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Ihr seid der Adel, Hausbesitzer

Wer statt Bäume Steine «pflanzt», missachtet seine Verantwortung.

Ein Haus mit Umschwung zu besitzen und den Umschwung gestalten zu können, wird mehr denn je zu einem Privileg.
Ein Haus mit Umschwung zu besitzen und den Umschwung gestalten zu können, wird mehr denn je zu einem Privileg.
Gaetan Bally, Keystone

Die Schweiz verschottergartet. Vor allem im deutschsprachigen Landesteil ziehen immer mehr Grundbesitzer die «dekorativen Geröll­halden», wie es ein Redaktion Tamedia-Leser formuliert, einer herkömmlichen Bepflanzung mit Blumen und Grünzeug vor. In einer neuen Studie regt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz nun Gegenmassnahmen an, politisch-regulierende wie psychologisch-sensibilisierende.

Natürlich haben die Landschaftsschützer recht. Schottergärten gehören in dieselbe Kategorie wie nackte Teenagerfuss­knöchel zur Winterszeit: eine Mode, die rational schwer zu erklären ist und deren Anblick einen physisch leiden macht. Schottergärten sind hässlich; sie scheinen wie der Versuch, Urbanität zu implementieren, wo doch nur Vorstadtlimbo gepflastert wird. Sie sind ökologisch schädlich und dabei noch nicht mal so pflegeleicht, wie sie zu sein versprechen.

Schottergärten sind hässlich; sie scheinen wie der Versuch, Urbanität zu implementieren, wo doch nur Vorstadtlimbo gepflastert wird.

Soll man dagegen mit Vorschriften ankämpfen, mit höheren Grünflächenziffern etwa? Der Vorschlag der Experten ist gut gemeint, damit durchdringen werden sie nicht. Der Gartenzaun markiert eine Intimitätsgrenze in diesem Land. In die umzäunte Zone hineinregulieren zu wollen, ist meist zum Scheitern verurteilt.

Erfolgversprechender könnte es sein, bei den «Schottergärtnern» das Statusbewusstsein zu fördern. In unserem Land wächst die Bevölkerung, es steigen die Hauspreise, es schwindet das Angebot. Ein Haus mit Umschwung zu besitzen, den Umschwung gestalten zu können, wird mehr denn je zu einem Privileg. Damit einher geht eine wachsende Verantwortung der Privilegierten. Man darf sie ruhig daran erinnern, dass Grundbesitz seit der Römerzeit das wichtigste konstituierende Merkmal der Adelsschicht war. Man soll sie daran erinnern, dass sie dieses Erbe antreten – und dass Adel verpflichtet.

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