Mehr arbeitslose Jugendliche – auch wenn es gut läuft

Eine Studie der Konjunkturforschungsstelle zeigt: Seit Anfang der 90er-Jahre steigt die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen stetig an – weil sie zu wenig Erfahrung haben.

Unternehmen verlangen Fähgikeiten, die Jugendliche nicht besitzen: Ein RAV-Mitarbeiter führt ein Gespräch mit einem jungen Arbeitslosen. (15. Mai 2009)

Unternehmen verlangen Fähgikeiten, die Jugendliche nicht besitzen: Ein RAV-Mitarbeiter führt ein Gespräch mit einem jungen Arbeitslosen. (15. Mai 2009) Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist in der Schweiz selbst dann gestiegen, wenn die Wirtschaft gut lief. Geht man einige Jahre zurück, zeigt sich ein klar negativer Trend. «Die Arbeitslosenrate für Jugendliche steigt seit Anfang der Neunzigerjahre fast stetig an», sagt Ursula Renold, Arbeitsmarktexpertin bei der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF), gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

2002 zum Beispiel waren 5,6 Prozent der Jugendlichen ohne Arbeit. 2003 schon 8,5 Prozent. Danach lief die Wirtschaft meistens gut. Dennoch sank die Jugendarbeitslosigkeitsrate nicht mehr auf das frühere Niveau zurück. Diesem Phänomen ging die KOF jüngst in einer Studie auf den Grund. Demnach könnte eine «erhöhte Nachfrage nach bestimmten Fähigkeiten und Erfahrungen» die Jugendarbeitslosigkeit nach oben getrieben haben.

Stelleninserate als Indiz

Eines ist nämlich unbestritten: Die Unternehmen verlangen mehr und mehr. Der technische Fortschritt zwingt sie dazu. Der Wettbewerb ist ebenfalls schärfer geworden, weil sich Unternehmen auch über Grenzen hinweg konkurrenzieren. Das alles könnte Jugendliche besonders treffen, da sie keine Berufserfahrung haben. Ältere Arbeitnehmer sind dagegen offenbar nicht gleichermassen tangiert. «Bei den über 50-Jährigen haben wir keinen vergleichbaren Aufwärtstrend festgestellt», sagt Renold.

Eigentlich müsste die Schweizer Berufsbildung gegen diese Entwicklung gefeit sein. Es ist gerade ihre Stärke, dass Lehrlinge Erfahrung sammeln. Doch dem ist nicht so. Die Unternehmen verlangen, was Jugendliche nicht bieten können. Wie der «Stellenmarkt-Monitor Schweiz» festgestellt hat, nimmt der Anteil der Stelleninserate zu, die Berufserfahrung verlangen. Jedoch zähle die Berufserfahrung, die sich Jugendliche in der Lehre aneignen, dafür oftmals nicht, sagt die Monitor-Leiterin Marlis Buchmann, Professorin an der Universität Zürich. «Als ‹Berufserfahrung› werden Berufsjahre in einer passenden Stellung nach Lehrabschluss angesehen.»



(hae)

Erstellt: 27.09.2015, 09:05 Uhr

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