«Ich habe Zweifel, ob wir auf nationaler Ebene überleben»

BDP-Gründer Hans Grunder über seine Bundesrätin und die Zukunft der Partei.

BDP-Nationalrat Hans Grunder.

BDP-Nationalrat Hans Grunder. Bild: Marcel Bieri

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Herr Grunder, die BDP hat – anders als die Prognosen vermuten liessen – auf nationaler Ebene «nur» zwei Sitze verloren. Zufrieden?
Mit nur einem Sitzverlust wären wir zufrieden gewesen. Dass wir nun zwei verloren haben, ist schade. Offenbar war es in Bern ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der GLP. Am Schluss hat Kathrin Bertschy von der GLP zuungunsten unseres Parteimitgliedes Heinz Siegenthaler das Rennen gemacht. Das Glück war für einmal nicht auf unserer Seite.

Worauf führen Sie zurück, dass die BDP nicht so stark abgesackt ist?
Ich hatte für die nationalen Wahlen nie so schwarz gesehen wie einige Prognostiker. Wir haben aus den Niederlagen in den kantonalen Wahlen gelernt und sind diesmal mit Listenverbindungen ins Rennen gegangen. Das hat sich ausgezahlt.

Dennoch: Während Sie sich mit wenig zufrieden geben müssen, hat Ihre grosse Konkurrentin, die SVP, wacker zugelegt. Wie erklären Sie sich deren Erfolg?
Die SVP funktioniert heute wie ein Grosskonzern, dagegen sind alle anderen Parteien nur Kleinbetriebe. Die SVP hat heute Mittel für PR und Werbung fast ohne Ende. Und sie hat mit der Angst mobilisiert. Wenn man den Leuten von der SVP zuhört, hat man ja das Gefühl, fast permanent im Krieg zu stehen.

Werden Sie der SVP nach deren Sieg nun einen zweiten Sitz zugestehen oder weiter für die Wiederwahl Ihrer Bundesrätin kämpfen?
Wir werden den Sitz unserer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf sicher nicht kampflos aufgeben. Ich bin zuversichtlich, dass die Mitteparteien, wenn auch die Ständeräte alle gewählt sind, immer noch eine Mehrheit haben werden.

Die Wähler haben aber die Mitte abgestraft. Das müsste Ihnen schon zu denken geben.
Das tut es auch! Die Wähler haben mit dem gestrigen Resultat deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie keine zersplitterte Mitte haben wollen. Wir müssen uns nun zusammenraufen.

Was genau meinen Sie mit zusammenraufen?
Wir müssen die Zusammenarbeit der Mitteparteien institutionalisieren. Das kann so weit gehen, dass wir eine gemeinsame Fraktion bilden. Für mich wäre auch denkbar, die FDP in diese Fraktion aufzunehmen. Denn die FDP wird ja von der SVP fast dauernd nur vorgeführt.

Wie rechtfertigen Sie eine weitere Amtsperiode Ihrer Bundesrätin?
Zuerst muss ich Folgendes festhalten: Wir wissen noch immer nicht, ob Eveline Widmer-Schlumpf überhaupt noch einmal antreten will. Aber grundsätzlich hat die Mitte meiner Meinung nach Anrecht auf einen zweiten Bundesratssitz.

Sie haben angeblich null Wahlwerbung gemacht. Stimmt das?
Das stimmt.

Waren Sie so sicher, dass Sie wiedergewählt wurden, oder war Ihnen die Wiederwahl egal?
Es war mir sicher nicht egal. Ich zweifle einfach an der Wirkung dieser Wahlplakate. Ich habe versucht, durch konkrete Aktionen wie Vorstösse Wahlwerbung zu machen.

Wie lange wird es die BDP noch geben?
In den Gründerkantonen sind wir gut etabliert. Ich habe aber gewisse Zweifel, ob wir längerfristig auf nationaler Ebene überleben können.

Erstellt: 19.10.2015, 09:23 Uhr

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