IS plante Terror-Anschlag in Basel

Sichergestellte Daten von syrischen Kämpfern zeigen Öltanks am Rheinhafen als Ziel. Die Terrormiliz wollte dort im Januar eine «Katastrophe» anrichten.

Hier am Dreiländereck war der Anschlag geplant: Auf Karten von Google Maps sind die Öltanks bis heute sichtbar. Bild: Google Maps

Hier am Dreiländereck war der Anschlag geplant: Auf Karten von Google Maps sind die Öltanks bis heute sichtbar. Bild: Google Maps

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Die Luftaufnahme zeigt riesige Stahltanks, über 25 sind es, Öl lagert darin. Dieses Industrieareal könnte überall liegen. Aber die angefügten Koordinaten verraten, dass es sich um ein Lager am Basler Rheinhafen handelt, direkt an der Grenze zu Frankreich und Deutschland. Unmittelbar daneben beginnt ein Wohnquartier. Hier wollte der «Islamische Staat» einen Anschlag verüben.

Gefunden wurde die Luftaufnahme auf einer Festplatte von Kämpfern der Terrormiliz. Diese unterlagen im Februar den lokalen syrischen Streitkräften bei einer Schlacht im Osten des Landes. Nach der Niederlage liessen sie den Datenträger zurück. Nun konnte die britische «Sunday Times» die Informationen darauf auswerten. Sie zeigen, dass sich der vermeintlich besiegte IS längst nicht geschlagen gibt.

Anschläge von Paris als Inspiration

Die Dokumente halten fest, wie der IS auch in Zukunft Anschläge im mittleren Osten und in Europa verüben will. So sind Briefe hochrangiger Mitglieder an den Anführer Abu Bakr al-Baghdadi abgelegt. Sie beschreiben den Aufbau eines «Büros für auswärtige Beziehungen». Dieses soll «Krokodil-Zellen» installieren. Sie bestehen aus Schläfern, die sich bedeckt halten, bis sie zuschlagen.

Hauptziel der entsandten Freiheitskämpfer: Geld für das zugrunde gehende Kalifat aufzutreiben, indem sie Banken überfallen oder hacken. Aber die Gotteskrieger sollen auch Ungläubige töten. Als «Inspiration» ist etwa das Bataclan-Attentat von Paris im November 2015 vermerkt. Oder auch die tödliche Attacke mit einem Pick-Up durch einen IS-Sympathisanten in New York 2017.

Diese Silos stehen am Rheinbecken, nur unweit vom Ort, wo der IS zuschlagen wollte. Foto: Kostas Maros

Besonders konkret sind die Schilderungen eines IS-Kommandeurs, der sich Abu Taher al-Tajiki nennt. Er gibt in seinen Briefen an, dass er willige Kämpfer bereit stehen hat, die Operationen «in weiter Entfernung vom Islamischen Staat» ausführen wollen. Einer der Briefe enthält das Satellitenfoto des Basler Rheinhafens mit den Öl-Tanks. Der Anschlag soll laut al-Tajiki eine «ökonomische Katastrophe» auslösen. Er war ursprünglich auf letzten Januar geplant – wurde aber nie in die Tat umgesetzt.

Weshalb? Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) äussert sich nur äusserst zurückhaltend zu den in Syrien sichergestellten Plänen. «Uns liegen gegenwärtig keine zusätzlichen Informationen zu den möglichen Anschlägen und dem weiteren Inhalt dieser Dokumente vor», sagt Sprecherin Isabelle Graber.

Gegenwärtig habe man «keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen gegen Ziele in der Region Basel». Graber lässt offen, ob dies in der Vergangenheit anders war. Auch die Schweizerischen Rheinhäfen beantworten keine Fragen.

Möglich ist, dass die Behörden keinerlei Kenntnis von den Plänen hatten, bis die «Sunday Times» darüber berichtete. Und dass nur der Zufall eine Katastrophe verhinderte. Denn die entsprechenden Tanks am Dreiländereck sind zwar auf dem Kartenausschnitt aus den IS-Dokumenten noch zu sehen. Tatsächlich existieren sie aber nicht mehr. Letztes Jahr – also vor dem angegebenen Anschlagstermin – wurden die riesigen Zylinder auf dem Gelände zurückgebaut, 3,2 Millionen Franken kosteten die Arbeiten. Zurückgebliegen ist eine Baubrache. Allerdings befinden sich nicht unweit etliche ähnliche Tanks zur Zwischenlagerung von Öl.

Zug «mit Allahs Hilfe» angreifen

Wie weit fortgeschritten die Pläne für das Attentat in der Schweiz bereits waren, geht nicht aus den Daten der Kämpfer hervor. Dass sie wohl ernst zu nehmen sind, verdeutlicht eine andere Schilderung von Kommandeur al-Tajiki. Laut den «Sunday Times» nennt er in einem Schreiben auch einen Hochgeschwindigkeits-Zug in Deutschland als mögliches Ziel. Dieser soll «mit Allahs Hilfe» durch einen Sprengsatz angegriffen werden.

Nur wenige Tage, nachdem er der Brief verschickt war, tauchte neben Zuggleisen bei Berlin eine IS-Flagge auf. Die Behörden fanden zwar keinen Sprengstoff, aber ein gerissenes Halteseil und ein beschädigtes Versorgungskabel. Mittlerweile konnte die Polizei einen 42-jährigen Iraker festnehmen. Er soll bereits im Oktober im bayerischen Allersberg ein Drahtseil über Gleise gespannt haben, um einen ICE entgleisen zu lassen. Verletzt wurde dabei niemand. Laut der deutschen «Bild» gehen die Behörden davon aus, dass der Mann gezielt vom IS entsandt wurde, um Anschläge zu verüben.

Rückkehrer genau überprüfen

Eine solche Gefahr sei derzeit in der Schweiz nicht akut, heisst es beim NDB. «Nach unserer Beurteilung sind die operativen Fähigkeiten des ‹Islamischen Staates› stark geschwächt», sagt Sprecherin Graber. «Deswegen erachtet der NDB gegenwärtig Anschläge in Europa als unwahrscheinlich.» Vor einem Monat fiel mit Baghus die letzte grosse Ortschaft, wo die Terrormiliz geherrscht hatte. «Damit ist das territoriale Kalifat in Syrien und im Irak Geschichte.»

Es bleibt die Gefahr von Schläfern, so wie sie in den Plänen beschrieben sind. Auch bei Rückkehrern. «Dem NDB vorliegende Meldungen zeigen die Absicht einiger weniger dschihadistisch motivierter Reisender, in die Schweiz zurückzukehren», sagt Graber. «Dabei ist es die Aufgabe des NDB, Informationen zu diesen Personen und ihren Netzwerken zu beschaffen, um die von ihnen ausgehende Bedrohung zu beurteilen.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 19.04.2019, 18:03 Uhr

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