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Jeder zweite SVPler stimmte für «linke» Zweitwohnungsinitiative

Knapp zwei Monate nach der letzten eidgenössischen Abstimmung liegt die detaillierte Analyse vor. Der Befund: 48 Prozent der SVP-Anhänger stimmten für die Begrenzung des Zweitwohnungsbaus.

Eher überraschend hatte sich am 11. März eine knappe Mehrheit der Stimmenden für die Zweitwohnungsinitiative des Umweltschützers Franz Weber ausgesprochen. Die von gfs.bern in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich durchgeführte Vox-Analyse (online ist lediglich ein Abstract verfügbar) zeigt nun, dass das «linke» Volksbegehren auch bei den SVP-Sympathisanten Anklang fand.

Gemäss der heute veröffentlichten Analyse stimmten 48 Prozent der SVP-Anhänger für die Begrenzung des Zweitwohnungsbaus. Auf der anderen Seite folgten drei Viertel der SP-Sympathisanten der Ja-Parole ihrer Partei.

Über die Gräben hinweg

Die Zustimmungsrate unter den Anhängern von FDP (33 Prozent Ja) und CVP (28 Prozent Ja) lagen zwar deutlich tiefer. Die Vorlage fand aber über die ideologischen Gräben hinweg Zustimmung und war nicht durch einen starken Links-Rechts-Gegensatz geprägt, wie aus der Analyse hervorgeht.

Wenig überraschend: Der Stimmentscheid hing auch von der Wohnregion ab. Politologe Michael Hermann sprach nach der Abstimmung von «einem Graben zwischen den Betroffenen und den Nichtbetroffenen, vielleicht einem Tourismus- oder Ferienhausgraben».

Die Vox-Analyse bestätigt diesen Befund: In alpinen Tourismusregionen sei das Begehren stärker abgelehnt worden als in den Gebieten des Mittellandes Selbst in den Alpenkantonen habe die Initiative aber eine «beträchtliche Unterstützung» erfahren.

SVP-Anhänger blieben zuhause

Ins Auge sticht besonders die in den Worten der Vox-Autoren «sensationell anmutende Zustimmung» für die Argumente des Pro-Lagers. Selbst unter den Gegnern der Initiative waren etwa 73 Prozent der Meinung, Zweitwohnungsregionen glichen in der Zwischensaison Geisterstädten. Die Weber-Initiative habe ein «in breiten Bevölkerungskreisen anerkanntes Problem aufgegriffen».

Mit 45,1 Prozent lag die Wahlbeteiligung am 11. März zwar knapp über dem langjährigen Durchschnitt. Die Mobilisierung der SVP-Wählerschaft fiel mit 41 Prozent aber unterdurchschnittlich aus. Dies lasse sich wohl damit erklären, dass keine der Initiativen aus den Reihen der SVP stammte, schreiben die Autoren.

Ferien-Initiative: Abfuhr der Bürgerlichen

Anders als die Zweitwohnungsinitiative wurden sowohl die Bausparinitiative als auch die Ferieninitiative vom Stimmvolk abgelehnt. Bei der Bausparvorlage könnte das Abstimmungsverhalten gemäss der Vox-Analyse vor allem durch persönliche Nutzenabwägungen beeinflusst worden sein. Mit einem höheren Haushaltseinkommen ging auch eine höhere Zustimmungsrate einher.

Das Nein-Argument, das deutlich am häufigsten genannt wurde, war die Bevorteilung bestimmter Bevölkerungsgruppen, namentlich der Reichen. 57 Prozent der Nein-Stimmenden bezeichneten dies als wichtigsten Grund für ihre ablehnende Haltung.

Die deutlich abgelehnte Initiative «6 Wochen Ferien für alle» spaltete das Stimmvolk hingegen in die ideologischen Lager. Unter den Anhängern von CVP, FDP und SVP wurde die Vorlage jeweils von mehr als 80 Prozent der Stimmenden abgelehnt.

Geldspiele: Breite Zustimmung

Ein ideologischer Graben öffnete sich auch beim Referendum über die Buchpreisbindung. Sympathisanten von SP und Grünen legten in 61 beziehungsweise 80 Prozent der Fälle ein Ja in die Urne. Die Anhänger der bürgerlichen Parteien lehnten die Vorlage jeweils mit Nein-Anteilen zwischen 64 und 71 Prozent ab.

Wenig Konfliktpotenzial entwickelte die fünfte Vorlage vom 11. März über die Regelung der Geldspiele. Über das ganze politische Spektrum hinweg wurde der Bundesbeschluss von über 70 Prozent der Wähler angenommen.

Für die Analyse befragte das Forschungsinstitut gfs.bern in den 14 Tagen nach dem Urnengang insgesamt 1570 stimmberechtigte Personen. Im Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich wurden die Daten anschliessend ausgewertet. Der Stichprobenfehler beträgt /- 2,5 Prozent.

SDA/bru

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