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Jetzt geraten die Ärzte-Boni ins Visier

Ärzte, die häufiger zum Skalpell greifen, sollen nicht mehr belohnt werden. So will es der Bundesrat. Auch eine Offenlegung der Löhne von Chefärzten wird diskutiert.

Jacqueline Büchi
Spitalärzte sollen keine mengenbezogenen Boni oder Entschädigungen mehr erhalten. Foto: Keystone
Spitalärzte sollen keine mengenbezogenen Boni oder Entschädigungen mehr erhalten. Foto: Keystone

Wer mehr operiert, verdient mehr? Damit soll an den Schweizer Spitälern Schluss sein. Der Bundesrat hat gestern seine Pläne für eine Änderung der Krankenkassenverordnung vorgestellt. Konkret will Gesundheitsminister Alain Berset (SP), dass Spitalärzte keine mengenbezogenen Boni oder Entschädigungen mehr erhalten.

Heute sind Lohnsysteme, die an Fallzahlen oder Umsatzziele geknüpft sind, an Schweizer Spitälern verbreitet. Gemäss einer Umfrage im Auftrag des Ärzteverbands FMH erhielten vergangenes Jahr 16 Prozent der Chefärztinnen und -ärzte zielbezogene Boni, wobei der Anteil seit einigen Jahren rückläufig ist.

Mehr Eingriffe als nötig

Solche Boni stellen laut Beobachtern einen Anreiz dar, mehr Operationen durchzuführen als unbedingt nötig. Davor warnte etwa eine internationale Expertengruppe, die im Auftrag des Bundes Massnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen erarbeitete. Auch der Ärzteverband FMH rät bereits seit Jahren von zielbezogenen Boni ab.

Für die Spitalplanung sind in der Schweiz die Kantone zuständig. Geht es nach Berset, sollen sie nun Gegensteuer geben – und nur noch jenen Spitälern Leistungsaufträge erteilen, die auf solche Lohnmodelle verzichten. Die neuen Regeln sollen bereits im kommenden Jahr in Kraft treten.

Lohntransparenz gefordert

Gleichzeitig gibt es im Parlament Bestrebungen, die Ärztelöhne generell transparenter zu machen. Die gesundheitspolitische Kommission des Ständerats stimmte am Mittwoch einer Motion von Alt-Nationalrätin Bea Heim (SP) zu, die verlangt, dass Listen- und Vertragsspitäler die Löhne ihrer Kaderärzte offenlegen müssen. Der Nationalrat hatte den Vorstoss bereits im vergangenen Frühjahr gutgeheissen.

Gegen eine solche Lohntransparenz in Spitälern hatte sich einzig die SVP gestellt. Ihr Fraktionspräsident Thomas Aeschi sah darin «einen ersten Schritt, um genau das Gleiche zukünftig in anderen Branchen auch zu verlangen». Aus privatwirtschaftlicher Sicht gelte es eine solche Entwicklung zu verhindern.

«In den letzten Jahren hat ein regelrechtes Ärzte-Bashing eingesetzt.»

Bea Heim, Alt-Nationalrätin (SP, SO)

Heim widerspricht, das Gesundheitswesen sei eben keine Branche wie jede andere: Die Kantone bräuchten die Lohntransparenz, um ihre Aufsichtspflicht wahrnehmen zu können. «Beziehen Ärzte überrissene Honorare oder operieren aufgrund mengenbezogener Boni mehr als nötig, entstehen der öffentlichen Hand und den Prämienzahlern Mehrkosten, die nicht hinnehmbar sind.»

Zudem schade die Intransparenz dem Image des ganzen Berufsstandes. «In den letzten Jahren hat ein regelrechtes Ärzte-Bashing eingesetzt – Schlagzeilen über angebliche Millionensaläre verkaufen sich natürlich prächtig.» Ohne entsprechendes Zahlenmaterial könne jedoch niemand überprüfen, ob sie tatsächlich zutreffen.

Umstrittene Millionensaläre

Tatsächlich hatten entsprechende Berichte in der Vergangenheit immer wieder für Wirbel gesorgt. So veröffentlichte Vergütungsexperte Urs Klingler vor zwei Jahren in der SRF-«Rundschau» Hochrechnungen, wonach Schweizer Chefärzte –Boni eingerechnet – bis zu 2,5 Millionen Franken im Jahr verdienen.

Eine Studie des Bundesamts für Gesundheit kam 2018 ebenfalls zum Schluss, dass «die Einkommen der Ärztinnen und Ärzte bedeutend höher sind als bisher angenommen». Das mittlere Einkommen von Neurochirurgen lag demnach bei 697’000 Franken, jenes von Gastroenterologen bei 672’000 Franken. Gut 21’000 Löhne von selbstständigen Ärzten flossen in die Untersuchung ein, 118 davon betrugen über eine Million Franken.

Vorschriften zu Mindestfallzahlen

Neben den Entschädigungen nimmt Bersets Krankenkassenverordnung auch andere Punkte ins Visier. So sollen die Spitaltarife für den stationären Bereich künftig schweizweit gleich ermittelt werden. Die Kantone sind angehalten, den Spitälern Mindestfallzahlen für bestimmte Behandlungen vorzuschreiben und sicherzustellen, dass zu jeder Zeit genügend Fachärzte anwesend sind.

Die Absicht dahinter: Wenn ein Spital eine bestimmte Operation nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Regelmässigkeit durchführt, steigert dies nicht nur die Effizienz, sondern wirkt sich auch positiv auf die Qualität der Behandlung aus.

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