Genug gequält

Im Thurgau mussten Tiere 15 Jahre lang leiden. Was andere Kantone aus dem Fall lernen können.

Fall Hefenhofen: Die Untersuchungskommission kommt zum Schluss, dass es viele Fehlentscheide gegeben habe. (Video: SDA)

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Für die Kantonsangestellten musste es zur Mutprobe geworden sein, Kontrollen auf dem Hof von Ulrich K. durchzuführen. Sie wussten schon zum Vornherein: Er wird sie beschimpfen, verhöhnen und bedrohen. Und wenn er gereizt ist, wird er auch nicht davor zurückschrecken, eine Pistole gegen sie zu richten. Auf dem Hof in Hefenhofen TG hatte der Pferdehändler das Sagen: Er gebot, wer bei ihm Kontrollen durchführen durfte und wer nicht. Er kaufte Waffen, ohne sie zu registrieren, baute einen Stall aus, ohne ihn bewilligen zu lassen, und hielt 300 Tiere unter unwürdigen Bedingungen. Und die Kantonsverwaltung: hatte ihm nichts entgegenzusetzen. 

Wie kann es so weit kommen, dass ein Bürger eine ganze Verwaltung ins Leere laufen lässt? Eine Untersuchungskommission hat den Fall untersucht, und ihr Befund, den sie diese Woche vorgestellt hat, ist vernichtend: Es kam zu einer ganzen Reihe von Fehlern, Fehleinschätzungen und Unterlassungen, die auch dazu führten, dass der Pferdehändler sogar vor Bundesgericht gegen den Kanton obsiegte.     

Obwohl Ulrich K. bereits 2009 als Tierquäler verurteilt worden war, konnte er so noch über Jahre Tiere halten. Der «Blick» zeigte kurz vor der Räumung des Hofs im August 2017 Bilder von ausgefransten Hufen, von Pferden, die bis auf die Rippen abgemagert waren oder tot im Heu lagen. Dabei hätten die Behörden viele Möglichkeiten gehabt, sich gegen den Pferdehändler durchzusetzen. Der Bund hätte keine Direktzahlungen mehr ausrichten können, womit K. die Existenzgrundlage genommen worden wäre. Auch die Polizei, das Steueramt und weitere Ämter hätten eine Handhabe gehabt. 

Am Ende lebten über 15 Jahre lang Tiere unter prekärsten Bedingungen auf Ulrich K.s Hof. Sie werden nicht die Einzigen sein, die litten. Deshalb sollte in der ganzen Schweiz mindestens das zum Standard werden, was der Kanton Thurgau nun tut: Er schult die Polizei speziell und setzt Tierrechts-Staatsanwälte ein.

Erstellt: 03.11.2018, 13:33 Uhr

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