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«Jede Destination muss nach neuen Geschäftsfeldern suchen»

Laut Christian Laesser, Professor für Tourismus und Dienstleistungs­management an der Universität St. Gallen, müssen sich Schweizer Wintersportorte von fixen Ideen lösen.

Was können die Skigebiete konkret unternehmen, um ihr Überleben zu sichern?

Jede Tourismusdestination, ob gross oder klein, muss nach neuen Geschäftsfeldern suchen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass eine Bergbahn versucht, internationale Tourengäste anzusprechen. Diesen Sprung haben zum Beispiel die Jungfrau- und die Titlisregion geschafft. Dagegen werden «reine» Wintersportgebiete das Ausbleiben von Gästen aus der Schweiz nicht wettmachen können durch den internationalen Markt.

Viele Regionen haben in den schneearmen Tagen versucht, mit Alternativprogrammen den Sommer zu verlängern. Was halten Sie davon?

Als Sofortmassnahme ist das sicher tauglich. Doch längerfristig ist das keine sehr strategische Massnahme. Was es braucht, ist eine gezielte, an spezifischen Kundenbedürfnissen orientierte Diversifizierung.

Wie könnte eine solche Diversifizierung konkret aussehen?

Für den Heimmarkt würde ich Skigebieten raten, kurzzeitig buchbare, spezielle Erlebnisse beinhaltende Angebote zu lancieren. Ein Beispiel: «Learn to board in 3 days» für die zahlreichen Expats in der Schweiz. Für internationale Gäste dagegen ist ein Aufenthalt in den Bergen als Ferien innerhalb ihrer Ferien anzudenken, also als Pause während der Hetzjagd durch Europa. Grundsätzlich sind wir in der Schweiz immer noch viel zu angebotsfixiert. Wir müssen endlich beginnen, konsequent vom Kunden und seinen Bedürfnissen aus zu denken.

Wie sieht die Topografie der Schweizer Skigebiete in zehn Jahren aus? Werden kleinere Gebiete, die weder einen Gletscher noch ein Matterhorn bieten können, längerfristig überleben?

Diese Frage ist extrem schwierig zu beantworten. Sicher ist: Das Überleben hängt nicht von der Grösse eines Skigebiets ab. In der Schweiz wird es auch in zehn Jahren grosse und kleine Skigebiete geben, denn sie können, wenn sie denn wollen, unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen. Jede Tourismusdestination muss darüber nachdenken, welche Art von Gästen sie anziehen will. Dazu gehört auch, sich von der fixen Vorstellung zu lösen, ein grösseres Skigebiet mit mehr Pisten sei zwingend attraktiver. Auch hier gilt wieder: Es braucht massgeschneiderte Angebote für eine oder mehrere genau bestimmte Kundengruppen. Die Frage ist: Für welche Kunden generiere ich womit welchen Nutzen und damit Zahlungsbereitschaft? Eine Tourismusdestination, die sich diese Frage nicht stellt, wird kaum überlebensfähig sein.

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