Grüne Vielflieger

Die Grünen predigen gern Nachhaltigkeit, fliegen aber selbst am meisten.

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Bald stimmen wir über die Initiative «Grüne Wirtschaft» ab. Da die Schweiz zurzeit dreimal mehr natürliche Ressourcen verbrauche, als auf der Erde verfügbar seien, zerstöre dies die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Grosskinder. Deshalb müsse die Schweiz bis 2050 nachhaltig wirtschaften, fordern die grünen Initianten. Die meisten urban lebenden, radelnden und Bio-Datteln essenden Schweizer werden dem ohne grosse Vorbehalte zustimmen.

 Die Freude am Fliegen ist typisch für junge, gebildete und gut verdienende Menschen, wie es Grüne überdurchschnittlich sind.

Sie haben nicht unrecht: Wenn wir so weitermachen, ist der ökologische Kollaps bald nicht mehr aufzuhalten. Es gibt da aber einen kleinen Schönheitsfehler: die Grünen. Ende 2014 machte «Spiegel online» eine deutsche Studie publik, wonach ausgerechnet Grüne-­Wähler am meisten fliegen würden. 49 Prozent der Grünen gaben an, sie seien in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal geflogen. Bei den SPD- und den CDU-Wählern waren es 32 respektive 36 Prozent. Es kommt noch besser: Während 77 Prozent der SPD- und der CDU-Anhänger es gut fanden, dass «sich heute viele Menschen leisten können zu fliegen», waren es bei den Grünen 48 Prozent. Fliegen ist also aus grüner Sicht schlecht, wenn es die anderen tun.

Und wer sich wie ein abgewählter grüner Zürcher Regierungsrat damit brüstet, seine Afrikaflüge zu klimakompensieren, begeht bloss modernen Ablasshandel.

Eine Umfrage bei den Schweizer Grünen würde kaum anders ausfallen. Denn die Freude am Fliegen ist typisch für junge, gebildete und gut verdienende Menschen, wie es Grüne überdurchschnittlich sind. Dazu gehört auch Nationalrat Bastien Girod, der kürzlich auf die Frage, was er mache, um seine Umweltbelastung zu senken, sagte: «Ich engagiere mich politisch für die grüne Wirtschaft.» Dabei könnte man dem Klima am schnellsten und einfachsten mit dem Verzicht aufs Fliegen helfen. Und nicht, indem man indonesisches Palmöl durch Rapsöl aus umweltfreundlicher Schweizer Produktion ersetzt. Allein ein Flug nach New York und zurück verursacht gleichviel CO2 wie ein Jahr lang Auto fahren – durchschnittlich 13'000 Kilometer. Und wer sich wie ein abgewählter grüner Zürcher Regierungsrat damit brüstet, seine Afrikaflüge zu klimakompensieren, begeht bloss modernen Ablasshandel.

Die Grünen haben erfolgreich ihr Körnlipickerkommunenimage der 90er-Jahre abgeschüttelt – dies aber auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2016, 00:07 Uhr

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