«Gerade habe ich vier Polizisten mit Gewehren gesehen»

Macht der Terror in Brüssel Passagiere in Kloten nervös? Reportage vom Zürcher Flughafen.

Sind froh um die starke Präsenz der Polizei: Passagiere am Flughafen Zürich. Video: Fiona Endres und Lea Koch
Video: Lea Koch und Fiona Endres

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

12.15 Uhr am Flughafen Zürich. Grosse, farblose Buchstaben formen das «Check-in 1». Nur einige Menschen stehen in den Schlangen. Noch weniger sitzen auf den kalten Bänken. Eine Frau zieht einen Rollkoffer hinter sich her, an der anderen Hand ihr Kind, dessen kleine Beine nicht mehr nachkommen.

Eigentlich ist alles wie immer am Check-in 1. Wären da nicht die gezählten zwölf Polizisten, die sich zwar unauffällig, aber dennoch präsent in der Halle bewegen. Sie lehnen an den Säulen, beobachten die Rolltreppen, patrouillieren. Die schweren Waffen tragen sie offen zur Schau. Auch ein Schäferhund mit Maulkorb ist da. Er liefert sich ein Bell-Duell mit dem goldigen Retriever einer Passagierin.

Passagiere fühlen sich sicher am Flughafen

Die Kantonspolizei hat die Sicherheitskräfte am Flughafen heute «punktuell verstärkt». Dies sei eine Reaktion auf die Ereignisse in Brüssel, sagt Sprecherin Carmen Surber. Die Präsenz sei aber wegen der verschärften Sicherheitslage in den letzten Monaten schon im November erhöht worden.

Bereits bei der Einfahrt ins Parkhaus fällt das Polizeiauto auf. Zwei Polizistinnen beäugen jeden Autofahrer. Diese Präsenz ist auch Fluggästen aufgefallen, die noch gar nicht von den Anschlägen in Brüssel gehört haben: «Ach, deshalb sind all die Polizisten hier», sagt eine Frau aus Deutschland. Sie nickt anerkennend. Sie fühle sich in Sicherheit, keine Frage. Auch Marcel Harmann, der heute nach San Francisco fliegt, lässt sich bezüglich der Nachrichten aus Belgien nichts anmerken: «Ich fühle mich absolut sicher. Gerade habe ich vier Polizisten mit ganz grossen Gewehren gesehen.»

Mehr Kontrollen gewünscht

Und doch drückt bei dem einen oder anderen Besucher des Flughafens die Unsicherheit durch. «Die Bedrohungslage in den Flughafengebäuden war immer angespannt», sagt Bernhard Mühlheim, ein pensionierter Swiss-Pilot: «Man hat es nur lange nicht realisiert.» Er würde es begrüssen, wenn auch die öffentlich zugängliche Halle kontrolliert würde: «Doch das ist wahrscheinlich nicht machbar, man müsste alles abriegeln.»

Für Nisso aus Miami ist aber klar, dass mehr für die Sicherheit getan werden müsse: «Die Regierungen müssen jetzt aufstehen und alles dafür tun, dass sich die Leute sicher fühlen.» Er persönlich glaube zwar, dass sich die Schweizer sicher sind: «Doch das wird nicht immer so bleiben.» Für Marcel Harmann würde es aber zu weit gehen, wenn Orte wie der Flughafen noch stärker kontrolliert würden: «Es ist ja nicht nur der Flughafen, sondern alle öffentlichen Plätze. Das wäre dann zu viel.»

Erstellt: 22.03.2016, 17:11 Uhr

Artikel zum Thema

Attentäter versteckten Bomben im Koffer

Im Brüsseler Viertel Schaerbeek hat die Polizei eine weitere Bombe und chemische Substanzen gefunden. Der mutmassliche Attentäter vom Flughafen ist weiterhin auf der Flucht. Mehr...

Brüssel-Terror: Der Überblick

Die Ereignisse in der belgischen Hauptstadt zusammengefasst. Was wir wissen – und was nicht. Mehr...

Zürich-Kloten: Sicherheitsdispositiv wird laufend überprüft

Mehrere Flughäfen Europas verschärfen die Sicherheitsmassnahmen nach den Explosionen in Brüssel. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Gross-Demo: Mit Schutzmaske und Schwimmbrille schützt sich ein Demonstrant vor einem Tränengas-Angriff der Polizei in Hong Kong am Sonntagabend. (21. Juli 2019)
(Bild: Getty Images / Ivan Abreu) Mehr...