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James Bond im Auftrag Seiner Heiligkeit

Der Schweizer Finanzexperte René Brülhart soll im Vatikan die Geldwäscherei bekämpfen. Eine heikle Aufgabe.

Soll im Vatikan für finanzielle Transparenz sorgen: Finanzexperte René Brülhart.
Soll im Vatikan für finanzielle Transparenz sorgen: Finanzexperte René Brülhart.
PD

Im Kampf gegen Geldwäscherei und die Finanzierung von Terrorismus hat der Vatikan den Schweizer Finanzexperten und Anwalt René Brülhart engagiert. Das teilte Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag mit. Bereits Anfang des Monats hat der Finanzberater sein de facto vollamtliches Mandat im Dienst Seiner Heiligkeit aufgenommen. Er soll im Vatikan das System zur Bekämpfung finanzieller Straftaten optimieren und Schwachstellen im Finanzsystem sanieren.

Der renommierte Anti-Geldwäsche-Spezialist aus Freiburg, lange Zeit gefördert vom jetzigen Bundesanwalt Michael Lauber, hat eine grosse Erfahrung bei der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorfinanzierung vorzuweisen. Der smarte 40-Jährige, der in der Nähe des Zürcher Paradeplatzes wohnen bleibt, wird bisweilen als «James Bond der Finanzbranche» bezeichnet. Acht Jahre lang leitete er die Financial Intelligence Unit (FIU), die Liechtensteiner Meldestelle zur Bekämpfung von Geldwäscherei. Beherzt setzte er sich für eine neue Finanzkultur im Ländle ein, das sein Image als Offshore-Paradies loswerden wollte.

Der Saubermann kommt zur richtigen Zeit

Seit 2010 Vizevorsitzender der Egmont Group, des internationalen Zusammenschlusses der nationalen FIUs, fahndet Brülhart weltweit nach Geldern der organisierten Kriminalität. Ob Korruption, Geldwäscherei oder mafiose Praktiken: Brülhart kennt sich aus in der kriminellen Schattenwelt. Das Magazin «Focus» bezeichnet ihn als einen der mächtigsten Finanzagenten der Welt. Er deckte unter anderem den Siemens-Korruptionsskandal mit auf, beschlagnahmte Gelder des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein und sperrte Vermögenswerte aus Mubaraks Ägypten.

Angesichts des angeschlagenen Images des vatikanischen Finanzsystems kommt Saubermann Brülhart zur richtigen Zeit. Das diese Woche auf Deutsch erschienene Enthüllungsbuch «Seine Heiligkeit» von Gianluigi Nuzzi nährt abermals das Misstrauen gegenüber dem vatikanischen Finanzgebaren und beflügelt Spekulationen über unsaubere Machenschaften im Kirchenstaat. Bis heute unbeantwortet ist die Frage, warum Vatikanbank-Präsident Gotti Tedeschi im Mai seinen Posten räumen musste.

Ein weiterer Schritt zu mehr Transparenz

Die Ernennung Brülharts ist ein weiterer Schritt im Bemühen Papst Benedikts, mehr Transparenz in sein Finanzsystem zu bringen und effizientere Methoden zur Bekämpfung der Geldwäscherei einzusetzen. So hat er zum Beispiel eine Finanzaufsichtsbehörde eingerichtet, um gegen Geldwäscherei vorzugehen. Im Juli nun erhielt der Vatikan von Moneyval, dem Expertenkomitee des Europarats, ein einigermassen positives Zeugnis über die Transparenz seiner Geldgeschäfte ausgestellt. Der Vatikan erfülle die internationalen Standards von Moneyval in 9 von 16 Kernpunkten weitgehend oder vollständig, jedoch bei 7 Kriterien nur unzureichend.

Brülhart soll nun die verbleibenden Defizite wettmachen und dem Vatikan helfen, in die sogenannte Weisse Liste der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aufgenommen zu werden. Stützt man sich auf die von Nuzzi veröffentlichten Geheimdokumente aus dem Kirchenstaat, muss sich der Schweizer Finanzexperte dabei gegen massive vatikaninterne Widerstände behaupten.

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