Genf stellt Milliardär Steinmetz wegen Korruption vor Gericht

Der berüchtigte Rohstoff-Tycoon soll Bestechungsgelder in Guinea gezahlt haben. Der Prozess wird zum Präzedenzfall im Kampf gegen die Korruption in Afrika.

Minenmagnat und berüchtigter Diamantenkönig: Beny Steinmetz.

Minenmagnat und berüchtigter Diamantenkönig: Beny Steinmetz.

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In Genf wird einer der grössten Korruptionsprozesse seit über zehn Jahren stattfinden. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den Bergbau-Tycoon Beny Steinmetz. Ebenfalls angeklagt sind eine Vertraute von Steinmetz und einer seiner ehemaligen Partner. Sie sollen gemeinsam der Frau von Guineas Ex-Präsident, Lansana Conté, rund zehn Millionen Dollar gezahlt haben. Der Vorwurf lautet auf Bestechung ausländischer Amtsträger und Urkundenfälschung.

Der Prozess gegen Beny Steinmetz und seine Mitarbeiter ist der vorläufige Schlusspunkt einer aufwändigen, sechsjährigen Untersuchung der Genfer Staatsanwaltschaft. Laut den Ermittlern liegen nun Beweise vor die zeigen, dass Steinmetz und Co seit 2006 Bestechungsgelder in Millionenhöhe an die vierte Frau von Präsident Conté gezahlt habe. Die Absicht sei gewesen, den Konkurrenten Rio Tinto aus der Eisenmine Simandou zu verdrängen. Firmen von Steinmetz’ BSGR-Gruppe hätten die Zahlungen organisiert. Das ganze sei via falsche Rechnungen, fiktive Verträge und Briefkastenfirmen abgewickelt worden, um die Beteiligung von Beny Steinmetz und seiner Gruppe zu verschleiern. Der Leiter der Ermittlungen, Staatsanwalt Claudio Mascotto, kann gemäss gut unterrichteten Quellen, den Fluss von etwa acht Millionen Dollar dokumentieren. Die restlichen zwei Millionen Dollar seien bar bezahlt worden.

Triumpgh von kurzer Dauer

Dank der Intervention der angeblich bestochenen Präsidentengattin hätten Beny Steinmetz und seine BSGR-Gruppe die Abbaurechte an der Lagerstätte Simandou schliesslich übernehmen können. Später hätten sie dann daraus einen riesigen Gewinn erzielen können: 500 Millionen Dollar habe der Weiterverkauf der Rechte an den brasilianischen Bergbauunternehmen Vale eingebracht. Doch dieser Triumph war damals nur von kurzer Dauer.

Im Jahr 2013 warfen die guineischen Behörden Beny Steinmetz vor, die Rechte an Simandou illegal erworben zu haben. Unterstützt wurden sie dabei insbesondere vom amerikanischen Milliardär George Soros. In diesem Zuge wurden Tonbandaufzeichnungen veröffentlicht, auf denen ein Gespräch zu hören ist zwischen der Gattin des Ex-Präsidenten und jenes Steinmetz-Mitarbeiter, der in Genf ebenfalls angeklagt wird. Darin fordert der Mann die Präsidenten-Gattin auf, Beweise zu vernichten.

Der Fall Steinmetz ist heute längst ein Symbol für den Kampf gegen die Korruption in Afrikas Rohstoff-Industrie. In den Vereinigten Staaten, Israel und der Schweiz wurden Ermittlungen eingeleitet. Doch Steinmetz schlug zurück. Anfang dieses Jahres hat er eine Vereinbarung mit Guinea getroffen. Alle Klagen des Landes gegen ihn wurden annulliert. Dank diesem Deal konnte er seine Tätigkeit in Simandou sogar wieder aufzunehmen.

Offensichtliche hoffte Steinmetz, dass damit auch das Verfahren gegen ihn in Genf eingestellt würde. Er sei nur der «Botschafter» oder «Berater» des BSGR gewesen, sagte er. Steinmetz selber habe die Gruppe gar nicht geführt. Er sei sich auch nie bewusst gewesen, dass es irgendwelche korrupte Zahlungen gab. Die Frau des gestorbenen Präsidenten habe schlicht gelogen, also sie sagte, sie hätte ihn getroffen. Laut Marc Bonant, dem Genfer Verteidiger von Steinmetz, gäbe es ausserdem einige saftige Zitate in den Akten, die nahelegten, dass die angeblich bestochene Frau des Ex-Präsident kaum Einfluss auf ihren Gatten gehabt habe. Als sie sich in die Politik einmischen wollte, sagte er ihr angeblich: «Halt die Klappe Frau, geh zurück in die Küche.»

Präsidenten-Empfang unter einem Baum

Beny Steinmetz gibt aber zu, dass er den guineischen Ex-Präsidenten im Jahr 2008 unter abenteuerlichen Umständen getroffen hat. Der Palast des Präsidenten war damals durch einen Putschversuch zerstört. Also habe Conté Steinmetz damals unter einem Baum empfangen und dabei Kette geraucht - dies obwohl er massiv unter Diabetes litt. Damals habe er den Zuschlag für die Mine erhalten, sagt Steinmetz, gänzlich ohne Korruption.

Im anstehenden Prozess in Genf gibt nun mehrere Unbekannte. Zuvorderst steht die Frage, ob der Minenmagnat überhaupt auftauchen wird. Früher wohnte Steinmetz in Genf, heute lebt er aber in Israel. Die zweite Frage: Wird die Hauptzeugin der Staatsanwaltschaft, die Frau von Ex-Präsident Conté nach Genf reisen? Das steht in den Sternen, denn sie arbeitet parallel mit der US-Justiz zusammen. Antworten darauf wird es wohl erst in ein paar Monaten geben. So lange dauert es, den Prozess zu organisieren.

Erstellt: 12.08.2019, 19:00 Uhr

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