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Hausärzte laufen Sturm gegen Couchepin

Streik, Demo, Volksinitiative oder gar Gehorsamsverweigerung gegenüber Bern? Die Hausärzte diskutieren diese Woche, wie sie gegen die Gesundheitspolitik von Pascal Couchepin protestieren wollen.

Schon lange unzufrieden: Bereits 2006 gingen Tausende Hausärzte in Bern auf die Strasse.
Schon lange unzufrieden: Bereits 2006 gingen Tausende Hausärzte in Bern auf die Strasse.
Keystone

Die Hausärzte in der Schweiz haben genug: Am Donnerstag trifft sich der Vorstand der Schweizerischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM), um allfällige Streiks zu beschliessen. «Unter den Hausärzten ist die Stimmung sehr schlecht. Wir sind wütend», sagt Präsident François Héritier auf Anfrage von Redaktion Tamedia.

Das Fass zum Überlaufen brachte Gesundheitsminister Pascal Couchepin: Er will die Labortarife im Juli um bis zu 25 Prozent senken. Viele Hausärzte befürchten, dass es sich für sie dann nicht mehr lohnen werde, ein eigenes Labor zu betreiben. Sie müssten ihre Patienten zur Untersuchung ins Spital oder in ein Labor schicken.

Tagung geplatzt

In ihrem Ärger liessen die Hausärzte bereits ein Symposium platzen. An der Tagung sollten die Hausarztverbände mit dem Bund und den Kantonen über die Zukunft der Hausarztmedizin diskutieren. Die Zeichen stehen also auf Sturm – zumal sich die Hausärzte auch über die zu tiefe Abgeltung der Notfallversorgung sowie die Reduktion der Gewinnmargen für Ärzte beklagen, die Medikamente abgeben.

Die Streiks sind für die Hausärzte jedoch nur eine von mehreren Möglichkeiten, Widerstand zu leisten. «Wir wollen den Patienten auf keinen Fall schaden», sagt Héritier. Zur Diskussion steht auch, die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit auf Eis zu legen. Die Hausärzte würden keine Daten mehr liefern und Kommissionssitzungen boykottieren. In diesen Kommissionen wird unter anderem über die Ausbildung von Ärzten und die Prävention beraten. Auch Demonstrationen und eine Volksinitiative, die die Hausarztmedizin aufwerten soll, stehen auf der Traktandenliste.

Radikale Kampfmassnahme

Wie unzufrieden die Hausärzte sind, zeigt eine radikale Kampfmassnahme: Findet sich eine Mehrheit, werden die Ärzte die neuen Labortarife schlicht ignorieren. «Wir klären zurzeit ab, ob die Tarife überhaupt umgesetzt werden müssen. Sonst wäre Gehorsamsverweigerung auch eine Alternative.»

Das dürfte die Beziehung zwischen Bundesrat Couchepin und den Ärzten noch eisiger werden lassen. Der Gesundheitsminister lässt keine Zweifel aufkommen, dass er an den neuen Labortarifen festhalten wird: Er hat viele der über 60'000 Protestbriefe, die die Hausärzte nach Bern schickten, beantworten lassen. Couchepin erklärt in seiner Antwort nochmals, warum die Tarifsenkungen nötig sind.

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