Giftkeulen-Verbot für Hobbygärtner gefordert

Hobbygärtner sollen keine Pestizide mehr einsetzen dürfen. Das fordern Gewässerschutzexperten. Nun erhalten sie Support vom Bauernverband.

Unkraut vernichten ohne Pestizide: Das fordert eine breite Allianz.

Unkraut vernichten ohne Pestizide: Das fordert eine breite Allianz. Bild: Keystone

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Greifen Hobbygärtner zum Spritzmittel, zeigen sich die Folgen oft erst Jahre später. Wechselt der Garten den Besitzer, muss nicht selten die gesamte Erde darin entsorgt werden. Der Befund: zu viel Gift im Boden. Solche Fälle soll es künftig nicht mehr geben. Tausende von Hobbygärtnern erhalten deshalb demnächst Post vom Familiengärtner-Verband. «Wir wollen unsere 23'000 Mitglieder für ein Gärtnern ohne Pestizide sensibilisieren», sagt Co-Präsident Werner Hermann aus Emmenbrücke LU.

Der Verband hat in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich eine sogenannte Positivliste ausgearbeitet. Das Papier orientiert sich an den Prinzipien der biologischen Landwirtschaft und listet entsprechende Produkte für Hobbygärtner auf. Der Verband reagiert damit auf den Umstand, dass die meisten Pflanzenschutzmittel für Hobbygärtner und andere nicht berufliche Verwender frei zugänglich sind.

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Für effektiver als Aufklärung hielte es Werner Hermann freilich, wenn der Bund die Zulassung von Pestiziden generell verböte. Doch der Bundesrat sieht im nationalen Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln kein solches Verbot vor. Geplant ist einzig, bis Ende 2022 Kriterien für die Zulassung von Planzenschutzmitteln für nicht berufliche Verwender zu verschärfen – in welchem Umfang, ist freilich offen.

Trendwende als erklärtes Ziel

Nicht nur der Familiengärtner-Verband moniert, dieser Plan sei zu wenig verbindlich. Auch Experten verlangen nun handfeste Massnahmen. Namentlich der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) will den Einsatz von Giftcocktails im Hobbybereich verbieten. Diese Forderung ist Teil seines Politikmemorandums 2018. Der Verband fordert darin eine «Trendwende» im Umgang mit Pestiziden. Dazu sollen auch die Hobbygärtner ihren Beitrag leisten. Von den rund 2100 Tonnen Pestiziden, die in der Schweiz alljährlich über den Ladentisch gehen, entfallen schätzungsweise bis zu 10 Prozent auf den Privatgebrauch.

«Wir wollen die Wasserressourcen optimal schützen», sagt VSA-Direktor Stefan Hasler. Pestizide schädigen die Biodiversität nicht nur, indem sie Tiere und Pflanzen töten. Die Gifte, erst einmal ausgebracht, können nach starken Niederschlägen auch ins Abwasser und schliesslich in Bäche, Flüsse sowie ins Grundwasser gelangen. Zwar hat sich die Wasserqualität der Schweizer Oberflächengewässer seit den 1970er-Jahren insgesamt stark verbessert. Doch sind namentlich kleinere Fliessgewässer weiterhin mit einer «Vielzahl von Herbiziden, Fungiziden und Insektiziden belastet», wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) letztes Jahr darlegte. Sogar Stoffkonzentrationen, die für Gewässerorganismen als akut toxisch gelten, werden mancherorts überschritten.

Bilder: Belastete Schweizer Flüsse

Nach Ansicht des VSA sollen in Zukunft für nicht berufliche Verwender nur noch Produkte zugelassen sein, auf denen «Bio» steht und die das Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (AG) empfiehlt.

Trinkwasserinitiative als Drohkulisse

Die Federführung bei diesem Geschäft liegt bei Landwirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Dass der FDP-Bundesrat den Aktionsplan aus freien Stücken verschärfen wird, gilt als unwahrscheinlich. Kritiker hoffen deshalb, dass die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung» indirekt Druck entfalten wird. Die Initiative, die im Januar mit 115'000 Unterschriften in Bern eingereicht wurde, will die Schweizer Landwirtschaft umpflügen. Künftig sollen unter anderem nur noch jene Bauern Direktzahlungen erhalten, die keine Pestizide einsetzen. Der Schweizerische Bauernverband (SBV) hat bereits erbitterten Widerstand angekündigt.

Vor diesem Hintergrund ist denn auch der Support zu lesen, den der SBV nun signalisiert. Präsident und CVP-Nationalrat Markus Ritter erklärt, die Bauern unterstützten die Forderung nach einem Pestizidverbot für Hobbygärtner: «Es braucht im Umgang mit solchen Stoffen Wissen und Professionalität», sagt Ritter. Dies gelte im Übrigen auch für «uns in der Landwirtschaft». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2018, 18:11 Uhr

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