Jetzt nicht in Aktivismus verfallen!

Kleinkinder besser zu fördern, ergibt Sinn. Doch dafür braucht es zuerst eine Strategie.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist ein hehres Ziel: Alle Kinder sollen mit gleichen Chancen ins Leben starten. Bereits von Geburt an sollen sie ausreichend Gelegenheiten haben, spielerisch zu lernen – und nicht erst im Kindergarten.

Um dieses Ziel zu erreichen, will eine breite Allianz aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Frühförderung in der Schweiz stark ausbauen und allen Familien kostengünstig zugänglich machen. Gemeint sind weder Frühchinesisch noch vorschulisches Programmieren, sondern Angebote wie Spielgruppen, Kitas oder Familienbesuche. Profitieren würden Kinder aus sozial benachteiligten oder fremdsprachigen Familien, die ihren Bildungsweg häufig bereits mit Defiziten beschreiten.

Profitieren würden Kinder aus sozial benachteiligten oder fremdsprachigen Familien.

Die Absicht ist löblich, denn die Forschung lässt keine Zweifel offen: Werden sprachliche, soziale und kognitive Fähigkeiten früh gefördert, wirkt sich das positiv bis ins Erwachsenenalter aus. Frühes Lernen be­einflusst den schulischen und beruf­lichen Werdegang und sogar die gesellschaftliche Einbettung eines Menschen. Oder anders gesagt: Defizite in der frühen Kindheit lassen sich nur schwer aufholen. Die Wissenschaft warnt denn auch ungewohnt eindringlich davor, die früh beginnende Chancenungleichheit im Schweizer Bildungssystem weiterhin zu ignorieren. Sie fordert die Politik auf, flächendeckend in die frühe Förderung zu investieren.

Das ergibt zwar Sinn angesichts der hohen volkswirtschaftlichen Kosten, die schwierige Bildungsverläufe bergen. Und doch ist der nun ausgebrochene Aktivismus auch mit Skepsis zu sehen: Statt überall Geldtöpfe zu öffnen und mit Maximalforderungen für sämtliche Kinder aufzutreten, braucht es ein pragmatisches, koordiniertes Vorgehen. Welche Angebote sind in den Gemeinden bereits vorhanden? Wo besteht dringendster Bedarf? Wie können primär fremdsprachige Kinder erreicht werden? Diese Fragen müssen zuerst geklärt werden. Vor jedem weiteren Schritt muss deshalb eine nationale Strategie stehen. Erst im Wissen um alle Fakten und potenziellen Kosten sind weitere Entscheide möglich.

Erstellt: 11.04.2019, 21:48 Uhr

Artikel zum Thema

Damit Kinder vor dem Chindsgi den Purzelbaum lernen

Je früher Kinder gefördert werden, umso einfacher haben sie es später. Dafür soll es nun Geld vom Bund geben. Mehr...

Eltern finanziell abzustrafen, ist der falsche Weg

Kommentar Dass viele Kinder zu wenig gut Deutsch sprechen, ist ein Problem. Es gibt aber bessere Lösungen, als für Sprachunterricht Geld zu verlangen. Mehr...

Früh übt sich

Frühförderung soll sozial benachteiligten Kindern zu besseren Chancen in der Schule verhelfen. Doch wie bringt man betroffene Familien dazu, sich an entsprechenden Programmen zu beteiligen? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...