GLP verliert wichtige Partner

Auf einen Steigerungslauf wie 2011 kann die GLP nicht mehr hoffen. Im Gegenteil: Auch gemäss einer Analyse der Listenverbindungen dürfte es für sie schwierig werden, die bisherige Sitzzahl zu halten.

GLP-Präsident Martin Bäumle (links) hätte sich mehr Unterstützung von der CVP und ihrem Präsidenten Christophe Darbellay gewünscht.

GLP-Präsident Martin Bäumle (links) hätte sich mehr Unterstützung von der CVP und ihrem Präsidenten Christophe Darbellay gewünscht. Bild: Keystone

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Die Grünliberale Partei war die grosse Siegerin der eidgenössischen Wahlen 2011. Sie konnte ihre Sitzzahl im Parlament fast verdreifachen und eine eigene Fraktion bilden. Mehr als jede andere Partei profitierte sie von Listenverbindungen, die vor allem Parteipräsident Martin Bäumle eingefädelt hatte: Die Hälfte ihrer zwölf Sitze im Nationalrat gewann sie auf diese Weise. Nächtelang soll Bäumle verschiedene Konstellationen durchgerechnet haben, um herauszufinden, mit welchen Verbindungen die Partei am ehesten Restmandate ergattern kann. 2015 wird es schwieriger.

Die Fristen für Listenverbindungen sind abgelaufen, sodass konkretere Aussagen möglich sind. Politikwissenschaftler Daniel Bochsler vom Zentrum für Demokratie Aarau hat berechnet, wie viele Sitze die Parteien dank Listenverbindungen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gewinnen können.

Simulation: Die Berechnung basiert auf der Stärke der Listenverbindungen und auf den grob geschätzten Wähleranteilen der beteiligten Parteien.

FDP taktiert diesmal besser

Besonders in den Kantonen Thurgau und Graubünden könnte die GLP einen Sitz verlieren. Anders als vor vier Jahren spannen in Graubünden CVP, BDP und FDP zusammen. Das erhöht die Hürde für die GLP, die bei den letzten Wahlen trotz starker Listenverbindung knapp einen Sitz erobern konnte. Nur mir erdrutschartigen Verschiebungen im Umfang von sechs Prozent oder mehr Wähleranteil kann sich die GLP laut Bochsler noch Hoffnungen machen. Auch im Kanton Thurgau könnte die FDP dank geschickter Verbindung der GLP einen Sitz abjagen.

«CVP hat gebockt»

Auch im Kanton St.Gallen steht ein GLP-Nationalratssitz auf der Kippe. «Hier hat die CVP einmal mehr gebockt», ärgert sich Bäumle. In mehreren Kantonen hat sich die CVP bei Listenverbindungen von ihrer bisherigen Partnerin GLP abgewandt, was Bäumle der Partei durchaus übel nimmt. Dennoch habe er auf Vergeltung verzichtet, sagt er.

In den Kantonen Waadt, Basel-Stadt, Bern und Aargau rechnet sich Bäumle «theoretische» Chancen aus, einen zusätzlichen Sitz zu gewinnen. Damit lässt sich drohende Verluste im Nationalrat vielleicht kompensieren.

Was schliesslich gegen die GLP spricht, sind die letzten Umfragewerte. Gemäss dem Wahlbarometer von GFS Bern wird sie ziemlich sicher Wähleranteile verlieren. Bäumle hält nicht viel von solchen Umfragen. Diese Eigenschaft teilt er mit anderen Präsidenten, die schlechte Wahlprognosen rechtfertigen müssen. Schon vor vier Jahren und aktuell auch in Griechenland hätten sie falsche Resultate suggeriert, argumentiert Bäumle.

Umstritten ist, wie weit Listenverbindungen mit Parteien schaden, die andere Interessen vertreten. So zum Beispiel mit Ecopop, der EDU oder der Piratenpartei. Hier riskiert ein Wähler, dass er mit seiner Stimme eine Kraft unterstützt, die er ablehnt. Das nimmt die GLP in Kauf. Ihr Argument: Mit solchen Verbindungen können sie den Nachteil des Proporzsystems kompensieren, in dem grosse Parteien auf Kosten von kleineren profitieren.



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Erstellt: 22.09.2015, 10:50 Uhr

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Gute Aussichten für FDP und SVP

Listenverbindungen sind grundsätzlich sinnvoll, da sie ohne Verlustrisiko Sitzgewinne ermöglichen. Anhand der Stärke der Listenverbindungen und grober Schätzungen zur Wählerstärke hat Politikwissenschaftler Daniel Bochsler berechnet, was diese Verbindungen den Parteien bei den diesjährigen Wahlen voraussichtlich bringen.

Interessant ist dabei auch der Vergleich zu 2011. Zusammengefasst dürfte die SP stabil bleiben, während die Grünen eher Mühe haben, ihre Sitzzahl zu halten. Besser unterwegs als vor vier Jahren ist die FDP. Und auch bei der SVP gibt es Luft nach oben, da sie 2011 in einigen Kantonen mit etwas Pech knapp Sitzgewinne verpasste. Wie schon bei den Prognosen zur Wählerstärke bedeutet das tendenziell, dass das rechte Lager gestärkt wird. Relativ wenig ändern dürfte sich an der Sitzzahl von BDP und FDP.

Die Verbindungen im Kanton Zürich: SP, GPS, AL; CVP, BDP, GLP, EVP, Ecopop, Piraten; SVP, EDU.
Bern: SP, GPS; BDP, CVP, GLP, EVP; SVP, EDU.
Freiburg: SP, GPS, CSP, EVP; CVP, GLP; FDP, BDP; SVP, EDU.

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