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«Haben mich die Schweizer Behörden vergessen?»

Schon wenige Stunden nach seiner Rückkehr hat Max Göldi den Medien Auskunft gegeben. Vor allem nicht zu wissen, ob sich jemand um sein Schicksal kümmert, sei schwer gewesen.

Politische Aussagen vermied der Schweizer genauso wie Kritik an den involvierten Parteien. Er sei «müde, aber sehr glücklich wieder in der Schweiz» zu sein.

Erschöpft, jedoch gefasst: Mit langsamen Schritten betrat Max Göldi sein Rednerpult an der Medienkonferenz der Familie Göldi in Bern. Unzählige Mikrophone und Kameras standen bereit. Dann - endlich - sprach der Rückkehrer.

Mitarbeiter von Schweizer Firmen wurden verhaftet

«Es ist ein sehr emotionaler Moment für mich», sagte Max Göldi vor den Medien in Bern. Er sei Opfer eines Konfliktes gewesen, der nichts mit ihm zu tun gehabt habe. «Ich bin mir keiner Schuld bewusst», sagte ein ruhig wirkender Göldi. Er dankte allen Personen, die sich für seine Freilassung eingesetzt haben.

Rachid Hamdani, den zweiten Schweizer, der in Libyen festgehalten worden war, habe er im Gefängnis kennengelernt, als er im Juli 2008 zum ersten Mal in Haft genommen worden sei. In der gleichen Zelle seien noch drei weitere Mitarbeiter von Schweizer Firmen gesessen. Diese seien aber - weil keine Schweizer Bürger - wieder freigelassen worden.

53-tägige Entführung

Als er und Hamdani in ein Spital gelockt und anschliessend von den libyschen Behörden an einen unbekannten Ort entführt wurden, habe er «in grosser Angst» gelebt. Max Göldi hat danach 53 Tage in vollkommener Isolation verbracht. Eine Kommunikation zwischen ihm und Hamdani war nicht möglich, auch nicht ein Kontakt zur Schweizer Botschaft oder der Familie in der Schweiz.

Göldi beschrieb den Aufenthaltsort als «kleines Zimmer mit verdunkelten Fenstern». Zur Unterhaltung habe er Bücher bekommen. «Ein Kontakt mit den Wachmännern war nicht möglich. Sie durften wohl nicht mit mir sprechen», erinnerte sich der Schweizer. Das Sicherheitspersonal habe ihn aber immer korrekt behandelt.

Die 53-tägige Gefangenschaft bezeichnete Göldi als «Entführung». «Rachid Hamdani und ich wurden unter den Augen von zwei Diplomaten überwältigt und weggebracht», berichtete der 54-Jährige. Wie er die Zeit überstand, konnte Göldi nicht in Worte fassen. «Ich hab's überlebt», sagte er lächelnd.

Quälende Ungewissheit

Am schwierigsten war laut Göldi die Ungewissheit: «Wer sind die Leute, die mich festhalten? Was machen die Schweizer Behörden? Haben sie mich vergessen?», schilderte der Rückkehrer seine Gedanken während der Zeit in libyscher Gefangenschaft.

Dass er in der Schweiz alles andere als in Vergessenheit geraten war, stellte Göldi bei seiner Ankunft am Flughafen in Zürich fest: «Die grösste Überraschung waren die vielen Fotografen.»

Rückkehr von Max Göldi wie eine Geburt

Mit der Medienkonferenz wollte sich die Familie Göldi den Medien stellen, um danach aber ihre Ruhe zu haben, wie Familiensprecher Andreas Bantel sagte. Der Bruder von Max Göldi, Moritz, dankte den Medien für ihre zurückhaltende Berichterstattung während der Festhaltung der beiden Schweizer in Libyen.

Die Landung seines Bruders Max sei für die Familie wie eine Geburt gewesen: «Riesige Freude und gleichzeitig weiss man nicht, was einen erwartet», beschrieb Moritz Göldi.

Max Göldi war am Donnerstag nach viermonatiger Haft wegen angeblicher Visavergehen freigelassen worden. Insgesamt sass der frühere ABB-Länderchef knapp 700 Tage - seit dem 19. Juli 2008 - in Libyen fest. Rachid Hamdani hatte Ende Februar 2010 ausreisen können.

SDA/mt

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