Jetzt wirds persönlich

Auf ihrer Roadshow durch die Schweiz zeigten die Bundesratskandidaten der FDP plötzlich ein anderes Gesicht.

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Man lernt immer dazu. Der Auftritt in Muttenz BL geriet letzte Woche etwas gar harmonisch, die drei Bundesratskandidaten Karin Keller-Sutter, Hans Wicki und Christian Amsler bestätigten sich die ganze Zeit, Differenzen gab es kaum.

Diesmal wollte es die Kommunikationsabteilung der FDP lebendiger haben. Die Roadshow, welche die FDP 2017 mit Pierre Maudet, Isabelle Moret und Ignazio Cassis erstmals durchgeführt hatte, ist nicht in erster Linie ein Mittel, um die Bundesratskandidaten zu bewerben (denn die werden ja nicht vom Volk gewählt), sondern, um die FDP zu den Leuten zu bringen. Die von Philipp Müller wieder aufgenommene Tradition der Volksnähe wird weitergeführt.

Am Montagabend im Kirchgemeindehaus Liebestrasse in Winterthur hiess es also: mehr Kontroverse, und mehr Persönliches. Deshalb stellten sich die Kandidaten nicht selber vor, sondern der Moderator, NZZ-Journalist Daniel Fritzsche, befragte sie.

Sie sei seit 30 Jahren mit ihrem Mann verheiratet, sagte Keller-Sutter, Ständeratspräsidentin, und ihr Ratskollege Hans Wicki übertrumpfte das noch: Er sei schon über 30 Jahre mit seiner Frau zusammen, allerdings weniger lange verheiratet. Und er verriet, dass es nicht immer einfach sei im Schatten einer bekannten Partnerin: Monika Wicki-Hess, die jüngere Cousine der Skirennfahrerin Erika Hess, nahm selber an Weltcup-Skirennen teil, und einmal an den Olympischen Winterspielen in Sarajevo.

Die Erfahrene, der Naturbub, der Starke

Die drei 54-Jährigen betonten also weniger ihre Gemeinsamkeiten und mehr ihre Alleinstellungsmerkmale. Keller-Sutter, vom Moderator als Favoritin bezeichnet, die anderen als Statisten, sprach von ihrer Zeit als St. Galler Justizministerin und Vorsteherin eines Departements mit 1500 Angestellten («so etwas macht man nicht in der Freizeit»). Ihr zeitweiliger Übername «eiserne Lady» sei von daher passend, etwa so müsse man für diesen Job beschaffen sein. Auch sagte sie, dass der Ständerat, in dem sie seit acht Jahren politisiert, in den letzten Jahren die wichtigsten Projekte gemacht habe, und nicht etwa der Bundesrat.

Konkurrent Amsler entgegnete, es sei nicht an den Kandidaten, den Bundesrat zu qualifzieren, erst einmal müsse man es selber besser machen. Er wiederum gab sich die Rolle des Starken. Mit 1,96 Metern Körpergrösse könne er dem Gegenwind trotzen, sagte er und gab gleich zu Beginn der Diskussion den Tarif durch, indem er den Moderator anwies, anders hinzustehen, damit er, Amsler, das Publikum beim Reden anschauen könne.

Christian Amsler redete am lautesten und gestikulierte am auffälligsten.

Wenn es ein wenig fetzt und reibt, das habe er gern, das erlebe er auch in seinem Schaffhauser Regierungsgremium, und trotzdem sei sein Partei- und Ratskollege Martin Kessler heute Abend im Publikum. Christian Amsler redete am lautesten und gestikulierte am auffälligsten.

Hans Wicki betonte seine Natur- und Heimatverbundenheit mit der Urschweiz. Wenn man in der Wiege der Eidgenossenschaft zur Welt gekommen ist, dann könne man sich unter Heimat etwas vorstellen, sagte er, und blickte dabei zu Boden. Diese Verbundenheit sei wichtig, weil man sonst den Boden unter den Füssen verliere und vielleicht zu hoch fliege, wie Ikarus, der sich die Flügel an der Sonne verbrennt.

Bühne für die FDP Zürich

Etwa 150 Personen kamen am Montagabend ins Kirchgemeindehaus, etwas mehr als letzte Woche an den Veranstaltungsort in Muttenz. Und die Publikumsfragen waren eher persönliche Sympathiebekundungen («Frau Keller-Sutter ist für mich klar die Glaubwürdigste», oder «Herr Amsler ist der Einzige, der von einem Exekutiv- in ein Exekutivamt wechseln würde. Wie ist das für Sie, Herr Amsler?»)

Eine Bühne war der Anlass für die FDP des Kantons Zürich. Präsident Hans-Jakob Bösch betonte in seiner Begrüssungsrede die Bedeutung des Kantons für die Schweiz, nannte zweimal den Betrag, den die Zürcher jährlich in den nationalen Finanzausgleich einzahlen (knapp 500 Millionen Franken), das reue ihn aber keineswegs, er sage es nur zum besseren Verständnis. Und eben auch die Begehrlichkeiten des Kantons, der sich ein viertes Gleis am Bahnhof Stadelhofen wünscht und eine bessere Autobahn zwischen Winterthur und Zürich, das sei eben schon dringlicher als bei der halb leeren Transjurane.

Für einmal waren sich die Kandidaten einig: Jede Region ist auf ihre Art wichtig, die Vielfalt macht die Schweiz aus, die Solidarität. Am Mittwoch treten die Kandidaten in Yverdon-les-Bains auf. Am Freitag entscheidet die Fraktion, wen sie für den 5. Dezember ins Rennen schickt.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 13.11.2018, 11:15 Uhr

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