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Immer jüngere Opfer von Pädokriminellen

Um sich an Kinder heranzumachen, wählen Pädophile zunehmend den interaktiven Bereich des Internets. Für die Ermittler wird das Problem gravierender.

Ein Ermittler findet auf einem Computer Kinderpornografie. (Archiv)
Ein Ermittler findet auf einem Computer Kinderpornografie. (Archiv)
Peter Förster, Keystone

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei schweizweit 1286 Anzeigen wegen verbotener Pornografie. Allein im Kanton St. Gallen haben Polizei und Staatsanwaltschaft in 134 Fällen ermittelt, so oft wie nie seit Beginn der Datenerfassung vor 18 Jahren. Ein grosser Anteil davon geht auf das Konto pädophiler Täter, sagt die St. Galler Staatsanwältin Ursula Brasey im Gespräch mit der «Ostschweiz am Sonntag».

Ermittler und Staatsanwaltschaft sehen sich mit immer komplexeren Fällen konfrontiert – und kommen an ihre Grenzen. Was den Behörden zunehmend Sorgen bereitet, ist der interaktive Bereich des Internets. Die Fälle sind häufig mit fiesen Tricks wie Drohungen, Nötigung oder auch einem Belohnungssystem zwischen Täter und Opfer verbunden.

Beispiele gibt es viele

In Chats, Online-Spielen oder sozialen Medien machen sich die Täter an die Kinder heran und bringen sie dazu, vor der Webcam sexuelle Handlungen vorzunehmen. Dies wird im Strafrecht zwar weniger hart geahndet als direkter Körperkontakt, kann aber bei den Opfern ebenso schwere psychische Schäden anrichten.

Die Rechtsprechung muss diese neuen Phänomene mit Tatbeständen aus teils älteren Gesetzen vereinen sowie der Tatsache Rechnung tragen, dass einzelne Täter teils mit Dutzenden oder gar Hunderten von Kindern gleichzeitig im Kontakt stehen – auch im Kanton St. Gallen, sagt die Staatsanwältin.

Mutter stellt Kinder zur Verfügung

«Die Kinderpornografie wird überdies immer gravierender», sagt Ursula Brasey. Die Bilder und Filme, welche die Ermittler auf den beschlagnahmten Festplatten finden, seien zunehmend brutaler – und die missbrauchten Kinder immer jünger. Auch Kleinkinder und Säuglinge sind dabei. Solches Material ansehen zu müssen, sei etwas vom Schlimmsten überhaupt. Fast noch erschreckender: Im Kanton St. Gallen gab es einzelne Fälle von Müttern, die ihre Kinder gegen Geld für solche Handlungen zur Verfügung stellten.

Der Anstieg der Internetkriminalität hat zur Folge, dass die St. Galler Kriminalpolizei mehr Spezialisten und eine leistungsstarke Infrastruktur benötigt – was Kosten mit sich bringt, wie Stefan Kühne, Leiter der St. Galler Kriminalpolizei, sagt.

Die Realität und der politische Prozess klaffen hier weit auseinander. «Allein der verwaltungsinterne Budgetprozess ist im Gegensatz zur schnellen Entwicklung neuer Phänomene im Netz schwerfällig», so Kühne.

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