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Gut gemeint, aber zu mutlos

Die schwarze Liste des SGIM mit unnötigen Behandlungen ist beachtenswert und verdient Unterstützung.

Die Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin (SGIM) möchte die ärztliche Behandlung ­verbessern. Unter dem Titel «Smarter Medicine» hat sie diese Woche eine schwarze Liste mit fünf medizinischen Interventionen verfasst, von deren Anwendung sie abrät. Die Initiative der grössten medizinischen Fachgesellschaft, die nun in der Schweiz eine Vor­reiter­rolle einnimmt, ist beachtenswert und verdient es, unterstützt zu werden. Zu oft verschreiben Ärzte ­Therapien, von denen nachgewiesen ist, dass sie den Patienten nicht helfen, viel kosten und in manchen Fällen sogar schaden.

Allerdings ist der Start der Kampagne etwas gar kraftlos geraten. Die fünf Interventionen, die in einem aufwendigen Verfahren ausgewählt wurden, sind zwar tatsächlich problematisch. Doch das ist den Ärzten schon seit Jahren bekannt. So wird niemand dagegen protestieren, dass bei unkomplizierten Infekten der oberen Luftwege keine Antibiotika verschrieben ­werden sollen – «sofern der klinische Zustand oder die individuelle Situation des Patienten sowie seine ­Beziehung zu seinem Arzt nichts anderes erfordern». Eine solche Empfehlung vermag kaum etwas an der heutigen Verschreibungspraxis zu ändern. Ähnliches gilt beim umstrittenen PSA-Test zur Prostatakrebs­früherkennung. Hier lautet die Formel, dass die ­Bestimmung nicht ohne eine Aufklärung über Risiko und Nutzen geschehen soll. Sollte das bei solch folgenschweren Interventionen nicht ohnehin geschehen? Zudem raten verschiedene Fachgremien im Ausland und auch das Swiss Medical Board komplett vom Test ab.

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