«Ich bin schockiert über diese Kampagne»

Kaum zum ACS-Präsidenten gewählt, wird FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen mit Klagen und Strafanzeigen eingedeckt. Nun nimmt er Stellung zu den Vorwürfen gegen seine Person.

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. (28. Februar 2016)

Der Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. (28. Februar 2016) Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Herr Wasserfallen, sind Sie nun ACS-Präsident oder nicht?
Ich bin am 23. Juni 2016 einstimmig von den 13 anwesenden Sektionen gewählt worden. Zu der Delegiertenversammlung hatte Herr Ammann als damaliger Präsident persönlich und statutarisch korrekt eingeladen.

Also sind Sie ACS-Präsident?
Ja, und ich stelle mich am 16. September der Wiederwahl.

Auch wenn Sie mit SVP-Nationalrat Thomas Hurter nun Konkurrenz erhalten?
Ja. Die Wahl zeigt, dass die Verbandsdemokratie lebt und juristische Zwängereien nicht der richtige Weg sind.

Der bisherige ACS-Präsident, Mathias Ammann, und der interimistisch eingesetzte Direktor Michael Gehrken haben eine Strafanzeige wegen Ehrverletzung, übler Nachrede und Beschimpfung gegen Sie eingereicht. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?
Ich bin schockiert über die bis und mit pietätlose «Blick»-Kampagne, die von diesen Herren angerissen wurde. So etwas habe ich noch nie erlebt. Sogar mein verstorbener Vater wurde ins Spiel gebracht. Diese Kampagne ist insbesondere für den ACS massiv schädlich. Ich habe immer alle Regeln des Anstandes eingehalten und das Gespräch gesucht. Trotzdem spielt die andere Seite nun auf den Mann. Das zeigt, dass ihr die Argumente ausgehen. Bei der Anzeige handelt es sich um letzte juristische Zuckungen. Herr Ammann stellt sich schliesslich nicht mehr zur Wahl, und Herr Gehrken hat kein Mandat des ACS mehr.

Sie sind in eine Schlammschlacht geraten. Wieso tun Sie sich das an?
Ich war mir bewusst, dass das Mandat nicht risikofrei ist und teilweise schwierige Charaktere involviert sind. Wenn man den Verband seinem Schicksal überlassen hätte, wäre er aber wahrscheinlich irgendwann ex- oder implodiert. Mir liegt der ACS sehr am Herzen. Ich war zwar vorher nicht Mitglied, kenne seine Aktivitäten aber seit langem und habe den Eindruck, dass sehr viele gute und engagierte Leute in dem Verband wirken.

Liessen Sie sich mit Ihrer Kandidatur für einen Machtkampf einspannen?
Es geht in der Verbandsdemokratie doch nicht um Macht. Es geht darum, die Anliegen der Mitglieder aufzunehmen und eine lebendige Auseinandersetzung zu führen. Ich bin angefragt worden, ob ich mir das Amt vorstellen könne, und habe mich dafür entschieden, als klar war, dass ich mich nicht um das Präsidium der FDP bewerbe.

Sie sind weder als ausgesprochener Verkehrspolitiker noch besonderer Autofreund bekannt.
Ich bin nicht Mitglied der Verkehrskommission, war aber in die CO2-Gesetzgebung involviert und habe mich für verschiedene Projekte im Rahmen des Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds eingesetzt. Zudem habe ich schon früh Motorsportereignisse besucht und mich zuletzt für die Aufhebung des Verbots von Rundstreckenrennen eingesetzt. Mit den Formel-E-Rennen stellen sich hier nun spannende Fragen.

Wer hat Sie für das Amt angefragt?
Die Anfrage lief über die Sektion Zürich. Auch nicht direkt involvierte Sektionen wünschten aber einen Wandel, damit der ganze Verband wieder zusammenarbeiten kann. Am 23. Juni habe ich eine entsprechende Aufbruchsstimmung erlebt; das Gefühl, nun mit einer jüngeren Person an der Spitze vorwärtsgehen zu können.

Sie überlegen sich eine Kandidatur für den Berner Regierungsrat. Würden Sie gewählt, müssten Sie das Amt nach zwei Jahren wieder abgeben.
Was ich bei jeglichen Anfragen für Ämter offengelegt habe. Auch beim ACS, und dieser war einverstanden damit. Entschieden habe ich mich übrigens noch nicht.

Haben Sie das Amt im Hinblick auf die Regierungsratskandidatur angestrebt, um es im Wahlkampf vorweisen zu können?
Ich hätte mich nie im Leben aus Opportunitätsgründen für das Amt entschieden. Das wäre sowieso die falsche Denkweise.

Thomas Hurter tritt nun mit dem Argument gegen Sie an, im gegenwärtigen Streit nicht vorbelastet zu sein. Haben Sie eine Chance gegen ihn?
Ich bin auch nicht vorbelastet. Wenn nicht mehr Energie in unnötige Zankereien und Kampagnen gesteckt wird, ist der Verband zu Grossem fähig und wird seinen gegenwärtigen Rekordmitgliederstand in Resultate ummünzen können. Ich stelle mich deshalb gerne zur Wiederwahl.

Erstellt: 08.08.2016, 16:31 Uhr

ACS: Es gärt schon länger

Die Kontroverse um die Führung des Strassenverkehrsverbandes ACS ist um eine Strafanzeige reicher. Die Verbandsführung hat gegen den Berner FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen eine Strafanzeige eingereicht.

Wasserfallen werden üble Nachrede und Beschimpfung vorgeworfen. Michael Gehrken, Generaldirektor des Automobil Clubs der Schweiz (ACS) ad interim, bestätigte einen Bericht des «Blick» vom Montag. Eingereicht wurde die Anzeige bei der Berner Staatsanwaltschaft von Gehrken und dem bisherigen ACS-Präsidenten Mathias Ammann.

Auslöser der Anzeige war ein Zitat von Wasserfallen gegenüber der Nachrichtenagentur sda in einer Meldung vom 30. Juli. Damals ging es um den von Wasserfallen gesperrten Zugriff auf die ACS-Konten bei der Berner Kantonalbank.

Wasserfallen veranlasste dies, weil gemäss dem Beschluss des alten Vorstandes über ACS-Konten sämtliche Anwaltskosten beglichen werden sollten. Dazu sagte Wasserfallen damals der sda, er wolle mit den Sperrungen verhindern, dass die «alte Garde» sich bediene wie in einem Selbstbedienungsladen. Mit dieser Aussage habe Wasserfallen die Grenze überschritten, sagte Gehrken am Montag. Zu weit gegangen sei Wasserfallen zudem mit persönlichen SMS an seine Adresse.

Im Automobil Club gärt es schon länger. Zum ersten grossen Eklat kam es Mitte Juni, als Generaldirektor Stefan Holenstein mit sofortiger Wirkung suspendiert wurde. Holenstein soll arbeitsrechtliche Vorschriften nicht eingehalten haben, begründete Ammann damals die Entlassung. Zudem soll er hinter seinem Rücken Wasserfallen als neuen Präsidenten aufgebaut haben.

Wasserfallen war am 23. Juni zum neuen Präsidenten des ACS gewählt worden, von 13 der 19 Sektionen und gegen den Willen des Direktionskomitees. Ammann als bisheriger Präsident anerkennt diese Wahl nicht und sieht sich weiterhin im Amt.

Die Wahl soll am 16. September wiederholt werden. Dabei stellt sich Wasserfallen laut eigener Aussage zur Wiederwahl. Am Sonntag wurde bekannt, dass auch Nationalrat Thomas Hurter (SVP/SH) zur Wahl antritt. Er wolle wieder Ruhe in den Verband bringen, sagte Hurter. Er sei von der Schaffhauser Sektion zur Wahl angemeldet worden. (sda)

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