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«Ich bin einer von euch»

Sion-Präsident Christian Constantin hat ein Loblied auf das Wallis geschrieben und in die Haushalte verteilen lassen. Ob sich die Bewohner des Bergkantons davon beeindrucken lassen?

Kämpft mit aufsehenerregenden Aktionen für ein Walliser Ja zu Olympischen Winterspielen im Jahr 2026: FC-Sion-Präsident Constantin (M.) mit CVP-Regierungsrat Christophe Darbellay (r.) und Skilegende Pirmin Zurbriggen unterhalb des Matterhorns. (8. Februar 2018)
Kämpft mit aufsehenerregenden Aktionen für ein Walliser Ja zu Olympischen Winterspielen im Jahr 2026: FC-Sion-Präsident Constantin (M.) mit CVP-Regierungsrat Christophe Darbellay (r.) und Skilegende Pirmin Zurbriggen unterhalb des Matterhorns. (8. Februar 2018)
Valentin Flauraud, Keystone
Constantin liess Zurbriggen auf dem Matterhorn mit einer Fackel ein Feuer entzünden.
Constantin liess Zurbriggen auf dem Matterhorn mit einer Fackel ein Feuer entzünden.
Valentin Flauraud, Keystone
Wurde an die Walliser Haushalte verteilt: Constantins Buch «Je voulais vous dire».
Wurde an die Walliser Haushalte verteilt: Constantins Buch «Je voulais vous dire».
zvg
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Christian Constantin umarmt auch mal gerne eine alte Lärche, während man ihn auf einer Baustelle oder im Büro wähnt. Das steht in einem Büchlein, das der Bauunternehmer und Präsident des FC Sion in die Walliser Haushalte hat verteilen lassen. Am 10. Juni steht die kantonale Abstimmung über Sion 2026 an. Olympia-Euphorie herrscht im Wallis keine, doch Constantin gibt nicht auf. Mit einem Loblied auf den Bergkanton will er das Volk noch auf seine Seite ziehen.

Ob die Olympischen Winterspiele 2026 im Wallis stattfinden oder nicht, in beiden Fällen wird rückblickend Constantins Rolle zu beurteilen sein. Der 61-Jährige hat die Spiele so stark an seine Person geknüpft, dass es schwerfallen wird, erfolgreiche Spiele nicht als sein Verdienst zu würdigen – und umgekehrt eine gescheiterte Kandidatur oder stark defizitäre Spiele nicht ihm anzulasten.

Constantin macht alleine weiter

Seit seinem handgreiflichen Angriff auf den Fernsehkommentator Rolf Fringer ist Constantin zwar nicht mehr Mitglied des Organisationskomitees von Sion 2026. Die Markenrechte und Internetadressen für Sion 2026, die er kurzerhand auf seinen eigenen Namen registrierte, musste er nach einer Intervention des Walliser Staatsrats abgeben. Aus dem Rampenlicht liess er sich jedoch nicht drängen: «Die Leute wissen, dass Olympia mir gehört», verkündete er trotzig, als da OK nicht einmal mehr sein Geld wollte. Der offiziellen Lancierung der Pro-Kampagne zur kantonalen Abstimmung über Sion 2026 vom 10. Juni stahl er mit einem brennenden Ölfass auf dem Matterhorn die Show – ein symbolisches olympisches Feuer, angezündet von Skilegende Pirmin Zurbriggen.

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Nun Constantins jüngster Streich: Ein sechzigseitiges Büchlein mit dem Titel «Ich möchte Ihnen etwas sagen» für das Oberwallis und «Je voulais vous dire» für das Unterwallis. Das «Ein-Mann-Komitee» titelte der «Walliser Bote», als Constantin die Aktion ankündigte. Jetzt ist das Werk in den Haushalten, und die Diskussion wird sich einmal mehr um Constantin drehen. Hat er recht mit seinem Traum von den ersten Olympischen Winterspielen im Kanton mit seinen berühmten Wintersportorten? «Ich bin einer von euch», beteuert er in seinem Werk. Ist er das?

Staudämme und Sternenhimmel

Das Wallis ist in Constantins Darstellung ein einzigartiger, wunderbarer Ort, mit Kuhkämpfen neben Hochtechnologie und Bergen, die für ihn «Mozart bei uns» sind. Er schwärmt von den Staudämmen, erinnert sich, wie ihm sein Vater das erste Mal den Sternenhimmel zeigte, und stellt sich vor, wie zwei Walliserinnen, die heute erst sechzehn sind, dereinst am Start der Damenabfahrt stehen. «Ich will einfach nur meiner Hoffnung Ausdruck geben, dass unsere beiden Abfahrerinnen die glücklichsten der Welt sein werden, wenn sie im Jahr 2026 an euch vorbeipreschen.»

Wird sich das Wallis erlauben, mit Constantin zu träumen? Er versucht es den Stimmberechtigten leicht zu machen, keine finanziellen, politischen, ökologischen und sonstigen mühsamen Erwägungen brechen die Naturromantik und den Traum vom grossen gemeinsamen Erlebnis. Nur so viel verspricht Constantin: Er wolle nichts für die Olympischen Spiele bauen, und (fast) alles, was man brauche, sei bereits da.

Letztlich verlangt Constantin, dass man ihm vertraut. «Dieses Land ist meine Heimat, und ich könnte ihm niemals etwas Schlechtes antun. Es in ein unsinniges Projekt hineinziehen. Ich bin einer von hier», verspricht er in vom Waadtländer Journalisten Philippe Dubath geformten Sätzen. Im Juni wird sich zeigen, ob er das Vertrauen erhält. Eines wird ihm wohl keiner vorwerfen: dass er zu wenig für die Spiele getan habe. Wenn, dann wohl eher das Umgekehrte.

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