«Hätte mir einen Neuanfang früher gewünscht»

Generalvikar Martin Kopp spricht über den hinausgezögerten Rücktritt des Churer Bischofs Vitus Huonder. Dieser habe im Vatikan wohl viel Einfluss geltend gemacht.

«Ohne Neuanfang ist das Bistum Chur tot»: Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz, im Herbst 2016.

«Ohne Neuanfang ist das Bistum Chur tot»: Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz, im Herbst 2016. Bild: Keystone

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Bischof Vitus Huonder bleibt nun doch bis 2019 – eine grosse Enttäuschung für alle Reformkatholiken?
Für alle, die eine rasche Änderung der Situation erwartet haben, ist es eine Enttäuschung. Mich persönlich erstaunt der Entscheid. Ich hätte mir einen Neuanfang früher gewünscht.

Wie wird Kritik der katholischen Basis am Bistum bei Papst Franziskus wahrgenommen?
Ich nehme an, dass die kritischen Stimmen auch zum Papst gelangt sind. Es gibt Hinweise genug, dass Bischof Huonder und vor allem seine engsten Mitarbeiter in Chur sowie deren Bekannte in Rom sehr viel Einfluss geltend gemacht haben. Zum Beispiel anlässlich des Besuchs des Bischofs vor Weihnachten beim Papst. So hat der Papst nicht nur von zwei Seiten Informationen erhalten, sondern von vielen. Nun will er offenbar Zeit gewinnen für eine Klärung und weitere Entscheidungen.

Warum?
Weil er sich zu wenig klar ist über die Situation. Er hat gemerkt, dass es hier sehr widerstrebende Strömungen gibt, und will sich von keiner Seite vereinnahmen lassen. Aber irgendwann wird es einen Entscheid geben müssen. Übrigens in nicht allzu langer Zeit. Denn nach dem Plan des Nuntius wäre Vitus Huonder ohnehin bis gegen Sommer 2018 geblieben. Nun bleibt er ein Jahr länger.

Die Suche nach einem Nachfolger geht unmittelbar weiter.
Ja, und es ist ganz wichtig, dass das Bistum jetzt anders einbezogen wird. Dass die verschiedenen Gruppen im Bistum auf ordentliche Art und Weise befragt werden.

Sie meinen Kritiker wie Sie selber?
Ich werde nicht befragt. Vielleicht bin ich einfach ein zu wenig konformer Mensch. Aber man müsste Kritiker miteinbeziehen, das ist bei jeder Evaluation wesentlich. Zuerst aber einmal die Basis überhaupt, doch natürlich auch die Kritiker.

Generell: Welche Wirkung hat die Kritik der Basis am Bischof?
Sie wird in Rom schon zur Kenntnis genommen. Aber man stellt sich dort im Zweifelsfall hinter einen Bischof.

Sagt die Amtszeitverlängerung auch etwas über den politisch-theologischen Kurs von Papst Franziskus aus?
Klar nein. Franziskus will sich einfach persönlich ein Bild machen. Das ist ihm in dieser Zeit nicht gelungen.

Sie schlagen vor, dass ein Administrator in einer Übergangsphase die Wogen glättet. Ist diese Option jetzt vom Tisch?
Nein, sie bleibt offen. Dieses Postulat hat man in Rom sicher schon zur Kenntnis genommen. Nur müsste man anerkennen, dass die Lage im Bistum schwierig ist, sodass jemand von aussen Frieden stiften und Vertrauen gewinnen sollte und könnte.

Sie sagten im letzten Herbst, wenn sich der Kurs des Bistums nicht ändere, sei das Bistum tot. Rückt dieses Szenario jetzt näher?
Der Kurs wird einstweilen fortgeführt; auch was das Tagesgeschäft betrifft. Kritiker werden ihr Möglichstes tun, um in diesem Klima zu überleben. Intern müsste man Bedenken gegenüber dem Bischof und seinem Kurs eigentlich vorbringen können.

Bischof Huonder wollte ein Bistum Zürich errichten. Kann er dies jetzt noch umsetzen?
Ich glaube nicht, dass er das wirklich wollte. Das war eine seltsam anmutende Bewegung aus Chur mit unklarem Ziel.

Erstellt: 04.05.2017, 15:31 Uhr

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