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Gleichere Chancen für alle

Warum es falsch ist, für den Gymi-Besuch Schulgeld zu verlangen.

Gleiche Chancen für alle: Physikunterricht am Gymnasium Rämibühl in Zuerich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)
Gleiche Chancen für alle: Physikunterricht am Gymnasium Rämibühl in Zuerich. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

In vielen Mittelstandsfamilien ist der Fall klar: Für gute Schüler ist das Gymi die beste Wahl. Die Tochter eines Arztes wird darum nie dafür kämpfen müssen, nach der obligatorischen Schulzeit den akademischen Weg einschlagen zu können. Aber nicht in jeder Familie dominiert diese Auffassung. Eine handfeste Ausbildung, berufliche Erfahrung, eine konkrete Fertigkeit, mit der man sich und eine Familie ernähren kann – das liegt vielen einkommensschwachen Familien näher.

Die finanzielle Belastung ist dabei nicht das Einzige, aber eben auch ein wichtiges Argument. Das Gymi bedeutet für eine Familie, dass das Kind noch jahrelang finanziert werden muss. Oft nicht nur für die nächsten vier, sondern mit Studium für die nächsten acht Jahre. Machen die Jugend­lichen aber eine Lehre, liefern sie oft einen Teil des Lohnes ab. Eine Lehre ist für die Familie also nicht bloss gratis, sie entlastet sie finanziell. Will ein Jugendlicher nicht aus eigenem Antrieb ans Gymi, stehen für ihn die Chancen schlecht.

Der Trend zum Schulgeld, der sich in der Zentralschweiz ausmachen lässt – Nidwalden hat die Einführung dieses Jahr beschlossen, in Luzern soll es deutlich erhöht werden –, macht die schulische Karriere noch unattraktiver für eine Schicht, die ihre Kinder ohnehin nicht ans Gymi drängt. Wie soll sich der Sohn des Lageristen unter diesen Umständen gegen die Wünsche seiner Eltern durchsetzen? Zumal er sich in einem Alter befindet, in dem er abhängig von ihnen ist – ­finanziell wie emotional. Daran ändert auch ein Stipendium nichts. Ohne Unterstützung der Eltern ist das faktisch ausser Reichweite.

Eigentlich müssten wir alles daran setzen, die Hürden für diese Schichten zu reduzieren, um gegen den «Gymi-Graben» anzukämpfen. Stattdessen erhöhen wir sie mit dem Schulgeld und belasten Familien mit einem niedrigen Einkommen überproportional. Damit schaden wir denen am meisten, die es, statistisch gesehen, ohnehin am schwierigsten haben: den Jugendlichen aus bildungsschwachen Familien. Nicht weil das Gymi für sie unbedingt der beste Weg wäre, sondern weil ihnen die Wahl nehmen, die ihnen im Sinne der Chancengleichheit eigentlich zusteht.

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