Der heilige Toni

Der Kult um Ex-Nationalrat Toni Brunner ist schädlich für die Schweizer Politik. Analyse eines Symptoms.

Symptom einer leicht entfachbaren Liebe fürs Nebensächliche: der SVP-Politiker Toni Brunner. Bild: Keystone

Symptom einer leicht entfachbaren Liebe fürs Nebensächliche: der SVP-Politiker Toni Brunner. Bild: Keystone

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Letzte Woche wurde Toni Brunner heilig gesprochen. Zumindest konnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man sich durch all die Artikel las, mit denen er nach 23 Jahren aus dem Nationalrat verabschiedet wurde. Als sei etwas Entscheidendes geschehen. Aber dem war nicht so. Deshalb sage ich nein zu Toni Brunner.

Nicht zu Brunner als Mensch, aber sehr wohl zu dem, was sich bei seinem Abgang geradezu symptomatisch zeigte: die Liebe zum Nebensächlichen, die Schweizer durch alle politische Lager immer wieder zur kultischen Verehrung von Personen verführt. Wie beim gmögigen SVP-Politiker, der nun ins Toggenburg zurückkehrt, weil er genug hat von der Politik – und von dem nach Ende seiner Karriere sich nun als Eindruck verfestigt, wofür ihn offensichtlich so viele mochten: seine Gmögigkeit.

Aber dafür liess sich Toni Bruner nicht in den Nationalrat wählen, das war nicht seine Arbeit, nicht seine politische Mission. Doch all das wird verdeckt, wenn sich nur noch Brunners Kumpeltalent im Gedächtnis verfängt. Deshalb sage ich nein. Ich interessiere mich nicht für die Person, aber sehr wohl für die Folgen der Politik, die Brunner zusammen mit anderen fit fürs 21. Jahrhundert machte. Mithilfe erheblicher finanzieller Mittel.

Bei einem Sportler ist es verzeihbar, wenn man sich für seine Frau und seine Kinder interessiert. Auch wenn Roger Federer nicht international bekannt wurde, weil er sich so fleissig reproduziert. Aber warum interessieren sich die Schweizer so intensiv für Simonetta Sommarugas Verzicht auf Kinder, dass Google dies als erste Suchkombination vorschlägt? Weil wir von Emotionalem leichter faszinierbar sind als von komplexen Sachverhalten. Mit dem Fokus auf Eigenschaften, die nichts mit den Entscheidungen und den Inhalten der Politik zu tun haben, wird aber letztlich nichts anderes als eine Banalisierung, wenn nicht gar eine Entpolitisierung der Politik betrieben. Wie mit dem gmögigen Toni Brunner. Und all das, weil wir beseelt sind von einer leicht entfachbaren Liebe fürs Nebensächliche.

Erstellt: 18.12.2018, 18:24 Uhr

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