollen an den Privatgipfeln in der Vergangenheit Wirtschaftskrisen und Kriege angezettelt und Freihandelsabkommen beschlossen haben.

Solche Theorien bezeichnet André Kudelski als «Phantasma». Der Waadtländer Unternehmer hat seit seiner ersten Teilnahme im Jahr 2002 an mehreren Konferenzen teilgenommen. Als «Diskussionsforum» bezeichnet er den Anlass. Die Teilnehmer würden weder Entscheide treffen noch Resolutionen beschliessen, es gehe auch nicht um Landesinteressen, sondern um die «Verteidigung einer Demokratie, die auf der Freiheit des Einzelnen und dem Rechtsstaat aufbaut», so der Waadtländer. Die Konferenz habe zum Ziel, den Dialog und den Austausch zwischen Europa und Nordamerika zu ermöglichen und Themen wie Ethik, Forschung, Innovation und Klimaschutz aufzugreifen.

Maurer trifft auf Pompeo

In diesem Jahr bringt André Kudelski, seit 2013 als einziger Schweizer im Organisationskomitee, die Bilderberg-Konferenz nach Montreux. Das Treffen beginnt am Donnerstag und dauert bis Sonntag. Konferenzort ist das Hotel Montreux Palace, das in dieser Zeit für die Öffentlichkeit unzugänglich sein wird. Die Gästeliste umfasst 130 Personen. An den Genfersee kommen unter anderen US-Aussenminister Mike Pompeo, der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire, der niederländische Premierminister Mark Rutte, die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer, Parteichefin der CDU und mögliche Nachfolgerin von Kanzlerin ­Angela Merkel. Auch Bundes­präsident Ueli Maurer, Crédit-Suisse-Chef Tidjane Thiam, ­Roche-Vize-VR André Hoffmann und Tamedia-Verleger Pietro ­Supino werden in Montreux ­erwartet. Schon seit Jahren mit dabei ist der ehemalige US-Aussenminister Henry Kissinger.

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Vom Treffen der Mächtigen an der Bilderbergkonferenz dringt nichts nach aussen: Okay so?




Sämtliche Teilnehmer wurden angehalten, ohne persönliche Mitarbeiter und Assistenten zu erscheinen. Zudem sollen sie für die ganze Dauer der Konferenz in Montreux bleiben und das Hotel möglichst nicht verlassen. Auf der Gesprächsliste steht eine Vielzahl von Themen. Dazu gehören das sich ändernde Kräfteverhältnis zwischen den Grossmächten USA und China, die Zukunft Europas, der Klimawandel, der Brexit, Russland, die künstliche Intelligenz, die sozialen Medien und die Bedrohung durch Cyberkriege.

US-Aussenminister Mike Pompeo wird auch nach Montreux kommen. Foto: EPA

Offizielle Gesprächsprotokolle wird es nicht geben. Bei früheren Konferenzen war die Sitz­ordnung alphabetisch, damit ­keine Ordnung nach Nationen oder politischen Gesinnungen entstand.

In der Romandie findet die Bilderberg-Konferenz zum ersten Mal statt. Nicht aber in der Schweiz. 2011 mieteten die Organisatoren für das Treffen das Hotel Suvretta House in St. Moritz. 50 Polizeigrenadiere bewachten den Ort, während Jungsozialisten unter dem Motto «Mensch vor Markt – Mehr Demokratie wagen!» eine Gegenveranstaltung abhielten. Die Juso demonstrierten friedlich.

Für Aufsehen sorgte einzig ein italienischer Lega-Politiker und Europa-Parlamentarier, der versuchte, das Hotelgelände zu ­betreten, worauf die Polizei ihn verhaftete.

Während der Konferenz wird das Hotel Montreux Palace für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein. Foto: Keystone

Den diskreten Rahmen der Bilderberg-Konferenz hält André Kudelski für entscheidend, um die Vertraulichkeit der Gespräche zu gewährleisten. Auf die fehlende Transparenz angesprochen, sagt Kudelski: «In der Schweiz gibt es auf allen möglichen Machtebenen Diskussionen, die vertraulich bleiben. Ich kann mir die Existenz einer Demokratie nicht vorstellen, ohne dass es in der Reflexionsphase eine Geheimhaltung gäbe.» Ohne Begleitpersonen verspürten die Teilnehmer im Übrigen keinerlei politische und psychologische Hemmschwelle. «Die Leute engagieren sich aus sich selbst heraus», betont der Unternehmer.

Dass es bei den Gesprächen vordringlich um die Zukunft des Kapitalismus geht, verneint Kudelski insofern, als stets verschiedene Systeme und verschiedene Formen erörtert würden. An der Konferenz gelte das Recht der freien Meinungsäusserung, egal ob ein Teilnehmer politisch links oder rechts stehe.

Erstellt: 28.05.2019, 09:15 Uhr

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