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Hundehalter werden nicht mehr in die Pflicht genommen

Knapp zehn Jahre nach Einführung des Hundekurs-Obligatoriums hat das Parlament es wieder aus dem Gesetz gekippt.

Wieder freiwillig: Tier und Mensch im Hundekurs. Foto: Keystone
Wieder freiwillig: Tier und Mensch im Hundekurs. Foto: Keystone

Der Fall des sechsjährigen Buben, der 2005 auf dem Weg in den Kindergarten in Oberglatt ZH von drei Kampfhunden zu Tode gebissen wurde, löste damals grosses Entsetzen aus. Der «Blick» lancierte eine Petition zum Verbot von «Pitbulls und sämtlichen Kreuzungen», über 170'000 Personen haben sie unterschrieben. Der Vorfall in Oberglatt und ähnliche Bissattacken zwangen die Politik zu ­handeln.

Lockerungen nicht gefragt

Pitbulls wurden zwar nie verboten, aber das Parlament beschloss, dass alle Hundehalter mit ihrem Tier Kurse absolvieren müssen. 2008 trat das Obligatorium in Kraft. Nun, knapp zehn Jahre nach dem Parlamentsbeschluss, soll es wieder abgeschafft werden.

Bundesrat Alain Berset (SP) erinnerte gestern im Rat vergeblich an die emotionale Debatte im Parlament vor zehn Jahren. Mit dem Entscheid gegen das Obligatorium mache das Parlament seinen Beschluss von damals zunichte, sagte Berset. Stattdessen empfahl er dem Nationalrat, das Obligatorium etwas zu lockern. Demnach sollten Hundebesitzer den Kurs nur einmal machen müssen, bei der Anschaffung des ersten Hundes. Bisher mussten die Besitzer selbst dann noch einmal in den Kurs, wenn sie bereits einen Hund hatten.

Ein Fünftel besuchte die Kurse nicht

Dieser Vorschlag stiess bei den Gegnern des Hundekurs-Obliga­toriums auf wenig Gegenliebe. SVP-Nationalrat Marcel Dettling (SZ) stellte den Nutzen der Kurse infrage und verwies auf einen Schlussbericht, den das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen im Frühling publiziert hatte.

Laut dieser Studie kann man dem Obligatorium keine «klar objektive Wirkung» zugestehen; «hard facts» wie etwa eine deutliche Abnahme von Vorfällen mit Hunden fehlten.

Ausserdem hält der Bericht fest, dass ein Fünftel der Hundebesitzer die obligatorischen Kurse gar nicht erst besuchten. Das seien wohl jene, für welche die Kurse eigentlich gedacht wären, sagte Dettling. «Wenn Kurse nichts bringen, dann gehören sie abgeschafft.»

«Migration ist gefährlicher»

Die Gefahr für die öffentliche ­Sicherheit geht gemäss dem Innerschweizer nicht von Hunden aus, sondern von «unkontrollierten Migrationsströmen»: «Die Leute fürchten sich mehr, wenn sie am Abend ­alleine am Bahnhof unterwegs sind, als wenn ihnen ein Chihuahua entgegenkommt.»

Der Nationalrat hiess die Motion von FDP-Ständerat Ruedi Noser zur Abschaffung des obligatorischen Hundekurses mit 93 zu 87 Stimmen (bei 5 Enthaltungen) gut. Damit folgte er dem Ständerat, welcher ihr schon im Juni zugestimmt hatte – mit 22 zu 18 Stimmen ebenfalls knapp.

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