Zum Hauptinhalt springen

Genf zieht erste Bilanz zu seinem Inländervorrang

Jahrelang hatte Genf die höchste Arbeitslosenquote des Landes. Seit 2012 gilt: Wer in Genf wohnt, hat Priorität im Arbeitsmarkt. Was die Regelung gebracht hat.

kat
Lange waren die Genfer Verkehrsbetriebe ein beliebter Arbeitgeber bei Grenzgängern: Passagiere sammeln sich vor einer Tramhaltestelle.
Lange waren die Genfer Verkehrsbetriebe ein beliebter Arbeitgeber bei Grenzgängern: Passagiere sammeln sich vor einer Tramhaltestelle.
Keystone

Was sich die SVP für die ganze Schweiz wünscht, ist im Kanton Genf schon seit 2012 Realität. Die «préférence cantonale» verlangt, dass Arbeitgeber ihre Stellen dem kantonalen Arbeitsamt melden. Dieses soll sich dann um die Rekrutierung inländischer Arbeitskräfte bemühen.

Die Regelung gilt für Unternehmen des öffentlichen Rechts und subventionierte Institutionen wie Theater oder Altersheime. Die préférence cantonale wurde im Oktober 2014 ausgeweitet – unter anderem auf die Genfer Verkehrsbetriebe TPG. Dort habe man sich erst an die Umstellung gewöhnen müssen, schreibt die NZZ. Denn die Verkehrsbetriebe waren zuvor als Arbeitgeber sehr beliebt bei den Grenzgängern.

So hätten sich etwa Buschauffeure aufgrund des besseren Lohns gern in der Schweiz anstellen lassen und die TPG hätte wiederum von erfahrenen Arbeitnehmern profitiert, wie es im Bericht weiter heisst.

«Die Massnahme trägt Früchte»

Doch nun ist alles anders. Ins Leben gerufen hat die préférence cantonale die Populisten-Partei Mouvement Citoyen Genevois (MCG). Deren Vertreter Mauro Poggia sitzt seit 2013 als Staatsrat in der Genfer Kantonsregierung. Nun hat er Bilanz zum kantonalen Inländervorrang gezogen. «Wir sehen, dass diese Massnahme Früchte trägt, wo wir es messen können, sehen wir Erfolge», sagte Poggia zu «Le Temps».

Der MCG-Politiker führt die stabile Arbeitslosenquote als Indiz für einen Erfolg des Genfer Inländervorrangs an. Für die NZZ scheint das plausibel. Denn zum ersten Mal seit 1999 weist Genf nicht die höchste Arbeitslosenquote aus. Mit 5,5 Prozent belegt der Kanton Ende 2016 aber immer noch den zweiten Rang. Abgelöst wurden die Genfer von den Neuenburgern, die eine Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent deklarierten.

Tatsächlich rekrutierte der öffentliche Sektor in Genf im Jahr 2015 bereits 70 Prozent neue Arbeitskräfte durch das RAV. 2012 waren es laut Statistik des Kantons nur 25 Prozent. Allerdings müsse man den Genfer Inländervorrang auch relativieren, schreibt die NZZ. Denn der Sektor der Unternehmen des öffentlichen Rechts und der subventionierten Institutionen mache nur 10 Prozent des kantonalen Arbeitsmarktes aus. Pro Jahr würden insgesamt zwischen 26'000 und 30'000 Stellen ausgeschrieben. Der Bereich, in dem die Direktive der MCG greife, besetzte im Jahr 2015 lediglich 2500 Arbeitsplätze neu.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch