Gerhard Pfister bedauert, was im Wallis geschieht

Das Hin und Her bei den Walliser Wahlen kommt für die nationale CVP zu einem dummen Zeitpunkt.

Bedauert den Streit im Wallis: Gerhard Pfister am Dreikönigsgespräch 2017. Foto: Keystone

Bedauert den Streit im Wallis: Gerhard Pfister am Dreikönigsgespräch 2017. Foto: Keystone

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So hat sich Gerhard Pfister seine Premiere wohl kaum vorgestellt. In seiner kantonalen Partei macht er es schon länger, nun hat er zum ersten Mal zu einem nationalen Dreikönigs-Apéro geladen. Grosse Themen in entspannter Atmosphäre. Was macht die CVP in der Gesundheitspolitik? Wie soll es mit Europa weitergehen, wie in der Umweltpolitik?

Auch das eher schwierige Fortkommen der eigenen Partei war ein Thema. Mit dem «Strategieprojekt #CVP2025» soll die CVP neu und besser aufgestellt werden. Die Verluste in den Proporzwahlen minimieren, die Gewinne bei den Majorzwahlen stabilisieren. Erster Schritt des Hashtag-Projekts war eine grosse Mitgliederbefragung, deren Resultate nun vorliegen – und vorerst intern bleiben. Nur so viel verriet Pfister: Die Wertedebatte sei gewünscht, das C im Namen wichtig, die Wahlen 2019 das Ziel.

Gegner aus der eigenen Partei

So viel oder eher: so wenig. Zu wenig, um das dominierende CVP-Thema dieser Tage aus den Schlagzeilen zu verdrängen. Während in Bern die nationale Partei die grossen Linien zeichnet, brennt im Wallis der Baum. Ausgerechnet in jenem Kanton, in dem die Partei bis vor vier Jahren noch eine absolute Mehrheit im Parlament hatte; im eigentlichen «Stammland», das von einer Präsidentschaft Pfisters profitieren sollte, zerfleischt sich die Partei in diesen Tagen vor aller Augen.

In keinem anderen Kanton hat die Partei eine derartige Bedeutung.

Es begann mit CVP-Politiker Nicolas Voide, der gemeinsam mit SVP-Regierungsrat Oskar Freysinger den ehemaligen CVP-Präsidenten und aktuellen Regierungsratskandidaten Christophe Darbellay angreift, und mit seiner Gegenkandidatur einen schon länger schwelenden Streit zwischen dem konservativen und eher progressiven Flügel der Partei offenbart. Und es geht jetzt weiter mit einem Interview von René Fournier, dem Walliser CVP-Ständerat. In «Le Temps» stellt sich Fournier hinter Voide – und gegen Darbellay. Die Gegenkandidatur gründe in Voides Frust über den Nominationsprozess der CVP – und dieser werde von einigen geteilt.

Dank Voide, der für seinen guten Charakter und seine Unabhängigkeit bekannt sei, habe die Bevölkerung nun eine echte Auswahl, sagt der Ständerat. «Die scheinbare Untreue von Nicolas Voide hat ihren Ursprung in der realen Untreue Christophe Darbellays der französischsprachigen CVP gegenüber.» Damit meint Fournier nicht den Seitensprung von Darbellay (natürlich nicht…), sondern den Druck, den Darbellay in den vergangenen Jahren auf die eigenen CVP-Regierungsräte aufgesetzt habe – um seine eigene Kandidatur vorzubereiten.

Nützen tut es der SVP

Gerhard Pfister bedauert, was momentan im Wallis geschieht. Der Nominationsprozess der drei Kandidaten sei nach allen Regeln und korrekt verlaufen. «Ich habe Mitleid mit dem kantonalen Parteipräsidenten.» Was jetzt im Wallis geschehe, das nütze der Partei nicht. «Wenn das überhaupt jemandem nützt, dann nur einem gewissen SVP-Regierungsrat.»

Und es schadet der gesamten CVP. In keinem anderen Kanton hat die Partei eine derartige Bedeutung. Sie stellt beide Ständeräte, drei von fünf Regierungsräten, hatte bei den letzten Nationalratswahlen einen Wähleranteil von knapp 40 Prozent, bei den letzten kantonalen Wahlen einen von fast 44 Prozent. Dass jetzt ausgerechnet im Wallis ein Streit zwischen den beiden Parteiflügeln ausbricht – es ist ein schlechter Vorbote für das Projekt, das Pfister mit der gesamten Partei vorhat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.01.2017, 18:51 Uhr

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