Hausdurchsuchung bei hohem Offizier wegen «Kotz-Brotz»-Rede

Die verbalen Entgleisungen von Armeechef Blattmann wurden aufgezeichnet – die Militärjustiz hat nun offenbar elektronische Geräte beschlagnahmt.

Hat eine Untersuchung durch die Militärjustiz beantragt: Armeechef André Blattmann (Archivbild).

Hat eine Untersuchung durch die Militärjustiz beantragt: Armeechef André Blattmann (Archivbild). Bild: Keystone

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Nach der wegen seiner «Kotz-Brotz»-Entgleisung bekannt gewordenen Rede von Armeechef André Blattmann hat die Militärjustiz bei einem Generalstabsoffizier der Schweizer Armee eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Der Offizier steht bei der Militärjustiz im Verdacht, Anfang Mai an einem Generalstabs-Seminar in Brugg Blattmanns Rede ohne Erlaubnis aufgezeichnet und nach aussen weitergegeben zu haben. Dem Vernehmen nach hat die Militärpolizei dabei auch elektronische Geräte des hohen Offiziers beschlagnahmt.

Tobias Kühne, der Sprecher der Militärjustiz, bestätigt die Hausdurchsuchung, die am Montag stattgefunden habe. Er äussert sich aber weder zur Person des Verdächtigen noch zu beschlagnahmten Gegenständen. Die betroffene Person sei «zu keiner Zeit festgenommen worden». Kühne betont zudem, es gelte bis auf weiteres die Unschuldsvermutung. Laut Kühne steht die Hausdurchsuchung im Zusammenhang «mit der Untersuchung, die die Militärjustiz wegen der Tonbandaufnahme führt».

Die Tonaufnahme, die der «Tages-Anzeiger» am 10. Mai veröffentlicht hat, dokumentiert eine Rede Blattmanns vor rund 150 Offizieren und weiteren, auch zivilen Zuhörern. In der siebenminütigen Rede beschimpft Blattmann nicht nur den «Rundschau»-Fernsehmoderator Sandro Brotz als «Kotz-Brotz», sondern kritisiert auch den Entscheid von Bundesrat Guy Parmelin, das Rüstungsprojekt Bodengestützte Luftverteidigung (Bodluv) zu sistieren.

In der Rede bezeichnete Blattmann Militärangehörige, die interne Informationen nach aussen tragen, als Verräter, als «widerliche Kerle» und kündigte an, sie «im übertragenen Sinn auf die Schlachtbank» zu führen und eigenhändig zu degradieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.05.2016, 18:19 Uhr

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