«Huonders Aussagen sind menschenverachtend»

CVP-Chef Christophe Darbellay übt scharfe Kritik am Churer Bischof Vitus Huonder. Dessen Aussagen über Homosexuelle seien untragbar, auch er selbst fühle sich dadurch beleidigt.

Klare Worte zu Bischof Vitus Huonders Aussagen: CVP-Präsident Christophe Darbellay, hier bei einer Rede während der Nationalfeier. (31. Juli 2015)

Klare Worte zu Bischof Vitus Huonders Aussagen: CVP-Präsident Christophe Darbellay, hier bei einer Rede während der Nationalfeier. (31. Juli 2015) Bild: Dominic Steinmann/Keystone

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CVP-Parteipräsident Christophe Darbellay hat die Äusserungen des Churer Bischofs Vitus Huonder über Homosexuelle scharf kritisiert. Es sei zwar nicht seine Aufgabe, Bischöfen Noten zu erteilen, sagte er im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Aber Huonders Aussagen seien untragbar.

Obwohl er persönlich nicht direkt betroffen sei, fühle er sich «beleidigt durch derart menschenverachtende Aussagen», sagte Darbellay. Solche hätten bei der CVP keinen Platz. Diesbezüglich halte er sich deshalb lieber an Papst Franziskus, der sage, er wolle die Homosexuellen nicht ausschliessen.

«Viele wünschen, dass ich als Präsident verlängere»

Huonder hatte Ende Juli bei einem Vortrag im deutschen Fulda Textstellen aus dem Alten Testament zitiert, wonach Homosexualität eine Gräueltat sei, die mit dem Tod bestraft werden müsse. Das löste scharfe Reaktionen und mehrere Strafanzeigen aus. Daraufhin entschuldigte sich der 73-Jährige bei «allen Menschen, die sich verletzt gefühlt haben» und erklärte seine Äusserungen mit einem Missverständnis, verteidigte seine Haltung zur Homosexualität aber auch.

Darbellay kontert im Interview auch die Vorwürfe, er habe einige Wochen vor dem Rücktritt aus dem Nationalrat und einige Monate vor seinem Abgang als CVP-Chef die Partei nicht mehr im Griff. «Die Rückendeckung in Partei und Fraktion ist sehr gross. Die meisten bedauern, dass ich aus dem Nationalrat ausscheide, und viele wünschen sich, dass ich als Präsident verlängern würde», sagt er. Daran ändere auch die von Fraktionschef Lombardi angezettelte Kontroverse über die Wahl von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf nichts. «Lombardi hat sich mir und Ständerat Schwaller gegenüber in aller Form entschuldigt. Er hat mir auch versichert, dass er nicht versuchen wird, die Fraktion auf einen anderen Kurs zu ziehen.» (kko)

Erstellt: 16.08.2015, 11:13 Uhr

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