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«Gymnasien müssen Elite-Schulen sein»

Der neue ETH-Rektor Lino Guzzella bemängelt die ungenügenden Leistungen von Maturanden und fordert härtere Prüfungen. Zudem kündigt er eine drastische Erhöhung der Studiengebühren an.

«Man kann heute relativ einfach zu einer Maturität kommen»: Kantonsschülerinnen in Dübendorf. (Foto: Christoph Kaminski)
«Man kann heute relativ einfach zu einer Maturität kommen»: Kantonsschülerinnen in Dübendorf. (Foto: Christoph Kaminski)

Am 1. August tritt der neue Rektor der ETH Zürich, Lino Guzzella, sein Amt an. Kurz zuvor meldet er sich nun in der «NZZ am Sonntag» mit Kritik am hiesigen Bildungswesen zu Wort: Er sieht Handlungsbedarf sowohl an Gymnasien als auch an den Volksschulen; die Schulen müssten mehr fordern und leistungsorientierter sein. «Man kann heute relativ einfach zu einer Maturität kommen», sagt er im Interview.

Die ETH spüre die ungenügenden Leistungen von Maturanden – insbesondere in der Mathematik. Vor allem in den Fächern Physik, Deutsch, Englisch und eben Mathematik plädiert er deshalb für härtere Maturitätsprüfungen. «Die Leute müssen richtig lesen, schreiben und sprechen können.» Das gelte auch für Naturwissenschafter und Ingenieure.

Verdoppelung der Gebühren möglich

Weil Innovation das Kapital der Schweiz sei, brauche das Land die bestausgebildeten Köpfe. «Die Gymnasien müssen sich als Elite-Schulen verstehen», fordert Guzzella. Von einer höheren Maturaquote hält er nichts, denn auf diese Weise werde das Niveau der Maturität gesenkt.

Das Schweizer Bildungssystem sei zwar grundsätzlich gut, aber «wir müssen noch mehr Leistungen verlangen, auch in den Volksschulen». Es dürfe nicht sein, dass die Volksschule immer mehr mit Erziehungsaufgaben belastet werde. Wenn die Schule erziehen müsse, würden die talentierten Schüler zu wenig gefördert, gibt er zu bedenken.

Der neue Rektor kündigt weiter eine mögliche Verdoppelung der jährlichen Studiengebühren von 1300 auf 2600 Franken an. Denn obwohl die Zahl der Studierenden an der ETH in den letzten 10 Jahren um rund 60 Prozent gestiegen sei, habe das Budget kaum zugenommen. Nebst dem Einsatz neuer Lernmethoden sei deshalb auch eine Erhöhung der Studiengebühren im Gespräch, sagt er.

ETH-Studium ein «Preisknüller»

Wie stark die Gebühren genau steigen sollen, stehe noch nicht fest, denn es sei Sache des ETH-Rats und der Politik, dies zu entscheiden. Vorgesehen sei zudem, von Ausländern für die zweisprachige Administration des Lehrbetriebs «einen kleinen Zusatzbeitrag» zu verlangen.

Wann genau die Gebühren steigen sollen, ist laut Guzzella noch unklar. Sollten die Erhöhungen umgesetzt werden, gälten diese voraussichtlich aber nur für die Neueintretenden. «Auf jeden Fall werde ich mich persönlich dafür einsetzen, dass das Geld nur für die Lehre eingesetzt wird.»

Zudem müsse ein grosser Teil der Gebührenerhöhung für die soziale Abfederung wie etwa Stipendien verwendet werden. «Es darf nicht sein, dass ein talentierter Anwärter wegen des Geldes nicht an der ETH studieren kann.»

Verglichen mit den Gebühren an US-amerikanischen Hochschulen sei aber das ETH-Studium ein «absoluter Preisknüller», betont Guzzella. An einer vom Niveau her vergleichbaren Hochschule in den USA würde das Bachelor-Studium zwischen 10'000 und 50'000 Dollar pro Jahr kosten.

SDA/rbi

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