Gib dem Kind keinen Zucker!

Die Freiburger Nationalrätin Valérie Piller Carrard (SP) will die Öffentlichkeit vor Süssem und Fettigem warnen. Der Nationalrat sieht dafür keinen Bedarf.

«Früchte und Darvida zum Znüni, Cola nur bei speziellen Anlässen»: SP-Nationalrätin Valérie Piller Carrard will, dass Kinder auf Zucker, Salz und Fett verzichten.

«Früchte und Darvida zum Znüni, Cola nur bei speziellen Anlässen»: SP-Nationalrätin Valérie Piller Carrard will, dass Kinder auf Zucker, Salz und Fett verzichten.

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Der sechsjährige Sohn sagte zur Mutter: «Du, ich habe heute nicht fünf Portionen Gemüse oder Früchte gegessen. Dabei soll man das doch machen, ich habe es im Fernsehen gesehen!» Das hat Valérie Piller Carrard, 39-jährig, aus Cheyres am Neuenburgersee, dazu bewogen, die Motion einzureichen. Weil ihr Sohn sie darin bestätigt hat, dass die Werbung einen grossen Einfluss auf das Essverhalten der Kinder habe. So sagte sie es am Donnerstagmorgen im Nationalrat. Piller Carrard rezitiert Studien, die sagen, dass Kinder wollen, was sie sehen. Dass sie Eltern erfolgreich drängen, es zu kaufen. Französische Studien zwar, aber sie sollen auch für die Schweiz gelten.

Schon vor Jahren habe der Westschweizer Konsumentenbund deshalb Alarm geschlagen – erfolglos. Der Staat müsse der Lebensmittelindustrie und ihren Werbemethoden etwas entgegensetzen, fordert Piller Carrard, er müsse die Öffentlichkeit sensibilisieren mit Aufrufen wie «Essen Sie Ihrer Gesundheit zuliebe mindestens fünf Stück Obst und Gemüse pro Tag», «Bewegen Sie sich Ihrer Gesundheit zuliebe regelmässig» oder «Vermeiden Sie es Ihrer Gesundheit zuliebe, zwischen den Mahlzeiten zu naschen».

Keine Lust auf Orientierungshilfe

Der Nationalrat lehnte den Vorstoss gestern mit 134 zu 52 Stimmen ab, lediglich SP und Grüne sowie je ein Mitglied der Grünliberalen und CVP sagten Ja. Die anderen wollen nichts wissen von Sensibilisierung und Orientierungshilfe. Der Bundesrat indessen hält die Forderung nicht für unnötig: Er lehnte sie nur deshalb ab, weil der Bund auf diesem Gebiet schon genügend aktiv sei. Das Thema werde auch in der schweizerischen Ernährungsstrategie ab 2017 ein Schwerpunktthema bleiben, antwortete er auf die Motion.

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«Für die bürgerlichen Parteien ist die Ernährung Privatsache», sagt Piller Carrard im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Für sie selber nicht. Zwar hätten ihre drei Kinder (drei- bis achtjährig) keine Gewichtsprobleme, wofür die Mutter höchstpersönlich sorgt: Früchte und Darvida zum Znüni, Schoggi nur selten, Süssgetränke höchstens an besonderen Anlässen. Doch das Problem sei doch virulent, sagt sie, man sehe es auf der Strasse, überall. Zu dicke Kinder, zu dicke Menschen allgemein.

Wasser teurer als Capri-Sonne?

Piller Carrard, die als kaufmännische Angestellte gearbeitet hat, bevor sie 2011 Nationalrätin wurde, will das Thema weiter verfolgen. Sie werde sich nicht bremsen lassen, Übergewicht sei wirklich ein Problem. Vor drei Tagen hat sie eine Interpellation eingereicht mit der Frage «Süssgetränke billiger als Wasser?» Eine Studie zeige, dass der Preis für Süssgetränke seit 1990 gesunken sei, auch in der Schweiz. Eine beunruhigende Tendenz, findet Piller Carrard. Es gehe nicht, dass Wasser im Selecta-Automat 2.50 Franken koste, die zuckerhaltige Capri-Sonne aber nur zwei Franken. Allerdings ist die Capri-Sonne kleiner, nur zwei statt fünf Deziliter.

Gerade preissensible Junge müsse man doch auch mit ökonomischen Anreizen steuern, schreibt Piller Carrard im Vorstoss. Diesmal braucht sie die Zustimmung des Nationalrats nicht, sie will vom Bundesrat lediglich Antworten:« Um wie viel ist der Preis für Süssgetränke in der Schweiz gesunken?» Und: «an wie vielen Orten werden zuckerhaltige Getränke verkauft, die billiger sind als Wasser?»

Erstellt: 28.09.2017, 19:43 Uhr

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