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Jedes fünfte misshandelte Kind ist jünger als 1 Jahr

Die schweizerischen Kinderkliniken vermelden zudem eine starke Zunahme psychischer Misshandlungen.

sep
Auch die Täter werden immer jünger: Zerrissene Familienbilder liegen auf einem Fotoalbum. (Archivbild)
Auch die Täter werden immer jünger: Zerrissene Familienbilder liegen auf einem Fotoalbum. (Archivbild)
Christof Schuerpf, Keystone

Im vergangenen Jahr sind in Schweizer Spitälern 1388 Kinder wegen vermuteter oder sicherer Misshandlungen behandelt worden, wie die heute veröffentlichte nationale Kinderschutzstatistik 2015 der schweizerischen Kinderkliniken zeigt. Die Zahl blieb damit auf hohem Niveau stabil.

Es sei neu, dass die psychische Misshandlung mit über dreissig Prozent die häufigste an Kinderkliniken erfasste Missbrauchsform geworden sei, heisst es bei der Fachgruppe Kinderschutz der Gesellschaft für Pädiatrie. «Dies ist mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den sehr vielen Fällen von häuslicher Gewalt zu sehen, wo Kinder mindestens indirekt mitbetroffen sind», schreibt die Fachgruppe Kinderschutz in einer Mitteilung.

Täter meist aus familiärem Umfeld

Weiterhin fänden psychische und körperliche Misshandlung und Vernachlässigung im Grossteil der Fälle im Familienrahmen statt. Auch fast jeder zweite sexuelle Missbrauch werde von einem Familienmitglied begangen.

Fast ein Viertel aller misshandelten Kinder war gemäss der Statistik jünger als zwei Jahre alt, 45 Prozent der misshandelten Kinder sind jünger als sechs Jahre. Mit 43 Prozent Knaben und 57 Prozent Mädchen ist die Geschlechterverteilung sehr ähnlich wie in den vorangegangenen Jahren.

Meldungen an Kesb bleiben konstant

Im Jahr 2015 sei ein Kind an einer schweizerischen Kinderklinik aufgrund körperlicher Misshandlung verstorben, schreibt die Fachgruppe Kinderschutz. Das Kind sei jünger als ein Jahr gewesen. Bei 250 weiteren Kindern unter einem Jahr sei die Diagnose Kindesmisshandlung gestellt worden, «womit der Anteil der sehr kleinen Kinder wiederum erschreckend hoch ist». Das sind 18 Prozent aller betroffenen Kinder.

In jedem vierten Fall hat die Kinderschutzgruppe selber eine Gefährdungsmeldung an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gemacht, genau so häufig war diese Behörde auch vorher schon eingeschaltet. Dies passe zu der Tatsache, dass die Kindesmisshandlung - abgesehen vom sexuellen Missbrauch - häufig in sozial benachteiligten Familien vorkomme.

Die nationale Kinderschutzstatistik erscheint im siebten Jahr in Folge. 2015 konnten die Daten von 20 von insgesamt 26 Kinderkliniken der Schweiz bearbeitet werden, was einem Rücklauf von 77 Prozent aller Kliniken entspricht. Wiederum haben alle grossen und mittelgrossen Kinderkliniken ihre Fälle gemeldet.

(SDA)

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