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«Bei einem Nein gibt es für die Jungen vielleicht keine AHV mehr»

«Die Vorlage regelt nicht alle Fragen bis in alle Ewigkeit»: Alain Berset am Filmfestival Locarno. Foto: Claudio Bader (13 Photo)

Herr Bundesrat, entweder schreiben Sie am 24. September mit der Altersvorsorge 2020 als Ihrem Meisterstück Geschichte – oder es gibt ein Nein, und Sie stehen vor den Trümmern Ihres sechsjährigen Wirkens im Bundesrat . . .

Nichts davon war aber so bedeutend wie die Altersvorsorge 2020 – und die wird nun sowohl von rechts wie auch von ganz links bekämpft. Welche Opposition bereitet Ihnen mehr Sorgen?

In der Deutschschweiz sind vor allem FDP und Wirtschaftsverbände dagegen. Im Abstimmungsbüchlein aber darf sich nur das linke Referendumskomitee aus der Westschweiz äussern. Finden Sie das nicht bedauerlich?

FDP und Wirtschaftsverbände argumentieren dafür fast schon links: Die Reform sei ungerecht, Junge müssten für Ältere bluten. Gerechtigkeit ist klassisches SP-Vokabular – da müssten Sie Verständnis haben.

Es lässt sich aber nicht bestreiten: Wer zwischen 35 und 45 Jahre alt ist, zahlt mehr ein und bekommt tendenziell weniger. Die Jahrgänge der 45- bis 65-Jährigen dagegen werden vergoldet: Sie haben ihre Rente garantiert und erhalten noch 70 Franken mehr AHV.

Aber neben der Besitzstandsgarantie gibt es eben noch 70 Franken als Dessert. Und der AHV-Zuschlag geht auch an die Wohlhabenden, die es nicht nötig hätten.

Und wie überzeugen Sie einen unter 45-Jährigen, der viel stärker zur Kasse gebeten wird als bisher?

Und Sie glauben, das reicht? Stellen wir uns vor, wie ein Junger die verschiedenen Modelle durchrechnet und dann die Einbussen feststellt, die ihm die Altersvorsorge 2020 bringt.

Und wie überzeugen Sie Menschen, die Ergänzungsleistungen (EL) benötigen? Diese werden ihnen wegen der 70 AHV-Franken gekürzt – die AHV aber müssen sie im Unterschied zu den EL versteuern. Das heisst, am Ende bleibt ihnen weniger Geld.

Der Abstimmungsausgang scheint völlig offen. Wie geht es weiter, wenn das Volk Nein sagt?

Käme bei einem Nein Rentenalter 67 wieder aufs Tapet?

Das fordern freilich auch Ihre Verbündeten aus CVP und BDP.

Zumal Sie unlängst daran zweifelten, dass es für alle genug Arbeit bis 67 gibt.

Sprechen wir über Ihre eigene Zukunft. Im Herbst wird das Aussendepartement frei, spätestens 2019 das Umweltdepartement und wohl auch das Wirtschafts- und das Finanzdepartement. Interessiert Sie eines davon?

Es steht für Sie aber nicht fest, dass Sie bis zum Ende Ihrer Zeit als Bundesrat Innenminister bleiben?

Die Chancen sind gross, dass Ignazio Cassis im Herbst ein neuer Bundesratskollege von Ihnen wird. Er steht den Krankenkassen nahe. Wäre das für die Übernahme Ihres Departements ein Problem?

Ihre Kollegin Doris Leuthard hat soeben ihren Rücktritt bis spätestens 2019 angekündigt. Wissen Sie umgekehrt sicher, dass Sie dann nochmals antreten werden?