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Jetzt holt Sommaruga Syrien-Flüchtlinge in die Schweiz

Die Schweiz wird auf den Hilferuf der UNO reagieren und bis zu 500 syrische Kriegsopfer aufnehmen. Das wäre das grösste Kontingent seit Jahren. Gleichzeitig stellt sich der Bundesrat gegen eine Militäraktion.

Syrische Flüchtlingskinder sitzen auf einem Bett im Flüchtlingslager Quru Gusik 20 Kilometer östlich von Arbil im Norden des Irak. (22. August 2013)
Syrische Flüchtlingskinder sitzen auf einem Bett im Flüchtlingslager Quru Gusik 20 Kilometer östlich von Arbil im Norden des Irak. (22. August 2013)
SAFIN HAMED, AFP
Drei von mehr als zwei Millionen: Syrische Flüchtlinge am Grenzübergang ins türkische Cilevegozu. (2. September 2013)
Drei von mehr als zwei Millionen: Syrische Flüchtlinge am Grenzübergang ins türkische Cilevegozu. (2. September 2013)
AP Photo/Gregorio Borgia
3000 Flüchtlinge pro Tag treffen im neuen Camp ausserhalb von Arbil, Irak, ein. (22. August 2013)
3000 Flüchtlinge pro Tag treffen im neuen Camp ausserhalb von Arbil, Irak, ein. (22. August 2013)
Thaier al-Sudani, Reuters
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Bundesrätin Simonetta Sommaruga reagiert auf den drohenden Krieg: Sie holt rasch mehrere Dutzend besonders verletzliche Flüchtlinge wie Kinder, schwangere Frauen oder ältere Menschen ins Land. Damit folge die Schweiz zusammen mit bislang acht weiteren europäischen Staaten einem Hilferuf des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), wie die «SonntagsZeitung» heute schreibt.

Denn die Flüchtlingslager sind überfüllt: Derzeit sind schon über 1,9 Millionen syrische Flüchtlinge in die Nachbarländer geflohen – davon sind laut UNHCR drei Viertel Frauen und Kinder. Ein Luftangriff auf Syrien wird den Exodus aus dem arabischen Land weiter verstärken.

Grösstes Kontingent seit Jahren

Laut einer Quelle dürfte es um 300 bis 500 Kriegsopfer gehen, weiss die «NZZ am Sonntag». Dies wäre für die Schweiz das grösste Kontingent seit Jahren. Mehrere Politiker haben angesichts der Krise in Syrien diese Woche die Aufnahme von Flüchtlingen gefordert. Auch die Kantone stehen hinter Sommaruga. «Ich habe Verständnis», sagt etwa Hans-Jürg Käser, Präsident der kantonalen Justizdirektoren. Käser lässt bereits nach geeigneten Unterkünften suchen.

Gleichzeitig präsentiert Sommaruga am Mittwoch im Bundesrat ein Konzept für die jährliche Aufnahme von mehreren Hundert Kriegsflüchtlingen, wie die «SonntagsZeitung» weiter schreibt.

Auf Zypern ist die Schweizer Botschaft bereit für grössere Evakuierungen von Schweizern aus Syrien und dem Libanon. «Wir haben gestern die Botschaft in Zypern mit Personal verstärkt, um Schweizer empfangen zu können», sagt Manuel Bessler, Delegierter des Bundesrates für Humanitäre Hilfe. Auch die Schweizer Präsenz in Beirut wurde personell und mit Material verstärkt.

Schweiz ist gegen eine Militäraktion

Ueli Maurer ist gegen einen Militärschlag in Syrien. «Die Schweiz kann in der jetzigen Situation eine Militäraktion mit Sicherheit nicht begrüssen», sagt er in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Noch immer müsse versucht werden, einen politischen Weg ohne Blutvergiessen zu finden.

Zu den Gasangriffen in Syrien meint der Verteidigungsminister: «Sie verstossen gegen jede Konvention, wenn sie wirklich so erfolgt sind. Sie sind in jedem Fall zu verurteilen. Man muss darauf achten, dass so etwas nicht passiert.» Laut Maurer fänden im Moment unter allen möglichen Beteiligten informelle Gespräche und ein Austausch statt.

Die Schweiz führe Gespräche und biete Dinge an, sowohl auf diplomatischer Ebene als auch über unsere Aussenvertretungen, so der Bundespräsident. Die Lage in Syrien beschreibt er als einen «Hexenkessel, in dem man noch etwas zu retten versucht».

Nestlé gibt Syrien als Produktionsstandort auf

Der Schweizer Nahrungsmittelmulti Nestlé hat Syrien als Produktionsort abgeschrieben, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt. Ende Februar wurde die Nestlé-Fabrik in Khan al-Sheikh bei einem Grossband vollständig zerstört, nachdem das Gebäude von einer Granate getroffen worden war. Rebellen machten kurz danach die syrische Luftwaffe für die Zerstörung verantwortlich, während Staatsmedien von einem Sabotageakt der Opposition sprachen.

Nestlé will sich nicht zur Herkunft der Granate äussern. Aber: «Die Fabrik wurde derart schwer beschädigt, dass es nicht möglich war und ist, die Produktion unter den herrschenden Umständen wieder aufzunehmen», sagt Sprecherin Meike Schmidt. Nestlé setzt nun nur noch auf den Import.

Die Fabrik nahe Damaskus wurde vor 15 Jahren in Betrieb genommen. Darin stellten die Mitarbeiter Nido-Milchpulver, Maggi-Bouillons, Milo-Schokoladenmalzgetränke und Cerelac-Kleinkindzerealien her, und importierten löslichen Kaffee und Säuglingsnahrung. Beim Anschlag befanden sich keine Personen im Gebäude, niemand wurde getötet. Die Fabrik galt als eine der modernsten im Nahen Osten.

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