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«Ich fühle mich im Stich gelassen»

Nach dem letzten Krawall-Wochenende in Bern übt Sicherheitsdirektor Reto Nause scharfe Kritik. Im Umfeld der Reitschule herrsche eine Omertà, eine Art Schweigepflicht.

«Es ist höchste Zeit für eine härtere Gangart»: Reto Nause im Dezember bei seiner Wiederwahl in den Berner Gemeinderat. (27. November 2016)
«Es ist höchste Zeit für eine härtere Gangart»: Reto Nause im Dezember bei seiner Wiederwahl in den Berner Gemeinderat. (27. November 2016)
Peter Schneider, Keystone

Nach den jüngsten Ausschreitungen in Bern kritisiert Sicherheitsdirektor Reto Nause die sehr milden Urteile der Gerichte. Die Polizisten müssten bei ihren Einsätzen mit dem Schlimmsten rechnen. «Mittlerweile fühle ich mich im Stich gelassen», sagte Nause im Interview mit dem «SonntagsBlick» im Bezug auf den Umgang mit Mitgliedern der gewaltextremistischen linken Szene. Der Eindruck, dass Gewalttäter in Bern am Samstag verhaftet werden und am Montag wieder zur Arbeit erschienen, sei «nicht ganz falsch».

Das liege aber an der Gesetzgebung, der Anklageerhebung und der Strafzumessung, sagte der CVP-Gemeinderat. Es sei im Einzelfall schwierig, einem Steinewerfer nachzuweisen, dass sein Geschoss einen Polizisten getroffen habe. Doch: «Angesichts immer gravierenderer Gewalt würde ich nicht mehr so differenziert vorgehen.»

Rund 200 Demonstranten haben sich am Samstagabend vor der Reitschule versammelt. Nach neun Uhr artete die Demonstration aus. Aktivisten griffen die Polizisten an.
Rund 200 Demonstranten haben sich am Samstagabend vor der Reitschule versammelt. Nach neun Uhr artete die Demonstration aus. Aktivisten griffen die Polizisten an.
gbl
Auf dem Areal Eilgut, westlich der Reitschule, brannte erst ein Fahrzeug.
Auf dem Areal Eilgut, westlich der Reitschule, brannte erst ein Fahrzeug.
gbl
Die Polizei stand bereits im Vorfeld bei Aarbergergasse bereit.
Die Polizei stand bereits im Vorfeld bei Aarbergergasse bereit.
gbl
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Im Stich gelassen fühle er sich von der nationalen Gesetzgebung, den Staatsanwaltschaften und den Gerichten, die sehr milde urteilen würden. Der Rechtsstaat sei zu wahren, betont Nause. «Aber die Militanz, die Gewaltbereitschaft und der Wille, auf den Staat loszugehen, sind in den letzten fünf sechs Jahren weit gravierender geworden.» Das betreffe Zürich und Basel genauso wie Bern und reiche von Ultralinken über Tierschützer bis zu Fussball-Hooligans.

Schweigepflicht in der Reitschule

Nach dem letzten Krawall-Wochenende hatte bereits der Verband Schweizerischer Polizei-Beamter (VSPB) ein härteres Vorgehen gegen die Täter gefordert. Die aktuell geltenden Strafen schreckten diese nicht ab, stellte Verbandspräsidentin Johanna Bundi Ryser fest. «Es ist höchste Zeit für eine härtere Gangart.»

Nause gibt zu bedenken, dass die Polizisten bei den Einsätzen gegen Krawallmacher damit rechnen müssten, sich schwer zu verletzen. «Es ist sogar möglich, dass jemand stirbt.» Für die Berner Reitschule, in deren Umgebung es zu den jüngsten Ausschreitungen gekommen war, fordert Nause eine neue Trägerschaft und einen Sicherheitsdienst, der «nicht selber belastet» sei. In der Reitschule gebe es heute eine Omertà, eine Art Schweige-Kodex. «Die Gewalttäter sagen: 'Ich weiss, wo du wohnst, wenn du etwas sagst, finde ich dich und haue dir den Kopf ein'», sagt Nause.

SDA/thu

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