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IOK fordert «kreative Lösung» für Sion 2026

Das Internationale Olympische Komitee akzeptiert eine limitierte Defizitgarantie. Ein allfälliges Defizit mittragen würde es aber nicht.

Philippe Reichen, Christoph Lenz
Wollte die vom Bundesrat beschlossene, maximale Defizitgarantie von 827 Millionen Franken nicht kommentieren: Chris­tophe Dubi, IOK-Direktor für Olympische Spiele. Archivbild: Dominic Favre (Keystone)
Wollte die vom Bundesrat beschlossene, maximale Defizitgarantie von 827 Millionen Franken nicht kommentieren: Chris­tophe Dubi, IOK-Direktor für Olympische Spiele. Archivbild: Dominic Favre (Keystone)

Das Komitee für die Olympiakandidatur Sion 2026 muss sich überlegen, wie es ein etwaiges Defizit decken will. Chris­tophe Dubi, IOK-Direktor für Olympische Spiele, machte gestern an einer Telefonkonferenz klar, dass die Verantwortung für Kostenüberschreitungen oder Einnahmeausfälle bei den Bewerbern liege. Der Lausanner sagte, Kandidaten sollten «kreative Lösungen» finden.

Dubi dachte dabei nicht an Staatsgarantien, sondern regte das Komitee von Sion 2026 an, in der Wirtschaft nach Lösungen zu suchen und gegen ein Defizit allenfalls Versicherungen abzuschliessen. Weiter betonte er, das IOK verlange neu keine «unlimitierten Defizitgarantien» mehr. Die vom Bundesrat letzte Woche beschlossene, maximale Defizitgarantie von 827 Millionen Franken wollte Dubi nicht kommentieren. Er betonte, die Detailarbeit zwischen dem IOK und den Veranstaltern beginne jetzt.

Reicht die Reserve?

Hans Stöckli, SP-Ständerat und Vizepräsident des Komitees Sion 2026, nahm die Verlautbarungen des IOK erfreut zur Kenntnis. In den kommenden Monaten würden Spezialisten des IOK und von Sion 2026 das vorliegende Budget ana­lysieren. Derzeit seien Reserven von 215Millionen eingestellt, immerhin mehr als 10Prozent des Gesamtbudgets. Es werde sich zeigen, ob dieses Polster dem IOK reiche.

«Falls trotz dieser Reserve und entgegen der Erfahrung der letzten Spiele am Ende ein Defizit im Betriebsbudget übrig bleibt, so wird die Organisation Sion 2026 dafür geradestehen», so Stöckli. «Das ist das unternehmerische Risiko bei der Ausrichtung der Winterspiele.» Ein allfälliger Gewinn würde einer Stiftung anvertraut.

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Hintergrund: Die Schweiz und Olympia

Zweimal hat die Schweiz bislang Olympische Spiele organisiert – 1928 und 1948 in St. Moritz. Kein Wunder, war es Liebe auf den ersten Blick: Der Kurort im Engadin war einst das Epizentrum des Wintersports. Der «Olympiastein» erinnert an die Pionierleistung der Eidgenossenschaft.
Zweimal hat die Schweiz bislang Olympische Spiele organisiert – 1928 und 1948 in St. Moritz. Kein Wunder, war es Liebe auf den ersten Blick: Der Kurort im Engadin war einst das Epizentrum des Wintersports. Der «Olympiastein» erinnert an die Pionierleistung der Eidgenossenschaft.
Keystone
Auf derselben Eisfläche tanzten 1924 auch die Eiskunstpaare um die Medaillen. Im Bild sehen wir das österreichische Duett Scholz-Kayser, dessen Kür mit Silber belohnt wurde.
Auf derselben Eisfläche tanzten 1924 auch die Eiskunstpaare um die Medaillen. Im Bild sehen wir das österreichische Duett Scholz-Kayser, dessen Kür mit Silber belohnt wurde.
Wikimedia
Nach dem Weltkrieg traf sich die Jugend der Welt 1948 wieder in St. Moritz, um die Olympische Bewegung wiederzubeleben. Als Demonstrationssport wurde erstmals der olympische Winter-Fünfkampf durchgeführt (und bald wieder gestrichen).
Nach dem Weltkrieg traf sich die Jugend der Welt 1948 wieder in St. Moritz, um die Olympische Bewegung wiederzubeleben. Als Demonstrationssport wurde erstmals der olympische Winter-Fünfkampf durchgeführt (und bald wieder gestrichen).
Keystone
Populärer war natürlich schon 1948 der alpine Skilauf. Im Bild kämpft sich die Britin Rosemary Sparrow auf ihren Holzlatten durch die Slalomtore.
Populärer war natürlich schon 1948 der alpine Skilauf. Im Bild kämpft sich die Britin Rosemary Sparrow auf ihren Holzlatten durch die Slalomtore.
Keystone
Obwohl seit dem Ersten Weltkrieg die Heimatstadt der Olympischen Spiele, bewarb sich Lausanne fünfmal vergebens um die Ausrichtung der Sommerspiele: 1936, 1944, 1948, 1952 und 1960 – zuletzt fehlten gegen Rom elf Stimmen. Trotzdem heisst das Fussballstadion in Lausanne «Stade Olympique».
Obwohl seit dem Ersten Weltkrieg die Heimatstadt der Olympischen Spiele, bewarb sich Lausanne fünfmal vergebens um die Ausrichtung der Sommerspiele: 1936, 1944, 1948, 1952 und 1960 – zuletzt fehlten gegen Rom elf Stimmen. Trotzdem heisst das Fussballstadion in Lausanne «Stade Olympique».
Keystone
Dreimal bewarb sich insgesamt die Walliser Hauptstadt Sitten um die Austragung – 1976, 2002 und 2006. Aussichtsreich war die dritte Kampagne, auch der damalige Sportminister Adolf Ogi betrieb Wahlkampf. Und die Siegeschancen bei der Vergabe 1999 waren gross: Sion galt als klarer Favorit.
Dreimal bewarb sich insgesamt die Walliser Hauptstadt Sitten um die Austragung – 1976, 2002 und 2006. Aussichtsreich war die dritte Kampagne, auch der damalige Sportminister Adolf Ogi betrieb Wahlkampf. Und die Siegeschancen bei der Vergabe 1999 waren gross: Sion galt als klarer Favorit.
Keystone
Als jedoch am 19. Juni 1999 die Olympischen Spiele vergeben wurden, da machte nicht Sitten das Rennen, sondern Turin. Frust, Ärger und Wut entluden sich in der Schweizer Bevölkerung, als der damalige IOK-Präsident Juan Antonio Samaranch den Entscheid bekannt gab. Ausschlaggebend war eine immense Defizitgarantie der italienischen Regierung.
Als jedoch am 19. Juni 1999 die Olympischen Spiele vergeben wurden, da machte nicht Sitten das Rennen, sondern Turin. Frust, Ärger und Wut entluden sich in der Schweizer Bevölkerung, als der damalige IOK-Präsident Juan Antonio Samaranch den Entscheid bekannt gab. Ausschlaggebend war eine immense Defizitgarantie der italienischen Regierung.
Keystone
Nach dem Scheitern der Kampagne «Sion 2006», die landesweit getragen wurde und grosse Unterstützung und Sympathien gefunden hatte, fiel das Land in jenen fast posttraumatischen Zustand, der bis heute anhält. Olympia wurde in der Schweiz zum Unwort.
Nach dem Scheitern der Kampagne «Sion 2006», die landesweit getragen wurde und grosse Unterstützung und Sympathien gefunden hatte, fiel das Land in jenen fast posttraumatischen Zustand, der bis heute anhält. Olympia wurde in der Schweiz zum Unwort.
Keystone
Zaghaft der Versuch Berns, sich auf die olympische Landkarte zu hieven und sich für die Winterspiele 2010 in Position zu bringen. Doch die Kandidatur fiel beim IOK durch – und auch bei der Bevölkerung. 78 Prozent der Stimmberechtigten sagten bei einer Abstimmung Nein zu einem Olympiakredit.
Zaghaft der Versuch Berns, sich auf die olympische Landkarte zu hieven und sich für die Winterspiele 2010 in Position zu bringen. Doch die Kandidatur fiel beim IOK durch – und auch bei der Bevölkerung. 78 Prozent der Stimmberechtigten sagten bei einer Abstimmung Nein zu einem Olympiakredit.
Keystone
Es dauerte bis 2013, ehe Olympiapläne wieder konkret wurden: In Graubünden stimmte die Bevölkerung darüber ab, ob sich der Kanton mit den Austragungsorten Davos und St. Moritz für Olympia 2022 bewerben soll. 52,7 Prozent sagten nach einem hitzigen Abstimmungskampf Nein.
Es dauerte bis 2013, ehe Olympiapläne wieder konkret wurden: In Graubünden stimmte die Bevölkerung darüber ab, ob sich der Kanton mit den Austragungsorten Davos und St. Moritz für Olympia 2022 bewerben soll. 52,7 Prozent sagten nach einem hitzigen Abstimmungskampf Nein.
Keystone
Eine Niederlage war das Aus der Bündner Olympiapläne für Gian Gilli, den Direktor der Bewerbung. Als das Ergebnis feststand, sagte er geknickt: «Vielleicht wären wir in 20 Jahren bereit für ein Ja. Aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran.»
Eine Niederlage war das Aus der Bündner Olympiapläne für Gian Gilli, den Direktor der Bewerbung. Als das Ergebnis feststand, sagte er geknickt: «Vielleicht wären wir in 20 Jahren bereit für ein Ja. Aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran.»
Keystone
Einen weiteren Anlauf nahmen die Bündner Skigebiete für 2026, im Februar 2017 fand deshalb die nächste kantonale Abstimmung statt. Und erneut schickte das Stimmvolk das Begehren bachab, diesmal noch klarer. Über 60 Prozent sagten Nein.
Einen weiteren Anlauf nahmen die Bündner Skigebiete für 2026, im Februar 2017 fand deshalb die nächste kantonale Abstimmung statt. Und erneut schickte das Stimmvolk das Begehren bachab, diesmal noch klarer. Über 60 Prozent sagten Nein.
Keystone
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Das IOK mit Sitz in Lausanne hat sich zum Ziel gesetzt, mit den Kandidaten effizienter zusammenzuarbeiten. Geplant ist, mit den Kandidaten vor Ort Workshops durchzuführen, bei denen Organisatoren ehemaliger Spiele ihre Erfahrungen weitergeben. Dies erlaube Kandidaten, sich aus erster Hand zu informieren und nicht für jedes Problem selbst eine Lösung entwickeln zu müssen, so IOK-Direktor Dubi.

Sicherheitsmassnahmen wie für das WEF

Auf die Frage, ob die für Sion 2026 budgetierten Sicherheitskosten von 303Millionen Franken genügen, ging Dubi nicht ein. Das IOK arbeite bei der Sicherheit mit den Veranstaltern zusammen, die Höhe der Kosten müssten Behörden an den Austragungsorten beziffern. Dubi nannte für die Kandidatur Sion 2026 das Davoser World Economic Forum als Referenzgrösse für Sicherheitsmassnahmen.

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