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Glarner SP-Shootingstar im Visier der Justiz

Gegen den Anwalt und Politiker Jacques Marti leitet ein Sonderstaatsanwalt ein Verfahren. Vorwurf: Amtsmissbrauch.

Könnte nächstes Jahr für den Glarner Regierungsrat kandidieren: Jacques Marti. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)
Könnte nächstes Jahr für den Glarner Regierungsrat kandidieren: Jacques Marti. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Es war eine kryptische Mitteilung, die im Bulletin der Glarner Kantonsregierung erschien: Der Regierungsrat habe am Dienstag per sofort den leitenden Graubündner Staatsanwalt Maurus Eckert zur Durchführung eines Strafverfahrens eingesetzt. Die kantonseigenen Strafverfolger könnten nicht ermitteln, sie seien alle in den Ausstand getreten.

Auf Nachfrage schweigen die Glarner Behörden zum Fall, und auch der ausserordentliche Staatsanwalt Eckert will nichts zu den Hintergründen sagen; er sei erst gerade eingesetzt worden und habe die Strafuntersuchung formell noch gar nicht eröffnet. Nur so viel: Der Verdacht gehe auf Begünstigung, Amtsmissbrauch und Verletzung des Berufsgeheimnisses.

Gewählte Pflichtverteidiger

Recherchen zeigen nun, dass der junge Anwalt und Glarner SP-Präsident Jacques Marti im Fokus der Ermittlungen steht. Der 34-Jährige ist der Sohn des früheren SP-Nationalrats und Preisüberwachers Werner Marti.

Auf Anfrage bestätigt Marti der Jüngere, dass er der Beschuldigte sei. Die Vorwürfe stünden im Zusammenhang mit seiner Arbeit als amtlicher Verteidiger. Im Kanton Glarus wählt das Parlament jeweils drei Pflichtverteidiger, der SP-Politiker ist von 2014 bis 2018 gewählt. Er betont, die Ermittlungen hätten nichts mit seinen Ämtern als Landrat, SP-Fraktionschef und Präsident der Geschäftsprüfungskommission zu tun.

Über die Natur der Vorwürfe will Marti nicht sprechen, er beruft sich aufs Berufsgeheimnis als Anwalt – eben jenes Geheimnis, das er laut Ermittler Eckert gebrochen haben könnte.Der externe Staatsanwalt Maurus Eckert wurde beigezogen, weil Marti als amtlicher Verteidiger im kleinräumigen Glarner Justizwesen oft in Kontakt mit der Staatsanwaltschaft steht.

Ein umtriebiger Aufsteiger

Das Strafverfahren ist ein harter Rückschlag für Marti, der in Glarner Politkreisen als Aufsteiger gilt; mancher Beobachter rechnet damit, dass er im nächsten Jahr an den Regierungsratswahlen als Kandidat antreten könnte. Marti gilt als umtriebig: Neben seinen politischen Ämtern und seinem Job als Anwalt arbeitet er für eine Baufirma und amtet als Präsident eines Schützenvereins. Zwischen Vater Werner und ihm gibt es starke Parallelen; beide sind Anwalt mit Militärkarriere und Interesse fürs Baugewerbe, beide in der SP, beide dreifacher Vater. Gemeinsam erschienen sie auch schon als Politduo in der nationalen Presse.

2015 kandidierte Jacques Marti als Gegner von BDP-Präsident Martin Lan­dolt für den Nationalrat – und erhielt dabei auch Support aus bürgerlichen Kreisen, namentlich der SVP. «Der Mann, der Landolt zum Zittern bringt», schrieb der «Blick» damals. Am Ende scheiterte Marti mit einem knappen Rückstand von rund 700 Stimmen.

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