Hier ist das Schweizer Grundwasser am stärksten verschmutzt

Pestizide und Dünger aus der Landwirtschaft belasten die Böden. Unsere Karten zeigen, wo es besonders schlimm ist.

Belastet das Grundwasser: Ein Schweizer Bauer versprüht auf seinem Feld ein Pflanzenschutzmittel. Foto: Keystone

Belastet das Grundwasser: Ein Schweizer Bauer versprüht auf seinem Feld ein Pflanzenschutzmittel. Foto: Keystone

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Das Grundwasser in der Schweiz ist verschmutzt, insbesondere durch Fremdstoffe aus der Landwirtschaft. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht des Bundesamts für Umwelt (Bafu), der heute vorgestellt wurde. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist brisant: Nächstes Jahr stimmt die Bevölkerung über die Trinkwasserinitiative ab, die nur noch jenen Bauern Subventionen gewähren will, die auf den Einsatz von Pestiziden und Antibiotika verzichten.

Wie stark die Bauern das Grundwasser belasten, war bislang nicht vollumfänglich geklärt. Nun hat das Bafu den Zustand des Grundwassers flächendeckend untersucht. An schweizweit 524 Stellen hat es Messungen vorgenommen. Laut den neusten Zahlen aus dem Jahr 2017 waren zwei Drittel der Proben pestizidfrei (auf der Karte nicht abgebildet). An 170 Stellen wurden allerdings Rückstände von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen registriert. In 8 Fällen wurde sogar der Grenzwert überschritten.

Am grössten ist die Belastung im Mittelland, das dicht besiedelt ist und von den Bauern intensiv bewirtschaftet wird. Auch Industrie- und Gewerbestandorte, die Siedlungsentwässerung und Verkehrsflächen setzen dem Grundwasser zu. Da sich dieses lange im Untergrund aufhält und dort künstliche Substanzen kaum abgebaut werden, wird es problematische Stoffe nur schwer wieder los.

Neben Wirkstoffen von Pflanzenschutzmitteln wurden auch Abbauprodukte davon nachgewiesen, sogenannte Metaboliten. Sie sind im Vergleich zu den Wirkstoffen mobiler und gleichzeitig langlebiger. Zudem treten sie häufiger, regelmässiger und auch in höheren Konzentrationen auf. An 265 und damit mehr als der Hälfte der Messstellen wurden Metaboliten festgestellt.

Für die Mehrheit der Metaboliten gibt es bisher keine Höchstwerte. Seit 2017 wurde aber für einige wenige Abbaustoffe wie bei den Pestizid-Wirkstoffen ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter festgesetzt. Auf der Karte sind die Stellen, an denen dieser Wert überschritten wird, deshalb pink eingefärbt.

Laut dem Bafu sind solche Rückstände «potenziell kritisch» und müssen «verhindert beziehungsweise minimiert werden». Dort, wo sie über dem Grenzwert liegen, wurden in vielen Fällen die Herbizide Chloridazon und Metolachlor eingesetzt. Das sind Pflanzenschutzmittel, die im Rüben- und Maisanbau verwendet werden.

«Grundwasser ist die bedeutendste Trinkwasserressource der Schweiz – und steht unter Druck.»Bafu

Das Bafu registrierte ausserdem eine zu hohe Konzentration von Nitrat. Es reichert sich im Boden an, weil die Schweizer Bauern mehr düngen, als die Pflanzen aufnehmen können, und sickert dann ins Grundwasser. An gut 15 bis 20 Prozent der Messstellen wurde mehr Nitrat nachgewiesen als erlaubt. In Ackerbaugebieten lagen die Werte zeitweise sogar an 40 Prozent der Stellen über dem Grenzwert. In 2 bis 4 Prozent der Fälle wurde jeweils auch der zulässige Höchstwert für Trinkwasser überschritten.

Grundwasser ist laut dem Bericht mit Abstand die bedeutendste Trinkwasserressource der Schweiz. Müssen sich die Schweizerinnen und Schweizer nun Sorgen machen? Noch nicht, sagt das Bafu. Einwandfreies Trinkwasser sei weiterhin «in genügender Menge» vorhanden. Allerdings werde die Qualität des Grundwassers «verbreitet und nachhaltig» beeinträchtigt. Die wichtigste Trinkwasserressource gerate deshalb «zunehmend unter Druck».

Erstellt: 15.08.2019, 11:25 Uhr

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