«Insbesondere von der BDP ist keine Hilfe zu erwarten»

Der SVP-Wahlkampfchef Albert Rösti zieht sich aus dem Rennen um den Berner Ständeratssitz zurück. Er spricht von «Zwängerei» und sagt, es gehe ihm nicht um Ehre und Stolz.

Steht nicht mehr als Ständeratskandidat zur Verfügung: Albert Rösti am Wahlsonntag im Berner Rathaus.

Steht nicht mehr als Ständeratskandidat zur Verfügung: Albert Rösti am Wahlsonntag im Berner Rathaus. Bild: Franziska Rothenbühler

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Herr Rösti, Sie geben auf. Warum?
Die SVP durfte am Sonntag einen Grosserfolg feiern. Zum Sitzgewinn hat auch meine Ständeratskandidatur beigetragen. Es ist nun aber ein zu schwieriges Unterfangen, im zweiten Wahlgang doch noch in den Ständerat zu gelangen. Die Hürde ist zu gross, in diesem Majorzwahlverfahren die zwei bisherigen Ständeräte zu schlagen. Das haben wir immer auch gesagt.

Die stärkste Partei im Kanton und Wahlsiegerin will nicht mehr in eine Ehrenrunde?
Hier geht es nicht um Ehre und Stolz. Im Gegenteil. Wir haben keine flächendeckende Unterstützung. Insbesondere von der BDP ist keine Hilfe zu erwarten. Da macht es keinen Sinn, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen.

Das ist für die kantonale SVP allerdings kein gutes Zeugnis.
Im Gegenteil: Es wäre eine Zwängerei. Die Partei hatte ja bei den Nationalratswahlen sehr wohl Erfolg. Gerade auch persönlich kann ich dies mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Die Kandidatur für den Ständerat hatte ja auch zum Ziel, den Nationalratswahlkampf zu befeuern und sicher einen zusätzlichen Sitz zu machen. Das haben wir erreicht. Schon nur dank meiner zusätzlichen Stimmen haben wir bei den Nationalratswahlen 30'000 bis 40'000 Stimmen mehr gemacht.

Dann wollten Sie gar nie in den Ständerat?
Doch. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn ich es geschafft hätte. Am Sonntagnachmittag hatte ich auch kurz das Gefühl, dass es klappen könnte.

Das alleine kann das schlechte Resultat aber nicht erklären. Bei den Proporzwahlen gewinnt die SVP, bei der Majorzwahl, wenn es um Personen geht, hingegen nicht. Hat das Volk trotz Ihrer offenen Persönlichkeit Sie nicht gewählt, weil Sie zu stark als Parteisoldat beurteilt wurden?
Es ist unbestritten, dass ich eine klare Position eingenommen habe in diesem Wahlkampf, zumal ich nationaler Wahlkampfleiter der Partei war. Ich habe aus meiner Haltung nie einen Hehl gemacht. Wir wehren uns gegen den schleichenden EU-Beitritt und verlangen eine konsequente Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Nur um Ständerat zu werden, wollte ich mich nicht verbiegen. Wenn ein solcher Ständerat nicht mehrheitsfähig ist, ist das zwar bedauerlich, gilt es aber anzuerkennen.

Was bedeutet die Niederlage nun für baldigen Ersatzwahlen für die Berner Regierung?
Wir verzichten auf den zweiten Wahlgang auch deshalb, um uns für diese Ersatzwahlen vorzubereiten. Es gilt nun, die Kräfte dafür zu bündeln. Wir wollen eine gesamtbürgerliche Allianz schmieden. Klar ist aber auch: Wir sind die SVP. Auch für die Regierungsratswahlen werden wir uns nicht verbiegen. Zudem ist die Ausgangslage anders: Voraussichtlich müssen wir nur gegen die Linken antreten und nicht zugleich auch gegen andere Bürgerliche. Damit sind die Chancen, dass wir es heuer packen, viel einfacher.

Sind Sie als Regierungsrat wieder dabei?
Nein. Das ist jetzt kein Thema.

Wer sonst?
Lars Guggisberg, Peter Brand, Matthias Müller, Pierre Alain Schnegg oder Jolanda Brunner zum Beispiel. Manfred Bühler wird nicht mitmachen.

Immer noch im Gespräch sind Sie als Bundesratskandidat.
Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Bundesversammlung einen dritten Bundesrat aus dem Kanton Bern in die Landesregierung wählt.

Erstellt: 20.10.2015, 15:52 Uhr

Stöckli und Luginbühl so gut wie gewählt

SVP-Nationalrat Albert Rösti tritt nicht zum 2. Wahlgang für die Berner Ständeratswahlen vom 15. November an. Rösti war am Sonntag als Drittplatzierter hinter den beiden Bisherigen, Werner Luginbühl (BDP) und Hans Stöckli (SP), gelandet.

Mit dem Rückzug Röstis sind die beiden Bisherigen so gut wie gewählt. Bereits am Montagabend hatte sich die fünftplatzierte FDP-Kandidatin Claudine Esseiva offiziell zurückgezogen.

Die viertplatzierte grüne Kandidatin Christine Häsler gab am Dienstag ihren Verzicht auf die Stichwahl bekannt. Grüne und SP setzen ganz auf den SP-Mann Stöckli, wie sie ebenfalls am Dienstag gemeinsam mitteilten.

Bis am Dienstagmittag mussten Kandidierenden aus dem ersten Wahlgang einen allfälligen Rückzug der Kandidatur bekannt geben. Bis am Donnerstagmittag können sich noch neue Kandidaten melden. Zum zweiten Wahlgang kann im Kanton Bern antreten, wer von 10 Stimmberechtigten unterstützt wird.

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