«Grosse Ehre» für Berner Klimaforscher

Der Bundesrat empfiehlt Thomas Stocker von der Universität Bern für den Vorsitz des Weltklimarates.

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Die Nomination für die Nachfolge des Inders Rajendra Pachauri als Präsident des Weltklimarates (IPCC) sei eine «grosse Ehre», sagt der Berner Klimaforscher Thomas Stocker auf Anfrage. Dies nicht nur für ihn persönlich, sondern auch für die Schweiz. Denn diese sei bei allen der bisher fünf Berichte zum Zustand des Weltklimas «führend beteiligt» gewesen, sagt der Leiter der Abteilung für Klima- und Umweltphysik an der Universität Bern. Stocker ist seit 2008 Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe für wissenschaftliche Grundlagen des IPCC und war mitverantwortlich für den fünften Bericht des Weltklimarates von Ende November 2014.

«Extrem ehrgeiziges Klimaziel»

Der Bericht kam zum Schluss, dass die Hälfte des bereits in die Atmosphäre ausgestossenen CO2 aus den letzten 40 Jahren stamme. Der menschliche Ursprung des Klimawandels sei eindeutig. An der Pariser Klimakonferenz von Ende dieses Jahres wollen nun 195 Teilnehmerstaaten die Voraussetzungen ­dafür schaffen, dass die globale Erwärmung auf nicht mehr als zwei Grad gegen­über dem vorindustriellen Niveau ansteigt. Stocker spricht von einem ­«extrem ehrgeizigen Ziel», das «bald nicht mehr erreichbar ist», da dafür bis ins Jahr 2100 ein kumulierter Konsumverzicht von knapp 5 Prozent notwendig wäre. «Beim heutigen weltweiten Ausstoss von 10 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr wird das 2-Grad-Celsius-Kontingent in etwa 25 Jahren aus­geschöpft sein», sagt Stocker.

Den angestrebten Klimazielen abträglich sind zudem die tiefen Treibstoffpreise, die auch den direkten Anreiz für Emissionsreduktionen und Effizienzsteigerungen schmälern. Stocker spricht indes von einem kurzfristigen Effekt. «Das kann enorm rasch wieder ändern.» Auch beim Bundesamt für Umwelt wird die Bedeutung der tiefen Treibstoffpreise relativiert. «Das trifft ­sicher zu. Aber die Emissionsvorschriften werden laufend verschärft», sagt Franz Perrez, Chef der Abteilung Internationales.

Image als Reformer aufgebaut

Nebst der Schweiz haben bisher Belgien und Südkorea Kandidaten für das Präsidium des Weltklimarates nominiert. Mit Kandidaturen aus den USA, Deutschland, Grossbritannien und Österreich wird bis April noch gerechnet. Seine persönlichen Wahlchancen hält Stocker für intakt, da die Schweiz innerhalb des IPCC keinem der grossen Blöcke angehöre. Ein Rolle dürfte aber auch spielen, dass sich Stocker zuletzt als Reformer beim IPCC ins Spiel gebracht hat. So schlug er mit einem Kollegen im September letzten Jahres die personelle Unterstützung der Forscher vor. Zudem sollen die Zustandsberichte des IPCC nicht mehr alle sechs, sondern alle acht bis zehn Jahre veröffentlicht werden, um die Arbeitslast der Forscher zu reduzieren. In der Zwischenzeit sollen Klein­reports zu Themen geschrieben werden, die wissenschaftlich wichtig sind oder von Regierungen gewünscht werden.

Die Wahl des neuen IPCC-Vorsitzenden erfolgt im Oktober in Dubrovnik. Gewählt ist jener Kandidat, der die Mehrheit der Stimmen der Ländervertreter auf sich vereinigt. Stimmenkauf gebe es beim IPCC nicht, sagt Bafu-Abteilungsleiter Perrez. Gewisse «regionale Sympathien» könnten aber eine Rolle spielen.

Erstellt: 18.02.2015, 21:42 Uhr

Thomas Stocker.

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